Alte Messingwaage auf einem Holztisch vor einem hellen Marktplatz: die linke Schale ist mit Münzstapeln schwer beladen, die rechte fast leer; die Waagenspitze ist rot.
Gewerbesteuer-Hebesätze 2026: die 10 teuersten und günstigsten Städte, ihre echten Einnahmen und warum Monheim mehr kassiert als Oberhausen.
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Top 10 der Kommunen

Gewerbesteuer-Hebesätze 2026: Wo Kommunen kassieren und wo sie locken

330 Prozentpunkte trennen die teuerste und die günstigste Stadt Deutschlands bei der Gewerbesteuer. Oberhausen und Mülheim an der Ruhr verlangen 580 Prozent, Monheim am Rhein und Leverkusen nur 250. Wir zeigen Ihnen die zehn Städte mit den höchsten und die zehn mit den niedrigsten Hebesätzen und was dabei in der Stadtkasse ankommt. Das Ergebnis überrascht.

Die Gewerbesteuer ist eine der wichtigsten eigenen Einnahmequellen der Kommunen. Im Jahr 2025 haben die Gemeinden in Deutschland rund 76,4 Milliarden Euro daraus eingenommen, so viel wie nie zuvor. Wie viel ein Betrieb zahlt, entscheidet aber jede Kommune selbst: über den Hebesatz.

Und da gehen die Strategien weit auseinander. Die DIHK hat für ihre Hebesatzumfrage 2026 alle 706 Städte und Gemeinden mit mindestens 20.000 Einwohnern ausgewertet. Der einwohnergewichtete Durchschnitt steigt von 439 auf 441 Prozent. 88 Kommunen haben erhöht, nur fünf gesenkt.

Gewerbesteuer-Hebesätze 2026: Die 10 Städte mit den höchsten Sätzen

Die Spitze ist fest in nordrhein-westfälischer Hand. Alle zehn Städte mit den höchsten Hebesätzen liegen in NRW.

Rang Kommune Bundesland Hebesatz 2026 Gewerbesteuer 2025 (Ist)
1 Oberhausen NRW 580 % 149,4 Mio. €
1 Mülheim an der Ruhr NRW 580 % 114,1 Mio. €
3 Erftstadt NRW 565 % 28,7 Mio. €
4 Elsdorf NRW 555 % 13,0 Mio. €
5 Kerpen NRW 550 % (vorher 500 %) 70,4 Mio. €
5 Overath NRW 550 % 18,3 Mio. €
5 Alfter NRW 550 % 10,0 Mio. €
8 Jülich NRW 540 % (vorher 513 %) 22,0 Mio. €
8 Lindlar NRW 540 % 12,8 Mio. €
10 Bonn NRW 537 % 380,6 Mio. €

Hebesätze: Stand 1. Juli 2026, Städte und Gemeinden ab 20.000 Einwohnern. Einnahmen: Gewerbesteuer-Einzahlungen 2025, vorläufig. Kerpen und Jülich hatten 2025 noch 500 bzw. 513 Prozent. Für Kommunen außerhalb von NRW und Coburg liegen Gemeindewerte für 2025 noch nicht vor; dort steht das Ist-Aufkommen 2024.

Kerpen hat zum Jahr 2026 gleich um 50 Punkte erhöht und ist damit in die Top 10 aufgerückt. Auch Jülich legt kräftig zu.

Gewerbesteuer-Hebesätze 2026: Die 10 Städte mit den niedrigsten Sätzen

Am anderen Ende der Skala liegen vor allem Kommunen im Speckgürtel großer Städte und in Bayern.

Rang Kommune Bundesland Hebesatz 2026 Gewerbesteuer 2025 (Ist)
1 Monheim am Rhein NRW 250 % 191,3 Mio. €
1 Leverkusen NRW 250 % 161,9 Mio. €
3 Zossen Brandenburg 270 % 41,6 Mio. € (2024)
4 Unterhaching Bayern 295 % 30,2 Mio. € (2024)
5 Dingolfing Bayern 300 % 78,3 Mio. € (2024)
5 Panketal Brandenburg 300 % 2,8 Mio. € (2024)
7 Coburg Bayern 310 % 109,8 Mio. €
7 Biberach an der Riß Baden-Württemberg 310 % 138,8 Mio. € (2024)
9 Neumarkt in der Oberpfalz Bayern 315 % 51,3 Mio. € (2024)
10 Herzogenaurach Bayern 320 % 27,1 Mio. € (2024)
10 Vaterstetten Bayern 320 % 17,6 Mio. € (2024)
10 Wandlitz Brandenburg 320 % 7,1 Mio. € (2024)
10 Waren (Müritz) Mecklenburg-Vorpommern 320 % 10,7 Mio. € (2024)
10 Vechta Niedersachsen 320 % 30,8 Mio. € (2024)

Hebesätze: Stand 1. Juli 2026, Städte und Gemeinden ab 20.000 Einwohnern. Einnahmen: Gewerbesteuer-Einzahlungen 2025, vorläufig. Kerpen und Jülich hatten 2025 noch 500 bzw. 513 Prozent. Für Kommunen außerhalb von NRW und Coburg liegen Gemeindewerte für 2025 noch nicht vor; dort steht das Ist-Aufkommen 2024.

Monheim nimmt mehr ein als Oberhausen

Jetzt wird es spannend. Monheim am Rhein hat rund 43.600 Einwohner und verlangt den niedrigsten Hebesatz aller größeren Städte. Trotzdem hat die Stadt 2025 rund 191 Millionen Euro Gewerbesteuer eingenommen. Das sind 4.378 Euro pro Kopf, Spitze unter allen kreisangehörigen Gemeinden in NRW.

Oberhausen hat fast fünfmal so viele Einwohner und mehr als den doppelten Hebesatz. In der Kasse landeten 2025 rund 149 Millionen Euro. Weniger als in Monheim.

Ein hoher Hebesatz garantiert also keine hohen Einnahmen. Er ist oft eher das Symptom einer schwachen Steuerbasis: Wer wenig Gewerbe hat, muss an der Schraube drehen, um überhaupt etwas einzunehmen. Und vertreibt damit womöglich genau die Betriebe, die er bräuchte.

Natürlich lässt sich Monheim nicht beliebig kopieren. Wer Unternehmen mit niedrigem Satz anlockt, nimmt sie häufig dem Nachbarn weg. Der Steuerwettbewerb zwischen Kommunen ist am Ende oft ein Nullsummenspiel. Leverkusen zeigt aber, dass die Strategie auch in einer Großstadt funktionieren kann: Die Stadt hat ihren Hebesatz 2020 von 475 auf 250 Prozent gesenkt und nimmt 2025 knapp 162 Millionen Euro ein.

Zumal Monheim unabhängig von den hohen Einnahmen aktuell in einer wirtschaftlichen Schieflage ist. 



 

Bonn: Hoher Satz, viel Geld

Das Gegenmodell ist Bonn. Die Bundesstadt verlangt 537 Prozent und nimmt mit gut 380 Millionen Euro die mit Abstand höchste Summe der Top 10 ein. Wer als Standort ohnehin gefragt ist, kann sich einen hohen Satz leisten. Kleinere Städte wie Alfter oder Elsdorf kommen trotz Sätzen über 550 Prozent dagegen auf zehn bis 13 Millionen Euro.

Warum Kommunen den Hebesatz erhöhen

Die Gründe sind bekannt und haben sich eher verschärft. Das kommunale Finanzierungsdefizit lag 2025 bei mehr als 31 Milliarden Euro. Sozialausgaben, Personal- und Sachkosten steigen, der Investitionsstau wächst. Gerade in NRW ist der Hebesatz eine der wenigen Stellschrauben, die eine Kommune selbst in der Hand hat. Der Landesdurchschnitt liegt dort bei 476 Prozent, so hoch wie in keinem anderen Flächenland.

Die Wirtschaft sieht das naturgemäß anders. DIHK-Hauptgeschäftsführerin Helena Melnikov warnt: „Damit entwickelt sich die Gewerbesteuer zur stillen Standortbremse.“ Für viele Familienbetriebe entscheide der Hebesatz darüber, „ob die nächste Maschine angeschafft oder der nächste Ausbildungsplatz geschaffen werden kann“.

Beides stimmt. Und genau darin liegt das Problem: Bund und Länder übertragen den Kommunen Aufgaben, ohne sie auskömmlich zu finanzieren. Den Ärger bekommt dann der Bürgermeister, der die Steuer erhöhen muss.

Mindesthebesatz steigt 2027 auf 280 Prozent

Für die Niedrigsteuer-Kommunen wird es bald enger. Bisher liegt der gesetzliche Mindesthebesatz bei 200 Prozent. Ab dem Erhebungszeitraum 2027 steigt er auf 280 Prozent. Monheim, Leverkusen und Zossen müssen dann nachziehen. Der Gesetzgeber will damit rein steuermotivierte Verlagerungen von Unternehmen in Steueroasen stoppen. Unter den Städten ab 20.000 Einwohnern betrifft das genau drei.

Gewerbesteuer-Hebesätze auf einen Blick

  • Durchschnitt aller Gemeinden in Deutschland 2025: 410 Prozent, ein Punkt mehr als im Vorjahr
  • Durchschnitt der Städte ab 20.000 Einwohnern 2026: 441 Prozent (Vorjahr 439)
  • Höchster Satz: 580 Prozent in Oberhausen und Mülheim an der Ruhr
  • Niedrigster Satz: 250 Prozent in Monheim am Rhein und Leverkusen
  • Gewerbesteuereinnahmen aller Gemeinden 2025: rund 76,4 Milliarden Euro, ein Plus von 1,5 Prozent
  • Mindesthebesatz ab 2027: 280 Prozent

Am Ende zeigt die Liste vor allem eines: Den einen richtigen Hebesatz gibt es nicht. Es gibt nur Kommunen, die ihn sich leisten können.

Und solche, die ihn sich leisten müssen.

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