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Zwischen 200 und 900 Prozent Hebesatz - die Gewerbesteuer wird in den Kommunen sehr unterschiedlich gehandhabt

Gewerbesteuer: Hier ist es am günstigsten!

11.055 Kommunen gibt es in Deutschland. Und jede Kommune setzt ihre Gewerbesteuer, sowie die Grundsteuern A (landwirtschaftliche Flächen) und B (Wohngrundstücke) selbst fest - die Unterschiede sind enorm!

Ab sofort sind wieder die Hebesätze der Grund- und Gewerbesteuer aller Deutschen Kommunen im Internet verfügbar. Darin zeigt sich eindeutig, welche Städte Unternehmen besonders günstige steuerliche Bedingungen bietet und wo Wohnen besonders teuer ist. Die Gemeinschaftsveröffentlichung der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder beinhaltet für alle 11.055 deutschen Städte und Gemeinden Angaben zu den Hebesätzen der Grundsteuer A (für land- und forstwirtschaftlich genutzte Flächen), der Grundsteuer B (für Grundstücke) und der Gewerbesteuer im Jahr 2017. 

Mit der Festlegung der Hebesätze (erfolgt in Prozent) können die Gemeinden in Deutschland die Höhe der Gemeindesteuern erheblich beeinflussen. Je höher der Hebesatz, desto stärker wird der Steuerzahler zur Kasse gebeten. 

 

Gewerbesteuer schwankt um Hunderte Prozentpunkte 

 

Aufgelistet sind in einer ausführlichen Exel-Tabelle alle Hebesätze der Kommunen nach Bundesländern sortiert. Der Blick ins einwohnerstärkste deutsche Bundesland - Nordrhein-Westfalen - etwa zeigt, dass die Gewerbesteuer hier von einem Hebesatz von 260 Prozent am unteren Ende in Mohnheim (Kreis Mettmann) bis zu 550 Prozent in Oberhausen (Ruhrgebiet) reicht. Monheim ist schon seit Jahren politisch in der Schusslinie der Nachbarkommunen wegen seiner niedrigen Steuersätze. Der dortige Bürgermeister hatte zahlreiche Unternehmen mit der niedrigen Steuer in seine Stadt gelockt und sich so finanziell saniert. Seine Rechnung: ein niedriger Hebesatz von möglichst vielen Unternehmen und die Einnahmen steigen. So kam es auch, zum Leidwesen der Nachbarstädte. Sie werden Monheim unsolidarisches Handeln vor. KOMMUNAL hatte unter der Überschrift "Florierende Gewerbesteuer" bereits im Jahr 2016 über die Sondersituation dort berichtet und auch gezeigt, wie andere Kommunen versuchen, Gewerbesteuern und Neuansiedlungen zu generieren - auf sehr unterschiedliche Weise. 

 

 

Gewerbesteuer: Hamburg ist Spitzenreiter 

 

Auch in anderen Bundesländern schwanken die Hebesteuersätze massiv. So etwa in Brandenburg. In Potsdam etwa zahlen Gewerbetreibende einen Hebesatz von 455 Prozent, immerhin drei Gemeinden haben hier aber auch nur einen Hebesatz von 200 Prozent. Nimmt man in diesem östlichen Bundesland den Schnitt aus allen 417 Städten und Gemeinden, so kommt man auf einen durchschnittlichen Gewerbesteuerhebesatz von 324 Prozent. Das ist bundesweit der niedrigste durchschnittliche Hebesatz. Am anderen Ende der Skala rangiert Hamburg mit einem Hebesatz von 470 Prozent vor Bremen (460) und Berlin (410). Bei den Flächenländern ist Nordrhein-Westfalen hingegen der Spitzenreiter mit einem Durchschnitt von 448 Prozent vor dem Saarland mit 419 Prozent. Alle anderen Flächenländer bewegen sich zwischen 339 (Mecklenburg-Vorpommern) und 394 Prozent (Sachsen).

 

Und so sieht es bei den Grundstückststeuern aus 

 

Politisch heiss in der Diskussion, weil vom Gericht in der jetzigen Form ja als verfassungswidrig eingestuft, sind die Hebesteuersätze für Grundstücke. Die sogenannte Grundsteuer B für bebaute und unbebaute Grundstücke schwankt ebenfalls von Kommune zu Kommune extrem. Am wenigsten zur Kasse gebeten werden - wie rein statistisch aufs gesamte Bundesland bezogen - die Menschen in den Kommunen in Schleswig-Holstein. Hier liegt der Hebesatz im Durchschnitt bei 325 Prozent. Nicht zuletzt jedoch getrieben von der Tatsache, dass drei Kommunen im Land keine Grundsteuer B erheben. Die anderen Kommunen schwanken zwischen 45 und 700 Prozent. 

Deutlich teurer wird es in Berlin - die Hauptstadt verlangt von Grundstückseigentümern satte 810 Prozent Hebesatz. Zwar wohnen in Berlin fast 90 Prozent der Bewohner zur Miete, die Grundsteuer ist aber voll umlagefähig auf die Mieten, ist also Treiber der Mietpreise. 300 Meter hinter der Berliner Stadtgrenze im Brandenburgischen Glienicke/Nordbahn hingegen zahlen Häuslebesitzer "nur" 300 Prozent Hebesatz. 16 Kommunen in Brandenburg haben Hebesätze von weniger 200 Prozent, einige davon ebenfalls nur wenige Kilometer von Berlin entfernt. 

 

Hier gibt es alle Zahlen für alle 11.055 Städte und Gemeinden 

 

Die Statistischen Ämter des Bundes und der Länder haben eine Exel Tabelle mit allen Hebesätzen der Realsteuern in ganz Deutschland zusammengestellt. Wir bieten Ihnen diese Exel Tabelle mit entsprechender Suchfunktion für jede Kommune HIER zum Herunterladen an (2,9 MB)

 

 

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