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Regulärer Unterricht

So soll die Schule nach den Sommerferien starten

Die Bundesländer wollen nach den Sommerferien zum regulären Schulunterricht zurückkehren. Doch so einfach wird das nicht sein. Wie soll das konkret funktionieren? KOMMUNAL fragte nach.
Aktualisiert am 04. Juni 2020

Die Ministerpräsidentinnen und Regierungschefs haben sich mit Kanzlerin Angela Merkel darauf geeinigt, dass der Schulbetrieb nach den Sommerferien wieder regulär aufgenommen werden soll - sofern das Corona-Infektionsgeschehen das zulässt. Die Zahl der Neuinfektionen ist seit Wochen gering und darf nicht massiv steigen. Inzwischen haben die Kultusminister der Länder sich darauf verständigt, dass die Abstandsregelungen von 1,50 Metern in den Schulen  nach den Ferien nicht mehr gelten sollen. Viele Eltern und Lehrer sehen dies kritisch.

Immer  wieder werden Schulen  derzeit wegen gehäufter Corona-Infektionen geschlossen. So hat etwa in Berlin-Charlottenburg die Paula-Fürst-Schule jetzt angekündigt, bis zum neuen Schuljahr den Betrieb einzustellen.

Regulärer Unterricht in der Schule verlangt Konzepte

Doch wie soll die Wiederaufnahme des regulären Schulunterrichts konkret aussehen? Immerhin haben die Schülerinnen und Schüler viel Stoff nachzuholen. Und die Gefahr durch das Corona-Virus ist noch lange nicht gebannt. In den zuständigen Ministerien werden dazu momentan Konzepte erarbeitet.

„Unser Ziel ist es, im neuen Schuljahr den Unterricht wieder im Regelbetrieb anbieten zu können“, betonte Daniel Otto, Sprecher des Staatsministeriums für Unterricht und Kultus, auf Anfrage von KOMMUNAL. In Bayern bleibt für die Vorbereitung noch etwas Zeit. Die Schule startet dort nach den Sommerferien am 8. September.

Bis zu den Ferien, die in Bayern am 27. Juli beginnen, werde das Lernen zuhause im Wechsel mit Präsenzunterricht fortgesetzt, sagte der Sprecher. Die Lehrer wählten auf Basis des Lehrplans dafür vor allem solche Themengebiete aus, die von zentraler Bedeutung für die nächsthöheren Jahrgangsstufen sind, wie er betonte.

Bayern will beim Wiedereinstieg in den Schulunterricht unterstützen

Und wie wird das dann im Regelbetrieb laufen? „Da das Infektionsgeschehen dynamisch ist, wird man sehen, welche Hygieneschutzmaßnahmen im September erforderlich sein werden“, unterstrich der Sprecher. „Wir sind auf verschiedene Szenarien vorbereitet.“  Was das Lernen betrifft: Wenn der Unterricht wieder regulär läuft, ist nicht gleich alles wie gehabt: „Es wird auf jede Fall Phasen des Ankommens geben, um die Schülerinnen und Schüler beim Wiedereinstieg in den Schulalltag zu unterstützen“, verspricht der Ministeriumssprecher.

Schrittweise Lockerungen seit April

Der Freistaat lockert seit Wochen den Schulbetrieb sukzessive in vier Schritten: In einem ersten Schritt hat am 27. April der Präsenzunterricht in der Schule begonnen. In einem zweiten Schritt folgten ab 11. Mai die Jahrgangsstufe 4 sowie die Jahrgangsstufen, die im nächsten Jahr ihren Abschluss abstreben. Am 18. Mai folgten in einem dritten Schritt unter anderem die Jahrgangsstufe 1 der Grundschulen, der Jahrgansstufe 5 der Mittelschulen sowie die 5 und 6 der Realschulen und Gymnasien. Am Montag nach den Pfingstferien starteten in einem vierten Schritt alle weiteren Jahrgangsstufen wieder mit dem Präsenzunterricht.

In der Regel gebe es derzeit einen gestaffelten Unterricht – indem die Gruppe wöchentlich wechselt, die in der Schule und zuhause unterrichtet wird. Wie sie den Unterricht in Zeiten von Corona gestalten, regeln laut dem Sprecher die einzelnen Schulen. „Sie erhalten Gestaltungsspielraum, um ein möglichst stabiles und verlässliches Unterrichtsangebot zu unterbreiten.“ Allerdings sei die Stundentafel natürlich reduziert.

Und wie setzt Bayern derzeit in den Schulen die Corona-Hygieneregeln um? In der Regel werden die Klassen geteilt und haben damit maximal die halbe Größe. Bei der Sitzordnung wird der Abstand von 1,50 Metern eingehalten.  Auf Gruppenarbeiten wird derzeit verzichtet. Die Pause soll möglichst im Klassenzimmer abgehalten werden. „Wichtig sind das Durchlüften der Klassen, Absprachen bei Toilettengängen und die intensive Reinigung aller Räume“, so Daniel Otto.

Sachsen-Anhalt: Schuljahr startet am 27. August

In allen Bundesländern wird der Start in das neue Schuljahr ein ganz besonderer Anfang nach den großen Ferien sein. Auch in Sachsen-Anhalt geht das Ministerium davon aus,  zum Schuljahresstart am 27. August 2020 mit einem Regelbetrieb ins neue Schuljahr zu starten. Dabei werden sicherlich auch zu diesem Zeitpunkt Hygienemaßnahmen notwendig sein. "Grundsätzlich ist die Entscheidung über einen Regelbetrieb weiterhin vom Infektionsgeschehen abhängig", sagte eine Sprecherin auf Anfrage zu KOMMUNAL.

Die Grundschulen in Sachsen-Anhalt hatten bereits spätestens zum 15. Juni mit dem eingeschränkten Regelbetrieb begonnen. Es gab die Möglichkeit, zwischen dem 7. Juni und dem 15. Juni damit zu starten. Seither sind alle Grundschulkinder täglich in den Schulen. Dort wird in festen Klassen  beziehungsweise in Gruppen unterrichtet. "Die Klassen sollen möglichst wenig Kontakt untereinander haben, entsprechende Hygienekonzepte sind einzuhalten", so eine Sprecherin.

Nordrhein-Westfalen: Abstimmungen vor regulärem Unterricht laufen

Das Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration in Nordrhein-Westfalen sagt: "Wenn es um die Bildung von Kindern und Jugendlichen geht, dann zählt jeder Tag." Das Bundesland will den nächsten Schritt zu einem verantwortungsvollen Normalbetrieb an den Grundschulen auch noch vor den Sommerferien gehen.

Im Interesse der Bildungsgerechtigkeit und der Zukunftschancen der Schülerinnen und Schüler sei es zudem das Ziel, nach den Sommerferien möglichst schnell zu einem Regelbetrieb für alle Jahrgänge an allen Schulformen zurückzukehren, sofern das weitere Infektionsgeschehen dies zulässt.  "Dazu finden derzeit mit allen Beteiligten Gespräche und Abstimmungsprozesse statt, um die Regelungen rechtzeitig vor den Sommerferien vorstellen zu können", sagte der stellvertretende Ministeriumssprecher Henning Severin.

Hamburg: Regelunterricht nicht für alle Stufen sicher

In Hamburg hört sich Schulsenator Thies Rabe noch zurückhaltend an. "Bei den weiterführenden Schulen werden wir mit hoher Wahrscheinlichkeit ebenfalls in den Regelbetrieb zurückkehren", sagte Rabe dem Hörfunksender NDR 90,3.  "Hier kann es aber sein, dass wir vor dem Hintergrund des Infektionsgeschehens noch kurzfristig Anpassungen vornehmen müssen." Er sei sich sehr sicher, dass auch für die Klassenstufen 5 und 6 der volle Regelunterricht stattfinden werde. "Für die höheren Klassenstufen ist der volle Regelunterricht wahrscheinlich, aber nicht ganz so sicher wie für die Grundschule."

Für die Grundschulen sei die Öffnung sicher, verspricht Rabe. Die Behörde werde die Schulen bitten, Planungen für den Regelbetrieb einzuleiten.  Die Wissenschaftler hätten bei der Konferenz der Regierungschefs mit der Kanzlerin überzeugend deutlich gemacht, dass insbesondere jüngere Kinder von der Pandemie kaum betroffen seien und es an der Zeit ist, die Schulen für sie wieder zu öffnen, so Rabe in dem NDR 90,3-Interview weiter. "Wenn wir jetzt die Schulen für den Regelbetrieb vorbereiten, planen wir zugleich intensive Tests. Dazu zählt, dass sich alle, die an den Schulen mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, kostenlos testen lassen können."

Zudem sollen für alle Beschäftigten auf Wunsch transparente Visiere besorgt werden. Das neue Schuljahr startet in Hamburg am 6. August. Auch Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) sieht die komplette Rückkehr zu einem normalen Schulbetrieb  nicht als gesichert an. "Ich hoffe sehr, dass das Infektionsgeschehen diese Entwicklung zulässt", sagte sie der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.  "Das Virus ist nicht weg und wir müssen immer wieder damit rechnen, dass Schulen geschlossen werden."

Nachhilfeprogramm in Baden-Württemberg

Baden-Württemberg will in den Sommerferien für Schüler sogenannte „Lernbrücken“ als Nachhilfeprogramm  anbieten. Das kündigte Kultusministerin Susanne Eisenmann in der jüngsten Landtagsitzung an. Das zweiwöchige Angebot ist freiwillig, den Unterricht werden zum Teil Referendare durchführen. Ministerpräsident Winfried Kretschman hält die Rückkehr zum normalen Unterricht nach den Ferien allerdings für nicht realistisch.  Denn es fehlten die Lehrer. Bis zu 20 Prozent zählten zum Kreis der Risikogruppen. Auch Berlin bietet eine Sommerschule an, sie startete bereits.

Brandenburg:  Regulärer Schulunterricht ab 10. August

An den Brandenburger Schulen soll der Unterricht im normalen Umfang nach den Sommerferien am 10. August wieder aufgenommen werden. Die Öffnung sei "die gute Botschaft an alle Eltern", sagte Bildungsministerin Britta Ernst.

Individuelle Förderprogramme gefordert

Die Lehrergewerkschaft GEW in Brandenburg fordert allerdings, dass die notwendigen Voraussetzungen und Vorgaben noch vor Beginn der Sommerferien durch die Landesregierung geschaffen und geregelt werden. GEW-Chef Günther Fuchs will individuelle Förderprogramme für alle Schülerinnen und Schüler.  Zuvor müssten der jeweilige Lernentwicklungsstand  festgestellt werden. Dazu bräuchten die Schulen Zeit und Unterstützung.

Schulen von Bürokratie bei Regelunterricht entlasten

"Es ist wichtig, dass die Schulen von unnötiger Bürokratie entlastet werden und das Ministerium einen Rahmen für die Vermittlung der basalen Kompetenzen vorgibt", betonte der Gewerkschaftsvorsitzende. Dies schließe auch Formen des digitalen Lernens ein. Die Wiederaufnahme des Regelunterrichts ist keine einfache Rückkehr zur Normalität", sagte Fuchs.  Sie müsse durch vielfältige Maßnahmen zur individuellen Förderung und Unterstützung der Schüler ergänzt werden. Er mahnt: "Die Zeit bis zum Beginn der Sommerferien muss genutzt werden, um die dafür notwendigen Voraussetzungen zu schaffen.“

In manchen Bundesländer bleibt für die Vorbereitung aber nicht mehr viel Zeit: In Brandenburg und Berlin haben sie bereits am 25. Juni begonnen, In Niedersachsen am 29. Juni. Am 6. Juli folgen Rheinland-Pflanz, das Saarland und Hessen.