Kommunalwahlen
Stichwahl Niedersachsen 2026: Diese Städte wählen erneut – so geht es jetzt weiter
Die Wahlurnen waren gerade wieder verstaut, da dürfen zahlreiche niedersächsische Kommunen sie schon wieder hervorholen.
Am Sonntag, 27. September 2026, finden in vielen Städten, Gemeinden und Landkreisen Stichwahlen statt. Der Grund ist simpel: Bei einer Direktwahl zum Bürgermeister, Oberbürgermeister, Landrat oder Regionspräsidenten ist gewählt, wer mehr als die Hälfte der gültigen Stimmen erhält. Gelingt das keinem Bewerber, treten in der Regel zwei Wochen später die beiden Kandidaten mit den meisten Stimmen gegeneinander an.
Bei den Kommunalwahlen am 13. September fanden landesweit 395 Direktwahlen statt. Entschieden wurde über Bürgermeister, Oberbürgermeister, Landräte und den Regionspräsidenten der Region Hannover. In zahlreichen Fällen fiel die Entscheidung im ersten Wahlgang – andernorts gibt es nun die Verlängerung.
Und die ist denkbar einfach: In der Stichwahl gibt es für die jeweilige Direktwahl nur noch zwei Bewerber. Jeder Wähler hat eine Stimme.
Stichwahl Hannover: Gleich zwei Entscheidungen an einem Tag
Besonders interessant ist die Situation in Hannover. Die Einwohner der Landeshauptstadt bekommen am 27. September gleich zwei Stimmzettel.
Zum einen wird über das Amt des Oberbürgermeisters entschieden. Amtsinhaber Belit Onay von den Grünen erreichte im ersten Wahlgang 45,6 Prozent. Herausforderer Axel von der Ohe von der SPD kam auf 21,5 Prozent. Da Onay die absolute Mehrheit verfehlte, treffen beide nun erneut aufeinander.
Parallel wird die Spitze der Region Hannover gewählt. Dort treten Eva Bender von der SPD und Oliver Junk von der CDU gegeneinander an. Bender erreichte im ersten Wahlgang 30,6 Prozent, Junk 22,0 Prozent.
Für Hannover bedeutet das: zwei Direktwahlen, zwei Stimmzettel und jeweils genau ein Kreuz. Die Wahllokale sind am 27. September von 8 bis 18 Uhr geöffnet.
Das ist nach dem kommunalen Fünf-Zettel-Marathon vom 13. September beinahe schon Wahlerholung.
Wo gibt es bei der Kommunalwahl Niedersachsen weitere Stichwahlen?
Hannover ist längst nicht allein. Auch in zahlreichen anderen großen Städten ist das Rennen um die Verwaltungsspitze noch offen.
In Braunschweig treffen SPD-Amtsinhaber Thorsten Kornblum und CDU-Bewerber Maximilian Pohler aufeinander. In Osnabrück geht CDU-Oberbürgermeisterin Katharina Pötter gegen Volker Bajus von den Grünen in die zweite Runde. In Göttingen stehen sich Onyeka Oshionwu von den Grünen und Ehsan Kangarani von der CDU gegenüber.
Auch Oldenburg wählt erneut: Dort treten SPD-Bewerber Ulf Prange und der parteilose Jascha Rohr gegeneinander an. In Delmenhorst heißt das Duell Petra Gerlach von der CDU gegen Alexander Mittag von der SPD. In Lüneburg kommt es sogar zu einer Neuauflage des Duells von 2021 zwischen Amtsinhaberin Claudia Kalisch und Heiko Meyer.
Besondere Aufmerksamkeit bekommt Salzgitter. Dort trifft CDU-Oberbürgermeister Frank Klingebiel auf AfD-Bewerberin Patricia Mair. Klingebiel erreichte im ersten Wahlgang 45,6 Prozent, Mair 25,7 Prozent. Die AfD schaffte damit in Niedersachsen erstmals den Einzug in eine Stichwahl um ein kommunales Spitzenamt.
Auch auf Kreisebene ist noch einiges offen. Stichwahlen gibt es unter anderem in den Landkreisen Osnabrück, Göttingen, Hildesheim, Aurich, Ammerland, Helmstedt, Peine, Wolfenbüttel und Hameln-Pyrmont. In der Grafschaft Bentheim steht zudem der als „Lehrer Schmidt“ bekannte Kai Schmidt in der zweiten Runde um das Landratsamt.
Briefwahl zur Stichwahl: Wer schon beantragt hat, sollte genau hinschauen
Wer am 27. September nicht persönlich ins Wahllokal gehen möchte, kann auch bei der Stichwahl per Brief wählen.
Wichtig ist allerdings ein Detail: Wer bereits vor dem ersten Wahlgang Briefwahl beantragt hatte, bekommt die Unterlagen für die Stichwahl nicht in jedem Fall allein deshalb automatisch. Entscheidend ist, ob beim ursprünglichen Antrag auch die mögliche Stichwahl mit beantragt wurde. So weist etwa der Landkreis Ammerland ausdrücklich darauf hin, dass in diesem Fall die Unterlagen automatisch von der zuständigen Gemeinde verschickt werden. Wer die Stichwahl damals nicht mit beantragt hat, muss einen neuen Antrag stellen.
Deshalb gilt für Wähler: Nicht einfach darauf vertrauen, dass irgendwann Post kommt. Ein kurzer Blick auf den ursprünglichen Antrag oder die Internetseite des zuständigen Wahlamtes erspart im Zweifel einige Hektik in der letzten Septemberwoche.
Briefwahl Hannover: Online, QR-Code oder direkt im Rathaus
Hannover zeigt beispielhaft, wie die kurze Zeit zwischen Haupt- und Stichwahl organisiert werden kann.
Wer Briefwahlunterlagen benötigt, kann sie über den personalisierten QR-Code auf der Wahlbenachrichtigung, online, per E-Mail, Fax, schriftlich oder persönlich beantragen. Die Wahlbenachrichtigung für die Kommunalwahl gilt in Hannover zugleich für die Stichwahl.
Drei Briefwahlstellen stehen zur Verfügung: im Neuen Rathaus, im Podbi-Park und im Lindener Rathaus. Wer dort seine Unterlagen persönlich abholt, kann seine Stimme auch sofort vor Ort abgeben. Die Stellen bleiben bis Freitag, 25. September, geöffnet; an diesem letzten Tag endet die Ausgabe um 13 Uhr.
Einen wichtigen Hinweis gibt das Hannoveraner Wahlamt wegen der knappen Postlaufzeiten: Ab dem 23. September wird von einer postalischen Beantragung der Briefwahlunterlagen abgeraten. Wer dann noch Unterlagen benötigt, sollte sie persönlich abholen.
Das ist keine landesweit einheitliche „23.-September-Frist“, sondern eine konkrete Serviceempfehlung der Landeshauptstadt Hannover. Andere Städte und Gemeinden können andere Verfahren und Öffnungszeiten haben.
Entscheidend bleibt überall: Der ausgefüllte Wahlbrief muss rechtzeitig bei der zuständigen Wahlbehörde sein. In Hannover muss er spätestens am 27. September um 18 Uhr eingegangen sein.
Stichwahl und Briefwahl: Was Wahlämter jetzt kommunizieren sollten
Gerade für Rathäuser ist die Zeit zwischen erster Wahl und Stichwahl sportlich. Innerhalb von nur zwei Wochen müssen Kandidaten feststehen, Stimmzettel produziert, Briefwahlunterlagen verschickt, Wahllokale vorbereitet und Wähler informiert werden.
Eine einfache Service-Checkliste für Kommunen:
- Stichwahl prominent auf die Startseite: Datum, Uhrzeit, Kandidaten und betroffene Wahl auf einen Blick.
- Briefwahlantrag sofort verlinken: Online-Antrag und – sofern vorhanden – QR-Code möglichst ohne Umwege erreichbar machen.
- Automatischen Versand erklären: Klar sagen, wer die Briefwahl für die Stichwahl bereits mitbeantragt hat und deshalb nichts mehr tun muss.
- Briefwahlstellen nennen: Adresse, Öffnungszeiten und Möglichkeit zur sofortigen Stimmabgabe vor Ort deutlich ausweisen.
- Postlaufzeiten kommunizieren: Rechtzeitig darauf hinweisen, ab wann eine persönliche Abholung sicherer ist als Versand und Rückversand.
- Eingangsfrist groß schreiben: Der Wahlbrief muss am Wahltag rechtzeitig beim zuständigen Wahlamt eingehen – das Absenden allein reicht nicht.
- Wahlbenachrichtigung erklären: Wird die alte Benachrichtigung weiterverwendet, gehört diese Information gut sichtbar auf die Wahlseite.
Das klingt nach Verwaltungsgrundkurs. Aber gerade in den wenigen Tagen zwischen zwei Wahlgängen sind es häufig nicht die komplizierten Rechtsfragen, die Bürger beschäftigen, sondern sehr praktische: Bekomme ich neue Post? Wo kann ich wählen? Muss ich Briefwahl neu beantragen? Und wann ist es für die Post eigentlich zu spät?
Wer diese Fragen auf der kommunalen Homepage in 30 Sekunden beantwortet, hat schon viel gewonnen.
Hannover zeigt das Problem kurzer Briefwahlfristen
Die doppelte Stichwahl in Hannover macht dabei besonders deutlich, wie eng die Zeitplanung ist.
Die Briefwahlstelle im Neuen Rathaus öffnete bereits am 15. September wieder, die beiden weiteren Stellen am 16. September. Zwischen dem ersten Wahlgang und dem Beginn der erneuten Briefwahl lagen damit gerade einmal wenige Tage.
Für die Wahlämter bedeutet das: Nach dem Wahlsonntag ist vor dem Wahlsonntag.
Während andernorts noch Stimmen nachgerechnet, Ergebnisse in Wahlausschüssen festgestellt und neue Ratsmehrheiten sortiert werden, müssen die Verwaltungen für die nächste Wahl bereits Druckmaschinen, Postversand, Wahlhelfer und Briefwahlstellen organisieren.
Stichwahl am 27. September: Dann zählt nur noch eine Stimme
Für die Wähler wird es dagegen deutlich übersichtlicher als am 13. September.
Bei den allgemeinen Kommunalwahlen konnten je nach Wohnort mehrere Stimmzettel und zahlreiche Stimmen zusammenkommen. Bei der Stichwahl geht es nur noch um die offenen Direktwahlen: zwei Kandidaten, eine Stimme pro Stichwahl.
Politisch stehen dabei in vielen Städten und Landkreisen zentrale Personalentscheidungen für die kommenden Jahre an. Seit der Reform des niedersächsischen Kommunalrechts werden Bürgermeister und Landräte wieder für acht Jahregewählt.
Der 27. September ist deshalb keine lästige Zugabe zur Kommunalwahl. Für zahlreiche Rathäuser und Landratsämter fällt erst an diesem Sonntag die eigentliche Personalentscheidung.
Und für die Wahlämter gilt bis dahin: Die Wahlurne darf noch ein bisschen in Reichweite bleiben.
FAQ zur Stichwahl Niedersachsen 2026
Wann ist die Stichwahl in Niedersachsen 2026?
Die Stichwahlen finden am Sonntag, 27. September 2026, statt. Sie werden notwendig, wenn bei einer Direktwahl am 13. September kein Bewerber mehr als die Hälfte der gültigen Stimmen erhalten hat.
Wer kommt in eine Stichwahl?
Die beiden Bewerber mit den höchsten Stimmenzahlen aus dem ersten Wahlgang treten erneut gegeneinander an.
Kann man bei der Stichwahl per Brief wählen?
Ja. Briefwahl ist auch bei der Stichwahl möglich. Die Beantragung läuft über die zuständige Stadt oder Gemeinde.
Muss die Briefwahl für die Stichwahl neu beantragt werden?
Wer die Stichwahl bereits beim ursprünglichen Briefwahlantrag mit beantragt hat, kann – abhängig vom kommunalen Verfahren – die Unterlagen automatisch erhalten. Andernfalls muss ein neuer Antrag gestellt werden. Wähler sollten die Hinweise ihrer eigenen Kommune prüfen.
Wann sollte man Briefwahlunterlagen nicht mehr per Post beantragen?
Das hängt von der Kommune ab. Hannover rät für die Stichwahl ab dem 23. September wegen der Postlaufzeiten von einer postalischen Beantragung ab und empfiehlt dann die persönliche Abholung.
Warum gibt es in Hannover zwei Stimmzettel?
Die Einwohner der Landeshauptstadt entscheiden gleichzeitig über den Oberbürgermeister und über die Spitze der Region Hannover. Für jede dieser beiden Stichwahlen gibt es einen eigenen Stimmzettel und eine Stimme.
