Warum der Autor von einer Krankenhaus-Zentralisierung überzeugt ist, erklärt er im Gastbeitrag

Wir sollten Kliniken NICHT zentralisieren!

16. April 2018
Georg Baum, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft, erklärt im KOMMUNAL-Gastbeitrag, wieso eine Zentralisierung den Menschen vor Ort schaden würde.

Grundsätzlich kann es bei der Gestaltung von Versorgung nicht darum gehen, ein Pro oder Contra Zentralisierung zu diskutieren. Wichtig wäre es, dass sich die Diskussion auf die Realisierung der von den Krankenhäusern schon lange geforderten verzahnten Versorgungsstrukturen fokussieren würde. Niemand, auch kein Krankenhaus, verschließt sich den notwendigen Tendenzen zur Zentralisierung von hochspezialisierten Leistungen. Die Transplantationsmedizin macht dies beispielhaft deutlich. Die Krankenhäuser verschließen sich ebenso wenig anderen Maßnahmen, wenn diese tatsächlich dazu führen, dass spezialisierte und vor allem elektive Leistungen in zentraleren und spezialisierten Strukturen behandelt werden. Dies zeigt sich bei den Mindestmengen genauso wie bei Zentrumszuschlägen. Am Rande sei erwähnt, dass genau diese Vereinbarung zu Zentrumszuschlägen von Kostenträgerseite beklagt und damit verhindert wird. Gleichzeitig gilt es aber auch dafür zu sorgen, dass insbesondere vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung eine flächendeckende wohnortnahe Versorgung auch im stationären Bereich gewährleistet bleiben muss. Dabei geht es nicht um die Frage, wie viele Betten hat ein Krankenhaus, sondern welche Versorgungsbedeutung eine Klinik für die Menschen vor Ort gerade in den ländlichen Regionen hat. LESEN SIE HIER DIE PRO-SEITE VOM BUNDESVORSITZENDEN DES AOK-BUNDESVERBANDS

Zentralisierung der Krankenhauslandschaft: Es drohen viele Nachteile!

Insbesondere psychiatrische und altersbedingte Erkrankungsbilder bedürfen auch der wohnortnahen Versorgung, um dem immer größeren Anteil der Patienten im hochbetagten Alter die Möglichkeit einer familiennahen Versorgung zu geben, um auch von Verwandten und Freunden besucht werden zu können. Eine Versorgung in großer Entfernung kann bei diesen Krankheitsbildern einem positiven Behandlungserfolg im Wege stehen. Gleiches gilt für alle Leistungen, die wir als Grundversorgung und als Hilfe im Notfall ansehen. Dazu gehört beispielsweise auch die Geburt. Gerade die Debatten um die Geburtsstationen zeigen doch sehr deutlich, dass eine theoretische von Kostenträgern und wissenschaftlichen Instituten angestoßene Diskussion um zentrale Strukturen der Lebenswirklichkeit junger Mütter nicht entsprechen. Die Sicherheit, wohnortnah und damit schnell erreichbar eine Geburtsstation zu haben, ist unbeschreiblich wichtig für werdende Mütter und die ganze Familie.

Eine Zentralisierung würde das Pflegepersonal belasten...

Nicht zu verkennen ist, dass eine extreme Zentralisierung auch zwangsläufig zu einer extremen Verdichtung von Arbeitsprozessen in den Kliniken führt und somit das Pflegepersonal zusätzlich belasten würde. Dabei ist allen Beteiligten klar, dass wir dem Pflegepersonal nicht noch mehr aufbürden können, dass man vielmehr etwas tun muss, um die Attraktivität des Berufes zu steigern. Deshalb Vorsicht, wenn die Kostenträgerseite von überzogenen Zentralisierung spricht. Zentralisierung als Konzept zu noch höherer Durchrationalisierung muss als nicht akzeptable Kostendämpfung entlarvt werden. Versorgungssicherheit erzeugt das nicht. LESEN SIE HIER DIE PRO-SEITE VOM BUNDESVORSITZENDEN DES AOK-BUNDESVERBANDS