Stadt der Zukunft gestalten mit Zukunftsbeauftragten
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Zukunft der Stadt gestalten? Mit einem Zukunftsbeauftragten!

Di, 15.10.2019

Überalterung, Landflucht, Finanzdesaster. Auch die Digitalökonomie und zunehmender Leerstand in Einkaufscentern stellen Kommunen vor riesige Herausforderungen. Doch: Was ist zu tun? Unser Gastautor Thomas Strobel plädiert in KOMMUNAL für die Einstellung eines Zukunftsbeauftragten.

Wie können sich Städte auf die Anforderungen der kommenden Jahre einstellen? Die Frage, ob man von Entwicklungen und Ereignissen getrieben handelt oder vorausschauend die Zukunft mitgestaltet, stellt sich aus Sicht eines Zukunftslotsen erst gar nicht. Denn vor dem Hintergrund der gleichzeitigen Einflüsse von Globalisierung, Digitalisierung, interdisziplinärer Lösungen und branchenübergreifender Zusammenarbeit ist es für unsere Mittelstädte existenziell, erfolgversprechende Verkehrs-, Energie- und Wirtschaftskreisläufe, neue Beschäftigung und innovative Geschäftsmodelle vorzudenken. 

 

Stadt braucht für die Zukunft einen Zukunftsbeauftragten
Zukunftslotse Thomas Strobel ist Geschäftsführer der FENWIS GmbH. Er entwickelt im Auftrag von mittelständischen Unternehmen Zukunftsszenarien. 

 

Dafür favorisiere ich zusätzlich zu Politik, Wirtschaftsverbänden und Behörden runde Tische, die von unabhängigen Experten moderiert werden. Mutige Zukunftsentwürfe brauchen auch auf der Ebene mittelgroßer Städte das aktive Mitwirken ortsansässiger Wissenschaftseinrichtungen und vor allem auch von Studenten und Jugendlichen als Gestalter dieser Veränderungen.  

 

Nicht nur große Städte brauchen Zukunftsbeauftragten

 

Ein kommunaler Zukunftsbeauftragter macht nicht nur in Städten mit eigenem Speckgürtel Sinn. Auch in Kleinstädten könnten diese Personen Zukunftsbilder entwickeln und daraus mit Hilfe der Methode der Retropolation erfolgversprechende Maßnahmen für die nachhaltige Entwicklung der Kommune ableiten. Je kleiner die Stadt, desto wichtiger wird die Kooperation mit Nachbarstädten und Gemeinden des Landkreises. Nur so werden viele Projekte auch finanzierbar, die am Ende der gesamten Region zu Gute kommen. 

Stadt der zukunft
Quelle: Bayern innovativ

Die Zusammenarbeit über Stadt- und Landkreisgrenzen hinweg ermöglicht, zukünftige Attraktivität mit hoher Investitionseffizienz verbinden zu können. Ein gemeinsamer Zukunftsplan wird mehr positive Wirkung erzeugen, als der heutige Wettkampf bei der Ausweisung neuer Gewerbegebiete und Hebesätze.  

 

So stellt sich eine Stadt für die Zukunft auf

 

Aus meiner Sicht müssen Oberbürgermeister und Landräte sechs Faktoren beachten. 

  1. Regionale Kooperations-Cluster und Vernetzung: Mittelgroße Kommunen sollten prüfen, wie sie sich zu regionalen Kooperations-Clustern zusammenfinden. Gemeinsam könnte man über moderne Lösungen für den Verkehr oder Vertical Farming nachdenken und die Ideen umsetzen.  

  1. Smart City: Verbände und Organisationen wie die IHK sollten den Aufbau und die Weiterentwicklung lokaler Wirtschaftskreisläufe vorausschauend fördern. Es müssen Netzwerke und Partnerschaften mit Firmen und Handwerkern, die unkompliziert und vertrauensvoll zusammenarbeiten, entwickelt werden.  

  1. Abwanderung begegnen: Die Arbeitswelten sind nicht nur im digitalen Umbruch. Der Wegfall von „alter“ Arbeit (mit Abwanderung als Folge) muss durch Zukunftsarbeitsplätze aufgefangen werden.  

  1. Kompatible Mobilitätskonzepte: Da sich das Verkehrssystem in den nächsten 15 Jahren zum Teil grundlegend ändern wird (Benutzen statt Besitzen, autonomes Fahren) müssen Städte ein vorausschauendes zukunftssicheres und zu den Nachbarregionen kompatibles Mobilitätskonzept jenseits der privaten PKWs aufbauen. Bausteine sind: Carsharing, Sammeltaxis, umweltfreundlicher ÖPNV, E-Mobilität in verschiedenen Formen für Kurzstrecken mit Ladeinfrastruktur.  

  1. Städtebaukonzepte: Sie sollten sich verstärkt auf Häuser mit flexibler Nutzung für Büros und/oder Wohnungen sowie Gebäude für Lebensmittelherstellung nahe am Verbraucher (Vertical Farming, Urban Farming) orientieren. Stadtteile sollten eine fußläufige Einkaufsinfrastruktur haben.  

  1. Geimeinwohl 2035: Hier kommen Fragen auf, wie beispielsweise: Wie gelingt es, Migranten und Zuwanderer wirklich zu integrieren? Inwieweit werden neue regionale Communities als Folge sozialer Medien mit traditionellen Vereinen konkurrieren? Welche Behördendienstleistungen können online angeboten werden? Wie kommen Bürger schnell zu notwendigen Informationen und Genehmigungen? Welche Voraussetzung kann die Kommune schaffen für Home-Office-Arbeitsplätze und Startups schaffen?  

 

Fazit: Wer als Stadt seinen Bürgern das Leben attraktiver gestalten kann, sollte Strukturen für lebenslanges Lernen und neue Arbeitsplätze schaffen. Zudem sollte die Versorgung mit frischen regionalen Lebensmitteln gesichert sein und zentrale, fußläufige Marktplätze für regionale Waren statt weiterer Kaufparks mit Flächenverbrauch auf der grünen Wiese geschaffen werden. 

Städte für die Zukunft aufstellen
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