Bürgeramt im Koffer

Beantragen und Aushändigen von Ausweisdokumenten, biometrische Fotos schießen, Fingerabdrücke scannen – all das kann das mobile Bürgeramt. „Um bürgerfreundlicher zu werden, haben wir uns für den Bürgerkoffer entschieden“, sagt Sonja Kech, Leiterin des Bürgerservice in Bonndorf. Telefonisch kann man sich bei der Gemeinde melden und einen Hausbesuch beantragen. „Wir haben eine Wohngemeinschaft für körperlich Behinderte und ein Altersheim“, erklärt Kech. „Leute die da einziehen sind froh, wenn sie für die Ummeldung nicht ins Rathaus müssen.“ In Wittenberg ist der Bürgerkoffer der Bundesdruckerei seit der Pilotphase 2013 im Einsatz. Anders als in Bonndorf werden damit aber keine Hausbesuche durchgeführt. An fünf barrierefreien Außenbüros werden regelmäßig Sprechstunden angeboten. Durchschnittlich kommen dort zwölf Bürger vorbei. „Auch bei der Anmeldung von Asylbewerbern haben wir den Koffer in Turnhallen eingesetzt“, sagt Karina Austermann, Pressesprecherin der Lutherstadt.
Private Anbieter für den Gang zum Bürgeramt
Doch nicht jeder, dem es körperlich schwer fällt Behördengänge zu erledigen, lebt in einer Gemeinde mit Bürgerkoffer. Was tun, wenn die Stadt für Rollstuhlfahrer keine Alternative zu dem Gang ins nicht-barrierefreie Rathaus bietet? Die Idee für eine alternative Lösung kommt aus der freien Wirtschaft. Das Start-Up „erledigungen.de“ bietet eine simple Dienstleistung: Für 39 Euro können Kunden einen Behördengang an das Team abgeben. Ein Mitarbeiter holt die nötigen Unterlagen inklusive Vollmacht beim Kunden ab und geht damit zur jeweiligen Behörde. „Die Beweggründe unserer Kunden lassen sich in zwei grobe Kategorien einteilen“, erklärt Mitgründer Lorenz Neff. „Erstens mangelnde zeitliche Möglichkeiten und zweitens Mobilitätseinschränkungen bei älteren und kranken Menschen.“ Häufig beauftragten auch Angehörige das Unternehmen für ihre Eltern oder Großeltern. Leider kann das Start-Up bisher nur wenige Städte abdecken.