Warum der Autor von einer Krankenhaus-Zentralisierung überzeugt ist, erklärt er im Gastbeitrag

Wir sollten Kliniken zentralisieren!

16. April 2018
Das fordert der Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, Martin Litsch. Denn dadurch hätten die Menschen bessere Überlebenschancen...

Viele Patienten in Deutschland sterben zu früh, weil sie in Kliniken operiert werden, die zu wenig Erfahrung haben. So könnte allein die Zahl der Todesfälle infolge von Lungenkrebs-Operationen um etwa ein Fünftel sinken, wenn die Patienten nur noch in Lungenkrebszentren mit mehr als 75 Eingriffen im Jahr behandelt werden. Eine Auswertung auf Basis der Krankenhaus-Abrechnungsdaten von 2015 zeigt in Kliniken mit mehr als 75 Lungenkrebs-OPs pro Jahr eine Sterblichkeitsrate von nur 2,5 Prozent, während sie in den Kliniken mit weniger OPs pro Jahr bei 4,1 Prozent liegt. Die Fakten liegen also auf dem Tisch, nicht nur bei Krebsoperationen, sondern zu vielen weiteren Leistungen. Im Interesse der Patienten sollte hier engagiert gehandelt werden.

Zentralisierung der Krankenhäuser: Höhere Überlebenschancen

Das Krankenhaus-Strukturgesetz hat den Bundesländern schon vor zwei Jahren umfangreiche Möglichkeiten eingeräumt, die Klinikstrukturen qualitätsorientiert zu planen. Dennoch findet die Umsetzung nur zögerlich statt. Ein häufig genanntes Argument gegen Zentralisierung ist der Wunsch der Patienten nach einer wohnortnahen Versorgung. Wie sich zentralisierte Klinikstrukturen auf die Fahrwege der Patienten auswirken, zeigen aktuelle Analysen des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) an konkreten Beispielen, unter anderem bei Darmkrebsoperationen. Diese wurden 2015 in Deutschland rund 44.000 Mal in mehr als 1.000 Krankenhäusern vorgenommen. Doch von allen Kliniken, die diese Operation angeboten haben, führte ein Viertel den Eingriff maximal 17 Mal im Jahr durch. Dürften nur noch zertifizierte Zentren beziehungsweise Krankenhäuser, die mindestens 50 Darmkrebsoperationen durchführen, diese Leistung erbringen, blieben bundesweit 385 Kliniken für die operative Versorgung übrig. Auf dieser Grundlage würde sich der mittlere Anfahrtsweg für Patienten bundesweit von acht auf gerade einmal 16 Kilometer verlängern. LESEN SIE HIER DIE KONTRA-SEITE VOM HAUPTGESCHÄFTSFÜHRER DER DEUTSCHEN KRANKENHAUSGESELLSCHAFT

Der längere Fahrtweg spricht nicht zwingend gegen eine Zentralisierung

Im dicht mit Krankenhäusern versorgten Nordrhein-Westfalen würde der mittlere Anfahrtsweg von sechs auf lediglich zehn Kilometer steigen. Letztlich wären es nur wenige Regionen in Deutschland, für die bei diesem Szenario etwas längere Wege anfallen. Heute haben 0,03 Prozent der Bevölkerung einen Anfahrtsweg, der länger als 50 Kilometer ist. Dieser Anteil würde sich auf 2,5 Prozent erhöhen. Doch wenn sich die Therapiequalität erhöht und Überlebenschancen besser werden, sollten selbst etwas längere Fahrstrecken kein Thema sein. Wir wissen aus Befragungen, dass die Menschen schon jetzt längere Wege in Kauf nehmen, um in guten Krankenhäusern versorgt zu werden. LESEN SIE HIER DIE KONTRA-SEITE VOM HAUPTGESCHÄFTSFÜHRER DER DEUTSCHEN KRANKENHAUSGESELLSCHAFT