Das Atomkraftwerk Tschernobyl liegt in der Ukraine.
Die russischen Truppen haben das Atomkraftwerk Tschernobyl in der Ukraine eingenommen.
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Katastrophenschutz

Was tun im Atomfall - viele Bürger fragen

Die russische Armee hat nach ukrainischen Angaben Europas größtes Atomkraftwerk im ukrainischen Saporischschja angegriffen. Es ist keine erhöhte Radioaktivität gemessen worden. Das Feuer in einem Gebäude für Ausbildungszwecke konnte gelöscht werden. Die Nachricht beunruhigt viele Menschen, zumal die Ukraine vier Atomkraftwerke mit 15 Reaktoren hat. Wie weit ist Deutschland, wie weit sind damit auch die Kommunen auf den Ernstfall vorbereitet?

Bundeskanzler Olaf Scholz hatte noch in der Nacht mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj telefoniert. Die russische Armee hat nach ukrainischen Angaben Europas größtes Atomkraftwerk im ukrainischen Saporischschja angegriffen. Die Reaktorblöcke waren aber nicht betroffen, das Feuer brach in einem Gebäude für Ausbildungszwecke aus. "Wir haben uns noch nachts ausgetauscht", sagte der Kanzler am Freitag. "Es ist keine radioaktive Strahlung ausgetreten." Die Reaktoren blieben unversehrt. Was Scholz dann sagte, dürfte viele Menschen schon seit Tagen beunruhigen: Man  müsse immer darauf vorbereitet sein, dass der Krieg dazu führen kann, "dass etwas zerstört wird, was keine der Kriegsparteien vorhat".

Atomfall - gibt es noch öffentliche Schutzräume?

Doch wie gut ist Deutschland und wie gut sind die Kommunen auf einen Ernstfall vorbereitet? Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz (BKK) teilte auf seiner Homepage mit: "Aktuell erreichen uns vermehrt Anfragen zum Krieg in der Ukraine."  Das Amt gibt eine "kurze Übersicht, über das, was das BBK aktuell unternimmt". Es folgen Informationen, welche Stellen noch für die Sicherheit der Bevölkerung vorsorgen und wie die Bürger selbst vorsorgen können.

Zunächst ordnen die Experten des Bundesamtes für Katastrophenschutz ein: Dass Deutschland vor dem Hintergrund des bewaffneten Konflikts in der Ukraine einem Luftangriff ausgesetzt sein wird, ist unwahrscheinlich. "Dennoch stellt man sich natürlich die Frage nach Schutzräumen, sollte es soweit kommen", heißt es weiter. Und es wird deutlich gemacht: Öffentliche Schutzräume wie zum Beispiel Luftschutzbunker gibt es nicht mehr. 2007 hätten  Bund und Länder gemeinsam beschlossen, öffentliche Schutzräume nicht weiter zu erhalten. "Mit dem Fall der Mauer und der Beendigung des Ost-West-Konflikts schien das Szenario eines konventionellen Krieges mit großflächigen Bombardierungen und dem Einsatz chemischer und nuklearer Waffen nicht mehr zeitgemäß", so das Bundesamt.

Tipps der Experten im Nuklearfall

Die Experten weisen darauf hin, dass es auch ohne öffentliche Einrichtungen Schutzmöglichkeiten gebe. Da das BBK für Zivilschutz zuständig ist – also den Schutz der Bevölkerung im Falle eines Krieges -, wurden von den dortigen Experten schon vor einigen Jahren Empfehlungen formuliert:

Guten Schutz bietet generell die vorhandene Bebauung, sowohl vor fliegenden Objekten als auch vor Kontamination mit chemischen oder nuklearen Stoffen.

Im Fall eines Angriffs gehen Sie am besten in einen innenliegenden Raum mit möglichst wenigen Außenwänden, Türen und Fenstern: Glasflächen können bei Explosionen durch die Druckwelle zersplittern und Verletzungen verursachen.

Wenn Sie nicht zu Hause, sondern innerhalb einer Stadt unterwegs sind, gehen Sie wenn möglich in ein Gebäude mit Innenräumen oder suchen Sie am besten unterirdische Gebäudeteile auf, zum Beispiel U-Bahn-Stationen.

Benutzen Sie grundsätzlich die Treppe und nicht den Fahrstuhl. Bei einer Beschädigung des Gebäudes oder bei einem Stromausfall könnten Sie im Fahrstuhl eingeschlossen werden.

Weitere Tipps:

  • Helfen Sie Kindern und anderen hilfsbedürftigen Personen, aber ohne sich selbst zu gefährden.
  • Folgen Sie den Anweisungen der amtlichen Stellen sowie der Einsatzkräfte.
  • Informieren Sie sich wenn möglich über Radio, Fernsehen oder Internet, und zwar aus verlässlichen Quellen zum Beispiel alle Behörden.

Mehr Informationen dazu finden Sie hier.

Deutschland muss Warnsystem verbessern

Der russische Angriff auf die Ukraine hat nicht nur zur Folge, dass Deutschland die Bundeswehr wieder aufrüstet, er könnte auch eine Diskussion um öffentliche Schutzräume für die Bevölkerung auslösen. Zudem stellt sich die Frage, wann unsere Warnsysteme effektiv funktionieren. Der bundesweite Warntag seit der deutschen Wiedervereinigung war 2020 ein Flop Erstmals sollten damals am 10. September in ganz Deutschland sollen Sirenen heulen und Warn-Apps piepen.

Der Warntag sollte dazu dienen, die vorhandenen technische Warnsysteme flächendeckend zu testen und zu prüfen, an welcher Stelle sie noch weiter entwickelt werden können. Nicht nur, dass viele Sirenen abgebaut sind - auch die digitalen Warnwege funktionierten schlecht. Neben technischen Problemen gab es offenbar auch Abstimmungsschwierigkeiten zwischen Bund und Ländern. Ursprünglich sollte nur der Bund die Warnung auslösen. Doch dann verschickten Länder unterschiedliche Meldungen.

Neues Sirenenprogramm geplant

Bund und Länder haben sich inzwischen aber darauf verständigt, die dezentrale Warnung der Bevölkerung im Katastrophenfall zu verbessern. Der Bund will ein Sirenförderprogramm auflegen. Zusätzlich soll das sogenannte Cell Broadcasting System eingeführt werden. Dabei werden Textnachrichten auf alle Mobiltelefone geschickt wird, die sich zu dem Zeitpunkt in der betreffenden Funkzelle aufhalten. Die Warnung wird dann nicht wie eine persönliche SMS, sondern einem Radiosignal vergleichbar übermittelt. Die Länder sollen bis zum Jahr 2023 rund 88 Millionen Euro bekommen. Damit sollen Sirenen hergerichtet und neue Sirenen aufgestellt werden.