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  3. Was vom Smart-City-Projekt bleibt
Digitalbus bringt Digitalisierung an die Schulen
Mit dem Digitalbus bringt Bad Berleburg das Thema Digitalisierung an die Schulen.
© Bad Berleburg

Praxisbeispiel Bad Berleburg

Was vom Smart-City-Projekt bleibt

von Monique Opetz
Freie Journalistin
9. September 2026
Bad Berleburg hat Digitalisierung früh in die Stadtentwicklung integriert. Nun läuft die Förderung aus – doch Datenplattform, Sensoren und digitale Anwendungen bleiben und verändern den kommunalen Alltag.

Als Bad Berleburg 2019 in das Thema Digitalisierung einstieg, gab es bereits eine Grundlage: 2018 hatte die Kommune ihre Nachhaltigkeitsstrategie verabschiedet. Gemeinsam mit der Universität Siegen prüfte sie, wie digitale Lösungen helfen können, die darin festgelegten Ziele zu erreichen – und welche neuen Maßnahmen nötig sind. „Das waren so unsere ersten Schritte hin zu einer Digitalisierungsstrategie“, sagt Colette Siebert, Stabsabteilungsleiterin Regionalentwicklung.

Kurz darauf startete das Förderprogramm Smart Cities. Die rund 18 000-Einwohner-Kommune wollte von Anfang an dabei sein. Als sich die fünf Kommunen in Südwestfalen für eine gemeinsame Bewerbung zusammenschlossen, war für die Stadt klar: Die bisherigen Ansätze sollten ausgebaut und verstetigt werden.

Von der Strategie zur Umsetzung

Das Modellprojekt gab dem Digitalisierungsprozess in Bad Berleburg eine neue Qualität. Das Projektteam schärfte die bestehende Strategie und ergänzte sie um konkrete Maßnahmen. Vor allem aber stand nun Geld für die Umsetzung zur Verfügung. In der zweijährigen Strategiephase von 2019 bis 2021 erhielt Bad Berleburg knapp 300.000 Euro Förderung. Für die Umsetzungsphase bis 2026 kamen rund 1,8 Millionen Euro hinzu.

Damit konnte die Kommune auch zusätzliches Personal einsetzen. Dabei hat sich das Anforderungsprofil im Laufe des Projekts verändert: Während in der Strategiephase vor allem Kenntnisse in Regional- und Strategieentwicklung gefragt waren, wurde mit der konkreten Umsetzung insbesondere technisches Know-how wichtig.

„Man braucht beides“, sagt Siebert. Für die Strategiephase sei ein breiter Blick auf Stadtentwicklung und Zukunftsthemen wichtig. Bei konkreten Maßnahmen brauche es dagegen IT-Fachkräfte, die diese auch umsetzen können.

Stabsabteilungsleiterin Regionalentwicklung Colette Siebert und Smart-Cities-Manager Sven Willerscheid
Stabsabteilungsleiterin Regionalentwicklung Colette Siebert und Smart-Cities-Manager Sven Willerscheid vor der Projekttafel "Smart Cities - 5 für Südwestfalen".

Das digitale Rückgrat

Eine der wichtigsten gemeinsamen Maßnahmen der fünf Kommunen ist die regionale Datenplattform. Sie soll künftig Daten zusammenführen, aufbereiten und für Anwendungen nutzbar machen. Für Bad Berleburg ist sie eine Art Basisinfrastruktur: „Das ist quasi das Gehirn einer Smart City“, so Siebert

Dazu kommt ein LoRaWAN-Netz. Sensoren für Wetterstationen und Flusspegel liefern darüber Daten an die digitale Plattform. Auch Gebäude werden mithilfe von Sensorik digital erfasst. Beim sogenannten Energiezwilling messen Sensoren die Energieverbräuche und übertragen die Daten automatisiert.

Ein konkreter Nutzen zeigt sich bereits bei den Hausmeistern an Schulen: Sie können über ein Dashboard sehen, wie warm es in einzelnen Räumen ist. So lässt sich etwa erkennen, ob während der Schulferien Räume versehentlich beheizt werden, obwohl sie nicht genutzt werden.

Gemeinsam statt fünfmal neu

Die fünf Kommunen haben ihre Digitalisierung nicht unabhängig voneinander vorangetrieben. Gerade darin sieht Siebert einen großen Vorteil des Projekts. „Wenn wir Digitalisierungsprojekte gemeinsam umsetzen, haben viele Kommunen was davon“, sagt sie. Die entwickelten Anwendungsfälle können andere  übernehmen. „Kopieren ist zu 100 Prozent erlaubt und sogar gewünscht.“

Die Datenplattform war von Beginn an ein gemeinsames Projekt. Bei weiteren Themen identifizierten die Kommunen ähnliche Bedarfe und teilten die Umsetzung untereinander auf. Eine Kommune übernahm etwa das Hochwassermonitoring, eine andere den Energiezwilling. Daneben gab es Maßnahmen, die einzelne Kommunen selbst umsetzten.

Digitalisierung muss zu den Menschen kommen

Nicht jede Investition in Digitalisierung ist für Bürgerinnen und Bürger sofort sichtbar. Genau das war in Bad Berleburg eine Herausforderung. Das LoRaWAN-Netz und die Sensorik beispielsweise - „das ist nichts, was der Bürger von heute auf morgen spürt“, weiß Siebert.

In Kooperation mit dem DIGITALUM bringt Bad Berleburg mit einem Digitalbus das Thema Digitalisierung zu den Menschen. Der mit 3D-Druckern und weiteren Technologien ausgestattete Bus macht Halt an Schulen und ist Anlaufstelle für Schülerinnen und Schüler.

Auch Workshops gehören zum Angebot – etwa zu KI, IT-Sicherheit oder digitaler Zusammenarbeit in Vereinen. Allerdings zeigt sich dabei eine wichtige Erfahrung: Der Bedarf ist zwar vorhanden, zu den Veranstaltungen kommen trotzdem oft nur wenige Menschen.

„Lieber Leute aufsuchen“, lautet deshalb Sieberts Fazit. Formate an Orten, an denen Menschen ohnehin zusammenkommen, funktionieren aus ihrer Sicht besser als zusätzliche Räume und Angebote, zu denen die Menschen erst kommen müssen. Das zeigte sich nicht nur an den Schulen, sondern auch bei Seniorentreffs.

Skizze Projekt "Smart Cities - 5 für Südwestfalen"
Vision: Im Rahmen des Projekts "Smart Cities - 5 für Südwestfalen" trugen die Beteiligten zusammen, was Südwestfalen 2030 auszeichnen soll. 

Was bleibt, wenn die Förderung endet?

Die Förderung läuft im Oktober 2026 aus. Für Bad Berleburg bedeutet das nach eigener Einschätzung aber keinen Einschnitt. Die Stadt hat von Beginn an darauf geachtet, Digitalisierung in bestehende Strukturen einzubinden. „Wir haben eben bewusst keinen neuen Ort geschaffen für Digitalisierung, sondern Digitalisierung in die bestehenden Strukturen eingebunden“, sagt Siebert.

Bei einzelnen Projekten sucht die Stadt nach Anschlussfinanzierungen. Ein Beispiel ist ein neues Förderprojekt zur Entwicklung eines digitalen Zwillings für Klimafolgenanpassungsmaßnahmen. Die Stadt hat dafür bereits ihr Klimaanpassungskonzept verabschiedet. Daten aus der Smart-City-Förderung bilden die Grundlage. Mit dem neuen Förderprogramm kann die Arbeit nun weitere vier Jahre fortgesetzt werden.

Die Digitalisierung verschwindet damit zunehmend als eigenes Schlagwort. Hochwasser, Mikroklima, Energieversorgung oder Stadtentwicklung stehen im Mittelpunkt. „Wir haben es geschafft, dass daraus Werkzeuge wurden, die wir jetzt weiter nutzen können“, sagt Siebert.

Was kleine Kommunen daraus lernen können

Für andere Kommunen hat Siebert einen einfachen Rat: sich zusammenschließen und vorhandene Lösungen nutzen. „Keiner muss das Rad neu erfinden.“ Gerade im ländlichen Raum sei es wichtig, nicht einfach den Trends großer Städte zu folgen. Entscheidend sei vielmehr die Frage: „Wo liegen die Bedarfe bei uns im ländlichen Raum? Wo kann Digitalisierung uns als Werkzeug helfen?“

Dazu braucht es aus ihrer Sicht kurze Wege. In Bad Berleburg war das Thema zunächst direkt auf Chefebene angesiedelt. Heute sind Digitalisierung, Nachhaltigkeit, Klimaanpassung und Klimaschutz in einer Stabsabteilung gebündelt. Das erleichtert die Abstimmung und hilft, Digitalisierung an konkreten Anwendungen auszurichten.

Herausfordernd bleibt die Finanzierung

Die regionale Zusammenarbeit hat allerdings ihren Preis: Wenn mehrere Kommunen gemeinsam arbeiten, dauern Abstimmungen mitunter länger. „Man muss sich Zeit für Prozesse nehmen“, sagt Siebert. Sie würde den gemeinsamen Weg der fünf Kommunen trotzdem jederzeit wieder gehen.

Herausfordernd bleibt die Finanzierung. Nach dem Ende der Förderung müssen die Kommunen stärker prüfen, welche Anwendungen sich langfristig rechnen. „Kosten-Nutzen-Analyse, das ist eine Herausforderung.“ Nicht jede digitale Anwendung werde sich dauerhaft finanzieren lassen.

Für Bad Berleburg ist das Modellprojekt damit weniger ein abgeschlossenes Digitalisierungsprogramm als eine Grundlage für die nächsten Schritte. Die geförderte Infrastruktur steht, erste Anwendungen sind erprobt – und die Kommune arbeitet daran, daraus dauerhaft nutzbare Werkzeuge für ihre Stadtentwicklung zu machen.

Mehr über das Modellprojekt.

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Fotocredits: Bad Berleburg
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