Bauen: Kommunen finden keine Handwerker für Bauprojekte
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Was tun, wenn Kommunen keine Handwerker finden?

Auf öffentliche Ausschreibungen melden sich immer weniger Betriebe. Deshalb ist es Zeit, sich Gedanken zu machen über grundlegende Probleme und mögliche Lösungen

Der Bau einer Brücke, die Sanierung einer Straße oder die Neugestaltung eines Schulhofs - all das sind Bauvorhaben, die in Kommunen brach liegen. Denn in der Baubranche herrscht absoluter Fachkräftemangel. Kommunen finden häufig keinen Betrieb, der die Bauarbeiten ausführt. 

Und da die Firmen kaum Mitarbeiter aber volle Auftragsbücher haben, können sie sich ihre Kunden selbst aussuchen. Und zu den Auserwählten gehören meist NICHT die Kommunen.

 

Wenn der Handwerker fehlt, wird die Straße nicht saniert

 

Auch in der norddeutschen Stadt Lüneburg macht sich der Fachkräftemangel stark bemerkbar. So sollte die Bastionstraße eigentlich schon im letzten Jahr saniert werden. Dafür schrieb der Bereichsleiter für Straßenbau die Bauarbeiten aus. Es stellte sich jedoch schnell heraus, dass kein einziges Angebot reinkommen würde. Und die Straße, über die täglich Tausende Autos, Lastwagen und Busse fahren, konnte erst einmal nicht saniert werden.

Also schrieb der Bereichsleiter die Bauarbeiten noch einmal neu aus. Nun soll die Straße 9 Monate später fertig werden.

 

Bundesweites Problem: Kommunen finden keine Handwerker

 

Thorsten Bullerdiek vom Niedersächsischen Städte-und Gemeindebund erklärte im NDR, dass dies kein Einzelfall sei: "Wir bekommen immer weniger Bewerber, manchmal auch überhaupt keine, die die Aufträge überhaupt machen wollen."

Das Problem betrifft jedoch nicht nur Niedersachsen, sondern auch andere Bundesländer.

Die Ursache dafür sehen viele Experten im Vergaberecht: Kommunen müssen ihre Bauaufträge öffentlich ausschreiben. Für viele Betriebe bedeutet das jedoch vor allem: viel Papieraufwand und genug Fachwissen. Auch Bullerdiek kennt die Problematik. "Kleine Handwerksbetriebe haben gar keine großen Büros, die diese komplizierten Aufträge abwickeln können. Sie sind noch nicht einmal in der Lage, ein Angebot zu schreiben."

 

Was können Kommunen tun, damit Bauprojekte nicht auf der Strecke bleiben?

 

Die Handwerkerschaft Rheinhessen erklärte vor kurzem, dass Kommunen mittelstandsfreundlicher ausschreiben sollten. Denn häufig gingen Aufträge nicht an die regionalen Betriebe, sondern an Generalunternehmen. Es wäre besser, wenn Projekte nicht als Ganzes, sondern gewerkespezifisch ausgeschrieben würden. Zudem sollten laut Handwerkerschaft in den Ausschreibungen auch Umweltaspekte berücksichtigt werden, weil regionale Unternehmen kürzere Anfahrten hätten.

Andere Experten widerum sehen keinen großen Handlungsspielraum für Kommunen, raten jedoch, den Unternehmen ein größeres Zeitfenster anzubieten, wie Sie in diesem Beitrag nachlesen können:

Die Handwerkerbranche warnt seit Jahren vor einem Fachkräftemangel. Sie fordert derweil mehr Wertschätzung für den Beruf und mehr Geld für die Berufsschulen. Zudem will sie, dass der Meister kostenlos angeboten wird: Wer sich dafür qualifizieren lassen will, muss bis zu 15.000 Euro zahlen. Ein Studium hingegen kostet in der Regel nichts. Viele Betriebe setzen sich auch für bessere Bleibeperspektiven für Flüchtlinge in Ausbildungsberufen ein.

Sollte sich an der Situation nichts ändern, gehen in Zukunft Projekte wie die Schaffung von neuem Wohnraum, eine bessere Breitbandversorgung oder eine bessere Energieeffizienz nur sehr langsam voran.

 

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