Coronavirus
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Maßnahmen wie in Italien

Coronavirus: Werden deutsche Städte abgeriegelt?

In Italien, dem Land mit den meisten Infektionen, werden die Städte abgeriegelt - um das Coronavirus einzudämmen. Mehrere Einwohner dürfen weder ein- noch ausreisen. Ein Szenario, das so auch in Deutschland passieren könnte?

In Italien sind sieben Menschen am Coronavirus gestorben. Die Behörden reagierten darauf mit Sicherheitskräften und haben ganze Städte abgeriegelt.

Und auch Deutschland rechnet mit mehr Infektionen: "Die Corona-Epidemie ist als Epidemie in Europa angekommen", warnt Deutschlands Gesundheitsminister Jens Spahn. Und weiter: "Deshalb müssen wir damit rechnen, dass sie sich auch in Deutschland ausbreiten kann." Allerdings, so Spahn, sei Deutschland bestmöglich darauf vorbereitet.

Werden auch deutsche Städte abgeriegelt?

Insgesamt gibt es bisher 14 bestätigte Corona-Fälle in Deutschland. So wurden mehrere Fälle in einer Firma im Landkreis Starnberg gemeldet. Die Firmenzentrale reagierte allerdings sehr schnell und die betroffenen Personen wurden schnell isoliert. So konnte ein weiterer Ausbruch vermieden werden.

Das Robert Koch Institut geht davon aus, dass in Deutschland das Risiko gering ist, sich mit Corona anzustecken. Es weist aber darauf hin, dass sich das jederzeit ändern kann. Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut in Hamburg warnt hingegen: "Gerade die Ausbrüche in Italien, in Südkorea und im Iran haben jetzt vor Augen geführt, dass wir hier jetzt von einer Pandemie sprechen müssen. Wir konnten nicht verhindern, dass es zu Ausbrüchen außerhalb Chinas kommt."

Auch in Berlin denken die Berhörden bereits daran, die Großstadt oder einzelne Teile abzuriegeln. Ob und wie sich das überhaupt umsetzen lässt, bleibt jedoch noch offen, erklärt Innensenator Andreas Geisel.

Gerd Landsberg, der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, erklärt dazu im Tagespiegel, dass Deutschland sehr gut auf Pandemien vorbereitet ist und dass solche Maßnahmen logistisch sehr schwierig wären und eine große Einschränkung der individuellen Freiheit bedeuten würden. "Hier wird sich dann auch die Frage der Verhältnismäßigkeit stellen. Solche Maßnahmen sind für Deutschland derzeit kaum vorstellbar. Es wird vielmehr auf frühzeitiges Erkennen der Infektion und präventive Maßnahmen gesetzt." Da die Menschen in Deutschland nicht auf so engem Raum zusammenleben wie etwa in Millionenstädten in China, rechnet Landsberg zudem mit einer schnelleren und früheren Erkennung.

Wer ist für was zuständig?

In Deutschland gibt es einen nationalen Pandemieplan und eine Koordinierung des Robert-Koch Instituts. Demnach sind die Landkreise und die kreisfreien Städte primär zuständig für die Bewältigung von Epidemien biologischen Ursprungs.

So ist das Gesundheitsamt für die Ermittlungen zur Art, Ursache, Ansteckungsquelle und Ausbreitung auf lokaler Ebene verantwortlich. Das Amt muss zudem auch die Kontaktpersonen beraten sowie über präventive Maßnahmen entscheiden. Damit fällt auch die Quarantäne unter ihre Aufgaben.

Bei größeren Ausbrüchen kann die lokale Gesundheitsbehörde Krisenstäbe einberufen, die gemeinsam über Maßnahmen entscheiden und die Umsetzung koordinieren. Neben den Gesundheitsämtern sind teilweise auch lokale Veterinärbehörden, Rettungsdienste, die Polizei, der Katastrophenschutz, Vertreter aus der Kassenärztlichen Vereinigung und Krankenhäusern und Politiker integriert.

Die Kommunen sind zudem auch zuständig für die Rettungsdienste und die Feuerwehr. Dazu schreibt das Robert-Koch Institut: "Bei Massenanfall von Infizierten muss gegebenenfalls über ein Kohortentransportsystem oder Transporte mit entkernten Rettungswagen bzw. Krankentransportwagen nachgedacht werden."

Nichtsdestotrotz arbeiten die Kommunen auch mit den Verantwortlichen von Bund und Ländern zusammen. Auf Länderebene ist vor allem die Gesundheitsministerkonferenz für Entscheidungen zuständig.

Die Gesundheitsministerkonferenz (GMK) ist das Entscheidungsgremium zwischen den zuständigen Ministerien und Senatsverwaltungen der Bundesländer. Hier erfolgt der fachliche und politische Meinungsaustausch. Entscheidungen werden auf Ebene der Amtsleitungen der Ministerien und Senatsverwaltungen und auf Ebene der Arbeitsgemeinschaft der Obersten Landesgesundheitsbehörden vorbereitet. Zudem findet ein Austausch mit verschiedenen Arbeitsgruppen und Gremien statt.

Auf Bundesebene kann das Bundesministerium für Gesundheit seinen Krisenstab einberufen. Der Krisenstab ist dabei nicht nur in nationale sondern auch in internationale Strukturen eingebunden.

Auch von Njema Drammeh