Porträt
Büsum: Vom Landtag ins Bürgermeisteramt

Krabbenbrötchen gehören für Oliver Kumbartzky zum Alltag. Wenn der Bürgermeister von Büsum an der Nordsee zu Geburtstagen bei Senioren zu Gast ist, wenn er Vereine oder Unternehmen besucht, gehört die Meeresspezialität dazu. Denn der Urlaubsort in Dithmarschen ist in ganz Deutschland für die frischen Nordseekrabben bekannt. Aber nicht nur das: „In Dithmarschen ist die Welt noch in Ordnung“, sagt Kumbartzky. „Da achten wir drauf.“ Die Häuser im Ort sind renoviert, Leerstand gibt es kaum.
„Als Kommune und als Tourismusbetrieb, der ein Eigenbetrieb der Kommune ist, müssen wir dafür sorgen, dass die Infrastruktur, die wir anbieten, gepflegt ist und dass auch immer nachhaltig investiert wird“, sagt Kumbartzky. „Aber wir haben auch viele private Investoren, die ihre Ferienhäuser und Hotels mit sehr viel Liebe zum Ort gebaut haben.“
In Büsum ziehen alle am gleichen Strang
Vieles liegt in Büsum nah beieinander. Das gilt für den Fußweg vom Bahnhof zum Rathaus oder zum Hafen ebenso wie für den direkten Draht der Menschen untereinander. „In der Gemeindevertretung kennt und schätzt man sich, da ziehen alle am gleichen Strang“, sagt Kumbartzky. Auch unter den Gastronomen und Hoteliers gebe es keine Grabenkämpfe, sondern eher einen großen Zusammenhalt. „Der Bürgermeister ist hier ein Moderator, ein Motivator und ein Mitspieler auf Augenhöhe“, beschreibt er sein Selbstbild.
Büsums Bürgermeister verbindet Kommune und Landespolitik
Das unterscheidet das Amt in Büsum von früheren Ämtern des Politikers, der ursprünglich einmal Tourismusmanager in Dithmarschen war: Denn Kumbartzky saß zuletzt im Kieler Landtag und war Landesvorsitzender der FDP. Doch das spielt auf der kommunalen Ebene kaum eine Rolle. Einen Ortsverband seiner eigenen Partei gebe es in Büsum gar nicht, sagt der Bürgermeister. „Ich war damals gemeinsamer Kandidat von CDU, SPD und einer Wählergemeinschaft.“ Im Gemeinderat arbeite man über Parteigrenzen hinweg zusammen, auch Fraktionszwänge gebe es nicht. Und der Bürgermeister sei sowieso neutral.
Verglichen mit dem Landtag in Kiel sei das eine Erleichterung. „Wir erleben hier keine Schaufensteranträge“, sagt Kumbartzky. Einen Vorteil aber habe die Parteimitgliedschaft dann doch. „Man hat bessere Drähte zu seinen Abgeordneten im Landtag, im Europäischen Parlament, und als die FDP da noch vertreten war, auch im Deutschen Bundestag.“ Wer als unabhängiger Kandidat Bürgermeister werde oder aus einer lokalen Wählergemeinschaft komme, habe es da schon schwerer.
Gute Kontakte nach Kiel sichern den Forschungsstandort

Gute Kontakte nach Kiel sind für den Büsumer Bürgermeister Pflicht. Nicht nur, weil der Hafen als wichtiger Wirtschaftsbetrieb ein Landeshafen ist, wo neben der Anlandung von Krabben beispielsweise auch Getreide verschifft wird. Sondern auch, weil sein Ort ein Forschungsstandort ist. „Wir haben hier Einrichtungen der Christian-Albrechts-Universität in Kiel und der Tierärztlichen Hochschule Hannover, die Meeresforschung betreiben“, sagt Kumbartzky. „Aber das steht gerade etwas auf der Kippe.“ Die Gemeinde kämpfe dafür, den Forschungsstandort zu erhalten.
„Viele Forscher haben sich bei uns niedergelassen“, sagt Kumbartzky. Was ein Bürgermeister in so einer Situation machen kann? „Hier geht es wieder um das Moderieren und Motivieren“, sagt Kumbartzky. „Es geht darum, die Kontakte nach Kiel zu nutzen, um dort deutlich zu machen, wie wichtig uns solche Einrichtungen sind – immerhin sind damit 50 Arbeitsplätze verbunden.“ In einem Ort mit 5.000 Einwohnern ist das keine Kleinigkeit.
Fachkräfte in Büsum gewinnen und halten
Doch die Kommune hat auch selbst investiert, um Stellen im Ort besetzen zu können. „Wir haben als Gemeinde im vergangenen Jahr eine Mitarbeiterin als Fachkräftekoordinatorin eingestellt“, sagt Kumbartzky. Sie mache sich schlau darüber, wo im Ort Mitarbeiter gesucht würden und ein Netzwerk von Azubis in der Kommune geschaffen.
Wenn ein Betrieb Auszubildende nicht übernehmen könne, könnten sie so in Büsum vermittelt werden. Doch die kommunale Mitarbeiterin helfe Unternehmen dabei, Unterkünfte für Mitarbeiter zu finden. „Es geht darum, die Mitarbeiter langfristig im Ort zu halten“, sagt Kumbartzky. Sie sollten schnell Anschluss finden, wenn sie nach Büsum kämen. „Gute Mitarbeiter sind unser Kapital.“
Ein Bürgerhaus als Treffpunkt für Büsum
Vielleicht gehen sie dann auch in die alte Kirche, die die Gemeinde kürzlich gemietet hat: Weil die neuapostolische Gemeinde in Büsum überalterte, hatte die Freikirche ihr Gotteshaus zur Vermietung angeboten. Heute ist dort ein von der Gemeinde betriebenes Bürgerhaus eingerichtet.
„Vereine kommen dort zusammen, und den ganzen Tag sorgen Mitarbeiter dafür, dass Büsumer und ihre Gäste, die einfach nur mal in Ruhe beisammen sein wollen, dort einen Kaffee bekommen können“, sagt Kumbartzky. Volkshochschulkurse finden statt, der Karnevalsverein probt hier und ein Strickzirkel trifft sich. Und die letzten neuapostolischen Christen der Stadt treffen sich dort weiter zu einer Bibelstunde. „Wir brauchen in der Stadt auch Orte, wo man sich einfach mal begegnen kann.“
„Küstentausch“ und Einwohnerkarte stärken den Zusammenhalt
Stolz ist der Bürgermeister auf die Aktion „Küstentausch“: Mit dem an der Ostsee gelegenen Ferienort Grömitz hat die Gemeinde vereinbart, dass Büsumer im Herbst dort einen besonderen Rabatt in Hotels bekommen – und Grömitzer umgekehrt in Büsum. „Uns geht es da auch um die Akzeptanz des Tourismus in der Gemeinde“, sagt Kumbartzky. „Die ist hier sehr hoch, weil die Menschen auch selbst etwas davon haben – und zwar auch die, die gar nicht im Tourismus arbeiten.“
Alle Büsumer besäßen eine Einwohnerkarte, die ihnen Vergünstigungen in örtlichen Geschäften anbiete. „Das ist lokale Wirtschaftsförderung“, sagt Kumbartzky. „Damit halten wir das Geld im Ort.“
„Ich wollte nie bis zur Rente im Landtag bleiben.“
Eine Entscheidung für Heimat und Familie
Warum Oliver Kumbartzky das Amt in Kiel für Büsum aufgegeben hat? „Ich arbeite gerne mit Menschen und bin ein Netzwerker“, sagt Kumbartzky. „Ich wollte nie bis zur Rente im Landtag bleiben.“ Was zur Folge hat, dass der Bürgermeister für jeden Fußweg im Ort besonders viel Zeit braucht. Ständig wird er von den Büsumern angesprochen. Aber genau das ist es, was der Büsumer Bürgermeister an seinem Amt so liebt: „Für mich war der Wechsel ins Rathaus von Büsum keine Entscheidung gegen Kiel oder gegen die Partei, sondern eine Entscheidung für die Heimat und für die Familie.“ Und bereut habe er diesen Schritt bislang noch nicht.

