Die Wasserleitungen, nicht die Wasserknappheit sind häufig das Problem bei dieser Hitzewelle
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Die Wasserleitungen sind teils das größere Problem - wirklicher Wassermangel herrscht kaum

Wasserknappheit wegen Hitzewelle? Notfallpläne in Kommunen

Temperaturen bis 39 Grad - möglicherweise neue Rekordwerte: Immer mehr Flüsse trocknen durch die Hitzewelle aus, in ersten Regionen ist das Trinkwasser praktisch ausgegangen, auch Brunnen sind schon komplett ausgetrocknet!

Vor allem in Hessen haben mehrere Kommunen die Bürger in den vergangenen Tagen zum massivem Wassersparen aufgefordert. In diesen Gemeinden dürfen Bürger etwa ihren Rasen nicht mehr sprengen oder ihren Pool nicht mehr füllen. Und die Kommunen versuchen ob der Hitzewelle auch selbst beim Wasser zu sparen - etwa indem öffentliche Grünflächen nicht mehr gesprengt werden.

Bei einigen Feuerwehren in Deutschland wurden wegen der Wasserknappheit die Übungen mit Wasser eingestellt. Teils belegen die Kommunen Verstöße mit Bußgeldern von bis zu 5000 Euro. 

Der Rechtsrahmen dafür ist in absoluten Ausnahmefällen gegeben: Ihn liefern die Allgemeinen Bedingungen für die Versorgung mit Wasser (AVBWasserV) In solchen Ausnahmefällen kann der öffentliche Wasserversorger die Wassernutzung tatsächlich einschränken. Voraussetzung ist aber, dass damit weitere Trinkwasserengpässe verhindert werden. Kann der Versorger das nicht nachweisen, steht ein Verbot oder gar Bußgelder hingegen auf sehr wackeligen Beinen. In zwei Stadtteilen von Kelkheim (Hessen) etwa ist die Lage eindeutig: Dort sind die für die Versorgung zuständigen Brunnen erschöpft. Die Stadtverwaltung hat daher festgesetzt, dass Wasser nur noch für den persönlichen Bedarf zu entnehmen ist. Hier legt die Feuerwehr bereits Notleitungen. Vor Ort gibt es aber auch eine Besonderheit: Kelkheim ist die einzige Stadt in Hessen, die nicht an das allgemeine Trinkwassernetz angebunden ist, sondern sich selbst versorgt. Sie kann also kein Wasser aus anderen Regionen zuführen.  

 

Wasserknappheit: Tanklaster im Einsatz, Wutmail des Bürgermeisters

 

Noch dramatischer ist die Situation im Vogelsbergkreis, ebenfalls in Hessen. In der Gemeinde Ulrichstein müssen täglich mehrere Tanklaster bis zu 60.000 Liter Wasser in den Ort bringen. Selbst die Springbrunnen sind ausgetrocknet. Auch hier eine Besonderheit: Die Vogelsberg-Gemeinde bezieht ihr Wasser aus den benachbarten Schürfquellen. Bürgermeister Edwin Schneider macht jedoch auch die benachbarte Stadt Frankfurt am Main für das Problem in seiner Gemeinde verantwortlich. In einer Wutmail schrieb er vor wenigen Tagen, die Dürre bei ihm rühre daher, dass die Stadt Frankfurt sein Trinkwasser unter anderem aus Vogelsberg beziehe. 

 

Eigentlich gibt es gar keine Wasserknappheit - auch nicht bei Hitzewellen 

 

Hintergrund ist natürlich der stark gestiegene Wasserverbrauch ob der Hitzewelle. Einige Beispiele: Die Versorgungsbetriebe Rhein-Sieg, die für die Region rund um Siegburg und Bonn das Wasser liefern, melden einen Anstieg des Wasserverbrauchs um fast 40 Prozent. Die Rhein-Energie in Köln spricht von einem Anstieg um 20 Prozent. Doch selbst solche Zahlen werden nicht dazu führen, dass Wasser wirklich knapp wird. Die Versorgungsbetriebe in Rhein-Sieg etwa haben errechnet, dass es für einen Komplettausfall des Wassersystem 13 Monate am Stück nicht regnen dürfte.

 

Die öffentliche Wasserversorgung beansprucht nur etwa drei Prozent der vorhandenen Wasserressourcen in Deutschland!

Die gute Nachricht also: Wasser wird nicht so schnell knapp, wie man meint - im Gegenteil: In Deutschland ist Wasser im Überfluss vorhanden, auch bei der aktuellen Hitzewelle. Die öffentliche Wasserversorgung beansprucht nämlich nur rund drei Prozent der vorhandenen Wasserressourcen. Von Wasserknappheit kann also keine Rede zu sein. 

Oftmals gibt es aber ein hydraulisches Problem. Gerade in ländlichen Regionen ziehen die Wasserleitungen sich über längere Strecken, wie der Geschäftsführer des zuständigen Wasserverbandes in Stade im KOMMUNAL-Interview erklärt. Wenn nun viele Menschen gleichzeitig das Wasser anstellen - etwa zum Sprengen am Abend - dann sinkt die Fließgeschwindigkeit des Wassers. Das Ergebnis kann im Extremfall sein, dass aus dem Wasserhahn eben nur noch tröpfchenweise was herauskommt.

Kurzum: Die Wasserknappheit herrscht nur am Ende der Leitung, nicht beim Grundwasser! 

 

Wasser zu sparen ist trotz Hitzewelle keine gute Idee

 

Grundsätzlich ist die Idee, Ressourcen zu sparen natürlich lobenswert - in der Praxis jedoch gefährdet Wassersparen teilweise sogar das gut funktionierende Abwassersystem. Kommt nämlich zu wenig Wasser in der Kanalisation an, trocknet diese aus, das Wasser fließt langsamer. Es können sich dann sogar Keime bilden. Um das zu verhindern, pumpen immer mehr Stadtwerke notgedrungen ihre Kanäle mit Trinkwasser durch - was mehr Wasser verbraucht, also vorher gespart wurde. 

 

Hitzewelle führt zu zahlreichen weiteren Problemen

 

Die in einigen Orten vorhandene Wasserknappheit ist aktuell natürlich nur ein Problem der Hitzewelle. Experten mahnen hier dazu, das Problem langfristig anzugehen. So mahnt der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, Gerd Landsberg, an, Vorkehrungen für künftige Hitzewellen zu ergreifen. Er schlägt einen Aktionsplan vor, der die Optimierung der Wasserversorgung, zusätzliche Speicherkapazitäten, mehr Grün in der Stadt sowie den Anbau von Pflanzen in Grünanlagen und in kommunalen Wäldern beinhaltet. 

Auch die Deutsche Bahn hat schon Vorkehrungen getroffen: Sie lässt inzwischen bei ihren Zügen die Klimaanlagen auch auf den Abstellgleisen laufen, damit sich die Wagen nicht zu sehr aufheizen.

Eine hitzige Debatte gibt es aktuell auch um Hitzefrei in Behörden. In der Berliner Verwaltung für Kultur etwa gilt schon seit Wochen: Ab 14 Uhr macht jeder seins. Mitarbeiter dürfen nach Hause gehen, wenn es zu heiß wird und bekommen trotzdem den kompletten Arbeitstag bezahlt. Auch die Wirtschaftssentaorin ließ ihre Mitarbeiter bereits früher heimgehen. Der Bürgermeister von Berlin-Mitte hingegen findet diese Regelung befremdlich". Seine Mitarbeiter müssten die Stunden später nachholen. Auch die Bundesregierung gibt ihren Beamten übrigens hitzefrei. 

 

Rechtlich gilt: Bei mehr als 26 Grad im Büro muss der Chef handeln. Zunächst sind Maßnahmen wie Klimaanlagen möglich. Ab 35 Grad Raumtemperatur gilt die Büroarbeit dann also nicht mehr zumutbar. Chefs müssen ihre Mitarbeiter dann umgehend nach Hause schicken. Schon bei Werten ab 30 Grad droht Unternehmen eine "Mitschuld" wenn etwa ein Arbeitnehmer wegen des Wetters einen Kreislaufzusammenbruch erleidet. 

 

 

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