Start-Ups brauchen eine andere Kultur - Scheitern gehört dazu

Start-Ups - Gründerförderung in Bayern

7. September 2016
Regionale Gründerförderung - in Bayern gibt es ein gelungenes Projekt zur Förderung von StartUps in Regensburg. KOMMUNAL stellt die Ideenschmiede vor!

Autor: Jonas Wiggers Start-Ups sind die große Hoffnung der deutschen Wirtschaft. Überall hört man heutzutage das Wort und das Verlangen nach Förderung. Die Hoffnung auf das Einhorn, das eine Start-Up, das über eine Milliarde Euro Wert erlangt, ist in den Debatten und Lobpreisungen förmlich greifbar. Doch passt das überhaupt zusammen, Start-Ups und Deutschland? Wenn Gründungen mit Erfolg im gleichen Atemzug genannt werden, zeigt sich schon die hemmende Seite des Perfektionismus. Dieser Druck zu siegen, diese Angst vor dem Scheitern, das kennt man aus dem Heimatland des Konzeptes Start-Up, dem wir so sehnsüchtig nacheifern, nicht. Dass diese kulturellen Unterschiede aber nicht zwangsläufig dazu führen müssen, dass potentielle Gründer in Schockstarre verfallen, zeigt zum Beispiel die TechBase Regensburg. Hier können Jungunternehmen sich austoben, neue Ideen ausprobieren und sich langsam an die harte Welt des World Wide Business gewöhnen.

Es braucht ideale Rahmenbedingungen für die ersten Jahre von Start-Ups

Die TechBase ist das neue Flaggschiff der regionalen Gründerförderung in Bayern. In dem Neubau in der Nähe der Universität finden junge Unternehmen den Raum, den sie benötigen um voll durchzustarten. „Das Ziel ist dabei innovativen und technologieorientierten Gründern und Unternehmen ideale Rahmenbedingungen für die ersten Startjahre zu geben“, sagt Tanja Braun von der Betreibergesellschaft R-Tech GmbH. Dabei wird weit über die bloße Immobilie hinausgegangen. In der TechBase finden die jungen Unternehmer Labore, Möglichkeiten zur Kontaktaufnahme zur Wirtschaftsförderung und Beratung bei den bürokratischen Hürden, die auf dem Weg in die Selbstständigkeit genommen werden müssen. Somit wird ein ganzheitliches Konzept geboten, das es unerfahrenen Unternehmern ermöglicht den Weg zum Erfolg möglichst ohne Hindernisse zurück zu legen.

Internationaler Erfolg - made in Regensburg

Nun wirkt es auf den ersten Blick verwunderlich, dass nicht alle Räume in der TechBase vermietet sind. Doch das hat Methode. „Die TechBase wird nie zu 100 Prozent vermietet, da das Konzept ein gewisses Wachstumspotential vorsieht, um immer freie Räumlichkeiten für Gründer und Unternehmen bereitzuhalten.“, sagt Braun. „Bei den Vermietungen herrscht ein „rotierendes Prinzip“: Mieter sind längstens 8 Jahre in der TechBase, häufig kürzer.“ Was in diesen 8 Jahren entstehen kann zeigt ein Blick auf das Vorgängerzentrum der TechBase. Aus dem IT-Speicher sind Unternehmen wie „intence“, „OptWare“ „naabspitz“ und „Timing Architects“ hervorgegangen, die heute weltweit erfolgreich agieren und teilweise weit über 30 Mitarbeiter haben. Da die TechBase erst in diesem Jahr eröffnet wurde und doppelt so viel Fläche bietet, kann Regensburg weiter darauf bauen, dass international erfolgreiche Unternehmen ihren Anfang in Regensburg bestreiten.

Im digitalen Zeitalter spielen Start-Ups eine besonders wichtige Rolle - doch die Rahmenbedingungen sind bisher nicht optimal

Selbstverständlich sind Projekte wie die TechBase aufgrund ihrer technologischen Anforderungen kein billiges Unterfangen. Doch das bedeutet nicht, dass diese Art von Investition negativ gesehen wird. Die TechBase wird  auch in der Gesellschaft positiv angenommen. „Die Resonanz in der Bevölkerung und bei den Besuchern ist durchweg positiv. Man schätzt den Ausbau und die Stärkung der Gründerförderung, die in Regensburg seit jeher fester Bestandteil der Wirtschaftspolitik ist. Auch die Wissenschaftslandschaft reagiert positiv auf das Gründer- und Innovationszentrum und ist sehr interessiert an dem gezielten Austausch mit Gründern“, sagt Tanja Braun. In Regensburg versteht man, dass eine fundierte Zukunftsgestaltung zunächst Investitionen braucht, dass sich diese aber mehr als nur lohnen. Gerade junge, innovative Unternehmen werden angesiedelt und tragen einen erheblichen Anteil dazu bei, dass die wirtschaftliche Zukunft der Region gesichert wird.

Made in Regensburg?

In Regensburg mag noch kein Einhorn gesichtet worden sein. Jedoch sind die Regensburger mit ihrem wegweisenden Innovationszentrum auf dem besten Weg, dass einschneidende Innovationen irgendwann den Stempel „Made in Regensburg“ tragen werden. Es ist durchaus vorstellbar, dass die TechBase selbst irgendwann zum Einhorn wird. Genügend Ideen sind vorhanden und täglich werden hier große Schritte in die Zukunft der Wirtschaft getan. Gerade der Erfolg der TechBase sollte auch der Verwaltung zu denken geben. Durch technologischen Fortschritt kann ein erheblicher Teil zur Entbürokratisierung beigetragen werden. Es ist sogar deutlich einfacher vorstellbar, dass durch innovative Ideen enorme Einsparungen in der Verwaltung möglich sind. Die Suche nach dem bürokratischen Einhorn ist eröffnet!