Top 10 der Kommunen
Gewerbesteuer-Hebesätze 2026: Wo Kommunen kassieren und wo sie locken
Die Gewerbesteuer ist eine der wichtigsten eigenen Einnahmequellen der Kommunen. Im Jahr 2025 haben die Gemeinden in Deutschland rund 76,4 Milliarden Euro daraus eingenommen, so viel wie nie zuvor. Wie viel ein Betrieb zahlt, entscheidet aber jede Kommune selbst: über den Hebesatz.
Und da gehen die Strategien weit auseinander. Die DIHK hat für ihre Hebesatzumfrage 2026 alle 706 Städte und Gemeinden mit mindestens 20.000 Einwohnern ausgewertet. Der einwohnergewichtete Durchschnitt steigt von 439 auf 441 Prozent. 88 Kommunen haben erhöht, nur fünf gesenkt.
Gewerbesteuer-Hebesätze 2026: Die 10 Städte mit den höchsten Sätzen
Die Spitze ist fest in nordrhein-westfälischer Hand. Alle zehn Städte mit den höchsten Hebesätzen liegen in NRW.
| Rang | Kommune | Bundesland | Hebesatz 2026 | Gewerbesteuer 2025 (Ist) |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Oberhausen | NRW | 580 % | 149,4 Mio. € |
| 1 | Mülheim an der Ruhr | NRW | 580 % | 114,1 Mio. € |
| 3 | Erftstadt | NRW | 565 % | 28,7 Mio. € |
| 4 | Elsdorf | NRW | 555 % | 13,0 Mio. € |
| 5 | Kerpen | NRW | 550 % (vorher 500 %) | 70,4 Mio. € |
| 5 | Overath | NRW | 550 % | 18,3 Mio. € |
| 5 | Alfter | NRW | 550 % | 10,0 Mio. € |
| 8 | Jülich | NRW | 540 % (vorher 513 %) | 22,0 Mio. € |
| 8 | Lindlar | NRW | 540 % | 12,8 Mio. € |
| 10 | Bonn | NRW | 537 % | 380,6 Mio. € |
Hebesätze: Stand 1. Juli 2026, Städte und Gemeinden ab 20.000 Einwohnern. Einnahmen: Gewerbesteuer-Einzahlungen 2025, vorläufig. Kerpen und Jülich hatten 2025 noch 500 bzw. 513 Prozent. Für Kommunen außerhalb von NRW und Coburg liegen Gemeindewerte für 2025 noch nicht vor; dort steht das Ist-Aufkommen 2024.
Kerpen hat zum Jahr 2026 gleich um 50 Punkte erhöht und ist damit in die Top 10 aufgerückt. Auch Jülich legt kräftig zu.
Gewerbesteuer-Hebesätze 2026: Die 10 Städte mit den niedrigsten Sätzen
Am anderen Ende der Skala liegen vor allem Kommunen im Speckgürtel großer Städte und in Bayern.
| Rang | Kommune | Bundesland | Hebesatz 2026 | Gewerbesteuer 2025 (Ist) |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Monheim am Rhein | NRW | 250 % | 191,3 Mio. € |
| 1 | Leverkusen | NRW | 250 % | 161,9 Mio. € |
| 3 | Zossen | Brandenburg | 270 % | 41,6 Mio. € (2024) |
| 4 | Unterhaching | Bayern | 295 % | 30,2 Mio. € (2024) |
| 5 | Dingolfing | Bayern | 300 % | 78,3 Mio. € (2024) |
| 5 | Panketal | Brandenburg | 300 % | 2,8 Mio. € (2024) |
| 7 | Coburg | Bayern | 310 % | 109,8 Mio. € |
| 7 | Biberach an der Riß | Baden-Württemberg | 310 % | 138,8 Mio. € (2024) |
| 9 | Neumarkt in der Oberpfalz | Bayern | 315 % | 51,3 Mio. € (2024) |
| 10 | Herzogenaurach | Bayern | 320 % | 27,1 Mio. € (2024) |
| 10 | Vaterstetten | Bayern | 320 % | 17,6 Mio. € (2024) |
| 10 | Wandlitz | Brandenburg | 320 % | 7,1 Mio. € (2024) |
| 10 | Waren (Müritz) | Mecklenburg-Vorpommern | 320 % | 10,7 Mio. € (2024) |
| 10 | Vechta | Niedersachsen | 320 % | 30,8 Mio. € (2024) |
Hebesätze: Stand 1. Juli 2026, Städte und Gemeinden ab 20.000 Einwohnern. Einnahmen: Gewerbesteuer-Einzahlungen 2025, vorläufig. Kerpen und Jülich hatten 2025 noch 500 bzw. 513 Prozent. Für Kommunen außerhalb von NRW und Coburg liegen Gemeindewerte für 2025 noch nicht vor; dort steht das Ist-Aufkommen 2024.
Monheim nimmt mehr ein als Oberhausen
Jetzt wird es spannend. Monheim am Rhein hat rund 43.600 Einwohner und verlangt den niedrigsten Hebesatz aller größeren Städte. Trotzdem hat die Stadt 2025 rund 191 Millionen Euro Gewerbesteuer eingenommen. Das sind 4.378 Euro pro Kopf, Spitze unter allen kreisangehörigen Gemeinden in NRW.
Oberhausen hat fast fünfmal so viele Einwohner und mehr als den doppelten Hebesatz. In der Kasse landeten 2025 rund 149 Millionen Euro. Weniger als in Monheim.
Ein hoher Hebesatz garantiert also keine hohen Einnahmen. Er ist oft eher das Symptom einer schwachen Steuerbasis: Wer wenig Gewerbe hat, muss an der Schraube drehen, um überhaupt etwas einzunehmen. Und vertreibt damit womöglich genau die Betriebe, die er bräuchte.
Natürlich lässt sich Monheim nicht beliebig kopieren. Wer Unternehmen mit niedrigem Satz anlockt, nimmt sie häufig dem Nachbarn weg. Der Steuerwettbewerb zwischen Kommunen ist am Ende oft ein Nullsummenspiel. Leverkusen zeigt aber, dass die Strategie auch in einer Großstadt funktionieren kann: Die Stadt hat ihren Hebesatz 2020 von 475 auf 250 Prozent gesenkt und nimmt 2025 knapp 162 Millionen Euro ein.
Zumal Monheim unabhängig von den hohen Einnahmen aktuell in einer wirtschaftlichen Schieflage ist.
Bonn: Hoher Satz, viel Geld
Das Gegenmodell ist Bonn. Die Bundesstadt verlangt 537 Prozent und nimmt mit gut 380 Millionen Euro die mit Abstand höchste Summe der Top 10 ein. Wer als Standort ohnehin gefragt ist, kann sich einen hohen Satz leisten. Kleinere Städte wie Alfter oder Elsdorf kommen trotz Sätzen über 550 Prozent dagegen auf zehn bis 13 Millionen Euro.
Warum Kommunen den Hebesatz erhöhen
Die Gründe sind bekannt und haben sich eher verschärft. Das kommunale Finanzierungsdefizit lag 2025 bei mehr als 31 Milliarden Euro. Sozialausgaben, Personal- und Sachkosten steigen, der Investitionsstau wächst. Gerade in NRW ist der Hebesatz eine der wenigen Stellschrauben, die eine Kommune selbst in der Hand hat. Der Landesdurchschnitt liegt dort bei 476 Prozent, so hoch wie in keinem anderen Flächenland.
Die Wirtschaft sieht das naturgemäß anders. DIHK-Hauptgeschäftsführerin Helena Melnikov warnt: „Damit entwickelt sich die Gewerbesteuer zur stillen Standortbremse.“ Für viele Familienbetriebe entscheide der Hebesatz darüber, „ob die nächste Maschine angeschafft oder der nächste Ausbildungsplatz geschaffen werden kann“.
Beides stimmt. Und genau darin liegt das Problem: Bund und Länder übertragen den Kommunen Aufgaben, ohne sie auskömmlich zu finanzieren. Den Ärger bekommt dann der Bürgermeister, der die Steuer erhöhen muss.
Mindesthebesatz steigt 2027 auf 280 Prozent
Für die Niedrigsteuer-Kommunen wird es bald enger. Bisher liegt der gesetzliche Mindesthebesatz bei 200 Prozent. Ab dem Erhebungszeitraum 2027 steigt er auf 280 Prozent. Monheim, Leverkusen und Zossen müssen dann nachziehen. Der Gesetzgeber will damit rein steuermotivierte Verlagerungen von Unternehmen in Steueroasen stoppen. Unter den Städten ab 20.000 Einwohnern betrifft das genau drei.
Gewerbesteuer-Hebesätze auf einen Blick
- Durchschnitt aller Gemeinden in Deutschland 2025: 410 Prozent, ein Punkt mehr als im Vorjahr
- Durchschnitt der Städte ab 20.000 Einwohnern 2026: 441 Prozent (Vorjahr 439)
- Höchster Satz: 580 Prozent in Oberhausen und Mülheim an der Ruhr
- Niedrigster Satz: 250 Prozent in Monheim am Rhein und Leverkusen
- Gewerbesteuereinnahmen aller Gemeinden 2025: rund 76,4 Milliarden Euro, ein Plus von 1,5 Prozent
- Mindesthebesatz ab 2027: 280 Prozent
Am Ende zeigt die Liste vor allem eines: Den einen richtigen Hebesatz gibt es nicht. Es gibt nur Kommunen, die ihn sich leisten können.
Und solche, die ihn sich leisten müssen.
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