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Bürgeramt: Lange Wartezeiten? Wie altmodisch!

Mit einer sicheren Technik will ein Verein die Wartezeiten in Bürgerämtern verringern. KOMMUNAL erklärt, wie die Technik funktioniert und welche Städte sie bereits nutzen

Wer eine Meldebescheinigung beantragen muss, sein Kfz abmelden will oder ein Führungszeugnis braucht, wartet in größeren Städten oft lange auf einen Termin beim Bürgeramt. Ist die erste Wartezeit endlich vorbei, kommt auch schon direkt die nächste. Und zwar dann, wenn man pünktlich im Bürgeramt eintrifft und eine Wartenummer ziehen muss.

Doch – wieso warten, wenn es auch schneller geht? Denn theoretisch könnte jeder, der den neuen Personalausweis im Scheckkartenformat hat, viele Anträge von Zuhause aus abwickeln. Nur: Praktisch tut das keiner.

 

Wartezeiten im Bürgeramt? Könnte man vermeiden!

 

Die Online-Funktion des Personalausweises steht den Deutschen seit 2010 zur Verfügung. Dennoch haben 58 Prozent der Deutschen sie noch nie genutzt. Die Gründe dafür sind vielfältig. Mangelnder Datenschutz, zu wenig Datensicherheit und Folgekosten durch die Anschaffung eines Kartenlesegerätes. Das zeigt eine Umfrage der Initiative D21, einem gemeinnützigen Netzwerk für digitale Gesellschaft.

 

Die Bürger nutzen den Online-Ausweis nicht, weil sie Angst vor Datenmissbrauch haben

 

„Die Menschen haben Angst davor, dass sich Profis in ihre Computer einhacken und die Daten von denjenigen missbrauchen, die die Online-Funktion
nutzen“, weiß Rudolf Philipeit, der Mitbegründer und Vorsitzende von buergerservice.org, einem gemeinnützigen Verein, der sich dafür einsetzt, dass mehr Menschen die Online-Funktion des Personalausweises nutzen. „Dabei ist es gar nicht der Online-Ausweis, der unsicher ist, sondern der Computer, an den das Kartenlesegerät für den Ausweis angeschlossen wird. Denn er wird häufig nicht nur von einer Person, sondern der gesamten Familie und deren Freunden benutzt“, weiß Philipeit aus der Erfahrung zu berichten.

Mangelnde Sicherheit – das ist ein Grund dafür, dass sich nur wenig Menschen trauen, die Funktion zu nutzen. Aber es ist längst nicht der Einzigste: Denn um die Online-Funktion zu nutzen, brauchen die Bürger ein Kartenlesegerät. Nur kostet das zwischen 30 und 60 Euro. Das Geld wollen nur wenige Bürger ausgeben, vor allem weil der Termin im Bürgeramt umsonst ist.

 

Lange Wartezeiten im Bürgeramt lassen sich schnell und kostengünstig vermeiden!

 

Gäbe es die Vorbehalte gegen die Online-Funktion des Ausweises jedoch nicht, würden Bürger und Kommunen von kürzeren Wartezeiten und schnelleren Prozessen profitieren. Rudolf Philipeit will die Vorurteile dem Online-Ausweis gegenüber abbauen und hat eine kleine Box (SID-Box = Sichere ID-Box) entwickelt, die an einen Computer im Wartebereich des Bürgeramts angeschlossen werden kann.

Dort kann der Bürger online einen Antrag für das Führungszeugnis stellen, die Rentenauskunft einsehen, die Punkte in Flensburg abrufen oder sein
Kfz abmelden. Der Clou an der Box: Sie ist schreibgeschützt, kann von außen also nicht manipuliert werden. Ist ein Benutzer fertig, löscht das System automatisch alle Daten des Users, fährt herunter und startet innerhalb von 30 Sekunden neu.

 

Schneller fertig beim Bürgeramt!

 

„Die Bürger haben somit die Möglichkeit, sich absolut sicher anzumelden, ihre Anträge schnell zu erledigen und das ohne in einer Warteschlange stehen zu müssen“, weiß Philipeit. Selbst für diejenigen, die die Online-Funktion ihres Ausweises noch nicht aktiviert haben, geht es mit der Box schneller: „Sie können sich bei einem Mitarbeiter im Amt die Online- Funktion freischalten lassen. In der Regel kommen sie nach 2 Minuten dran, zahlen sechs Euro Freischaltungsgebühr, und können dann direkt an die Box. Damit sind sie schneller fertig als wenn sie den klassischen Weg gehen würden und erst eine Wartenummer ziehen und auf den Termin warten müssten“, so Philipeit.

Kürzere Wartezeiten im Bürgeramt dank SID-Box
Düsseldorf hat die SID-Box in Betrieb genommen

SID-Box im Bürgeramt kann für verschiedene Anträge benutzt werden


Durch die Box könnten sich in größeren Kommunen die Wartezeiten verringern und es müsste weniger Personal eingesetzt werden. „In den kleineren Kommunen hingegen müssten die Bürger ohne eine Box für ihre Kfz-Abmeldung, den Kindergeldantrag oder die Rentenauskunft weiterhin extra ins Landratsamt fahren, das häufig weit entfernt ist. Mit der Box aber sparen sie sich lange Wege und können die Erledigungen direkt vor Ort machen“.

 

Und wie teuer ist die SID-Box, die die Wartezeiten im Bürgeramt verkürzen soll?

 

Im Vergleich zu den Vorteilen, die die Box bietet, sind die Kosten vergleichsweise günstig: 150 Euro kostet die Box im Jahr. Will eine Kommune eine Box erwerben, muss sie jedoch erst Fördermitglied im Verein buergerservice.org werden. „Wir haben diese Mitgliedschaftsform eingeführt, weil es uns in erster Linie darum geht, gemeinsam mit den Kommunen das Thema Online-Ausweisen an die Bürger passgenau heranzutragen und vielfältige Vorteile für die digitale Gesellschaft in der jeweiligen Region zu erschließen“, erklärt Philipeit das System.

Eine Box haben sich bisher neben mehreren kleinen Gemeinden auch die beiden großen Städte Düsseldorf und Bonn geholt. Und wer weiß, vielleicht folgt ja in Zukunft auch Ihre Gemeinde oder Stadt?

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