Sandra Richter zeigt Barack Obama die smarte Parkbank "Soofa" bei der White House Maker Faire. ©Changing Environments

WLAN aus der Parkbank

Solarenergie umwandeln, Handyakkus laden, Luftqualität messen, WLAN Verbindung herstellen - das und mehr kann die smarte Parkbank "Soofa". Entwickelt von drei Frauen aus Deutschland könnte die Parkbank ein Renner in Städten und Gemeinden werden. Essen ist Vorreiter in Deutschland.

Die Start-Up-Unternehmerinnen Sandra Richter, Nan Zhao und Jutta Friedrichs haben geschafft, was in vielen Köpfen noch weit in der Zukunft lag. Mit ihrer Soofa-Parkbank bringen sie das Internet der Dinge in Kommunen unterschiedlichster Größe. Ein unkomplizierter Ansatz für die Smart City.

WLAN-Parkbank hilft Passanten und sammelt nützliche Daten

Die schlichte Bank aus einer Mischung von Metall und Holz mit einem zylindrischen Betonteil in der Mitte findet sich mittlerweile in der Hälfte der US-amerikanischen Bundesstaaten und vier weiteren Ländern - darunter auch Deutschland. Die Bank ist mit einem 30 Watt-Solarpanel und zwei USB-Anschlüssen ausgestattet. Passanten, die ein USB-Kabel bei sich haben, können hier unkompliziert ihr Handy aufladen. Durch einen Energiespeicher ist das auch bei schlechtem Wetter möglich. Freies WLAN steht ihnen auf der Bank zur Verfügung. Doch das ist nicht alles was die smarte Parkbank kann.

Die smarte Parkbank Soofa ermöglicht durch zwei USB-Anschlüsse zwei Besuchern gleichzeitig ihre Handys zu laden. ©Changing Environments

Die Bank verfügt über einen WiFi-Scanner mit 75 Meter Radius. So kann das Aufkommen von Passanten in ihrer Umgebung gemessen werden. Es wird gespeichert wie viele Geräte in die Nähe der Bank kommen und wie lange sie verweilen. In Parks kann so der Bewegungsverlauf der Besucher erfasst werden. Die Daten helfen Müllentsorgung und Instandhaltung der Parks sinnvoll zu planen. Auch als Indikator für die Abnutzung von Parkanlagen dienen die Daten. So kann besser vorhergesehen werden in welchem Rhythmus Parkelemente erneuert werden müssen. Je nach Platzierung können die Bänke den Städten auch Gewinne bringen. So messen Smart Benches in Cambridge den Andrang an den Imbissbuden, damit die Stadt die Standgebühren dementsprechend anpassen kann. Neben dem WiFi-Sensor, können die Bänke Luftqualität und Geräuschpegel ihrer Umgebung messen. Übertragen wird alles über die WLAN Verbindung.

Smarte Idee deutscher Frauen an amerikanischen Unis

Die Idee für die Bänke entstand am MIT. Umgesetzt wurde sie von drei Frauen aus Deutschland. Sandra Richter aus Freiburg arbeitete nach einem Studium der Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation in Berlin an den MIT Media Labs. Dort traf sie Nan Zhao, die nach der Kindheit in China Elektrotechnik in Aachen studierte. Jutta Friedrichs aus dem Kölner Raum absolvierte ein Masterstudium in Harvard als Richter und Zhao mit dem Konzept an sie herantraten.

Arndt Neuhaus (l.), Vorstandsvorsitzender der RWE Deutschland, und Reinhard Paß (r.), Oberbürgermeister der Stadt Essen, weihen die erste smarte Parkbank in Deutschland ein. ©Changing Environments

Seitdem hat ihr Unternehmen "Changing Environment", das die Soofa-Bänke herstellt, eine Erfolgsgeschichte geschrieben. Auf der White House Maker Faire 2014 konnten sie US-Präsident Barack Obama von ihrer Bank begeistern, die im Anschluss von einem Telekommunikationskonzern und einem Netzwerkausrüster unterstützt wurde. In den USA verbreitete die Bank sich im ersten Jahr in 18 Staaten. 2015 schaffte RWE für Essen - "Grüne Hauptstadt Europas 2017" - eine der Soofa-Bänke an.

Die WLAN Parkbank kann für jede Kommune sinnvoll sein

Durch unterschiedlich umfangreiche Pakete ist das Soofa-Konzept auch für kleinere Kommunen erschwinglich. Der "Core" der Bank ist auch einzeln bestellbar. Kosten für die Bänke will das Unternehmen jedoch nicht öffentlich machen. Dass die Smart Benches von so vielen Kommunen so gut angenommen werden, liegt laut Ed Krafcik, Soofas Director of Strategic Partnerships, daran, dass Städte gerne mit einem kleinen Projekt die Erfolge von Smart City-Konzepten testen möchten. "Hier können Erfolge in Wochen und Monaten gemessen werden und nicht wie bei größeren in Jahren und Jahrzehnten." Auch dass durch die Ladestationen ein direkter Nutzen für die Bewohner zu erkennen ist, sei attraktiv. So würden die Bürger ihre Steuergelder als gut investiert betrachten. Dass das Start-Up in Deutschland genauso gut funktioniert hätte, glaubt Chief Executive Officer, Sandra Richter, nicht. Unterstützung von staatlicher Seite gebe es zwar, aber die deutsche Wirtschaft sei weniger experimentierfreudig als die Amerikanische. In den USA hat das Unternehmen maßgebliche Hilfe von großen Konzernen erfahren.

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