Das Ehrenamt würdigen

Das Ehrenamt würdigen - aber wie?

Am 5. Dezember ist der Internationale Tag des Ehrenamtes. Wie wichtig sind die freiwilligen Helfer? Und wie können Kommunen das ehrenamtliche Engagement würdigen?

Ehrenamtliche bringen Kindern das Schwimmen bei, helfen Flüchtlingen bei der Integration, löschen Feuer und unterstützen Alte und Kranke. Sie halten das Vereinswesen am Leben und stellen die Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehr. Kurzum: Ohne sie geht in Deutschland nichts!

Denn das Ehrenamt sichert neben der Daseinsvorsorge auch das Freizeitangebot in ländlichen Kommunen. Und hierzulande ist die Bereitschaft zum Helfen groß: Circa 44 Prozent der Bürger sind ehrenamtlich aktiv.

Dass das Ehrenamt für Deutschland enorm wichtig ist, ist längst kein Geheimnis mehr und vielen Politikern bewusst. Deshalb wollen es viele gezielt fördern. Doch: Wie funktioniert das am besten?

 

Ehrenamt würdigen
In KOMMUNAL spricht Bettina Hollstein über die Wertschätzung von Ehrenamtlichen

 

Das Ehrenamt würdigen - mit der Ehrenamtskarte

 

Ein Blick in Deutschlands Bundesländer zeigt, dass es da vor allem die sogenannte Ehrenamtskarte gibt, mit der Vergünstigungen von 20 bis 50 Prozent locken. Beispielsweise in der Bibliothek, dem Zoo, der Dorfapotheke, dem örtlichen Autohaus oder Banken. Allerdings sind die Vergabekriterien nicht immer sehr motivierend. So erhalten die Ehrenamtlichen in Niedersachsen beispielsweise nicht ein Jahr nach dem Start ihres Engagements eine Ehrenamtskarte, so wie es in anderen Bundesländern üblich ist, sondern erst drei Jahre später. Neben der Ehrenamtskarte gibt es auch Aufwandsentschädigungen.

So dürfen Ehrenamtliche pro Jahr bis zu 720 Euro annehmen, ohne dafür Steuern oder Sozialabgaben zahlen zu müssen. Die Frage ist: Ist das zu wenig Geld? Denn viele Ehrenamtliche helfen nicht nur freiwillig im Verein oder der Feuerwehr und rücken abends für Einsätze aus, sondern arbeiten auch in Vollzeit und kümmern sich zusätzlich um Haushalt und Familie. Wissenschaftler wie Bettina Hollstein, die Geschäftsführerin des Max-Weber-Kollegs der Universität Erfurt, plädieren nicht für eine Erhöhung der Aufwandsentschädigung:„Kommunen sollten die Arbeit von Ehrenamtlichen wertschätzen, weil das unglaublich motiviert. Aber Geld spielt dabei in der Regel eine untergeordnete Rolle. Denn Ehrenamtliche helfen vor allem, weil sie Spaß an der Tätigkeit haben und nicht, weil sie damit reich werden möchten. Bereits die klassische Untersuchung von Richard Titmuss zeigte, dass finanzielle Anreize für Blutspenden die Bereitschaft zu spenden reduzierte, weil der Antrieb für Spenden altruistisch motiviert war.“

 

Wie wichtig ist das Geld für Ehrenamtliche?

 

Dennoch sollten die Aufwandsentschädigungen unbedingt beibehalten werden, um allen Menschen die Chance zu geben, an gemeinwohlorientierten, sinnvollen Projekten mitzuwirken: „Das Geld ermöglicht auch einkommensschwachen Personen sich zu engagieren und damit als wertvolle Mitglieder der Gesellschaft anerkannt zu werden.“ Dass das Geld nicht ausschlaggebend ist, sondern dass vielmehr der freiwillige Akt des Helfens erfüllt, zeigen auch viele Untersuchungen aus der Glücksforschung. Und auch die Bloggerin Jessica Diehl engagiert sich ehrenamtlich und sieht den Hauptanreiz für das Ehrenamt nicht in den finanziellen Gründen. So schreibt sie: „Die ehrenamtliche Tätigkeit gibt einem etwas, das einem das Nachmittagsprogramm im Fernsehen nicht geben kann: Man bekommt eine sinnvolle Aufgabe, von der man weiß, dass sie wichtig ist. Wer sich mit anderen Menschen verabredet, um gemeinsam etwas zu (er)schaffen, der ist Teil einer Gemeinschaft. Ich habe das Gefühl, dass meine Arbeit die Welt wieder ein kleines bisschen besser und lebenswerter macht. Das, was ich zurückbekomme, ist so viel wertvoller als Geld: Ein Lächeln, Erfahrung, Wissen, soziale Kompetenzen und einfach das Gefühl, etwas geschafft zu haben.“

 

Die Wertschätzung für das Ehrenamt sollte nicht zur Floskel werden

 

In vielen Kommunen wird das Ehrenamt deshalb mit Festen und Feiern gewürdigt. „In Thüringen verleiht die Sozialministerin die „Thüringer Rose“, eine Auszeichnung an verdiente Ehrenamtliche zum Tag der Elisabeth. Anderenorts setzt man auf traditionelle Dorffeste. Entscheidend ist dabei aber, dass die Würdigung öffentlich gemacht wird und festlich ist. Und das Wichtigste: Die Wertschätzung sollte zu keiner Floskel werden. Ein persönlich überreichter Blumenstrauß ist immer wichtiger als wiederkehrende Massenbriefe.“

 

Es sind die kleinen Dinge im Alltag, die Wertschätzung ausdrücken

 

Im Süden von Sachsen-Anhalt setzt die 27.000-Einwohnerstadt Sangerhausen vor allem auf neue Ideen. So durften die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr zum Beispiel im letzten Jahr kostenlos ins Schwimmbad gehen: „2018 war es besonders heiß und wir wollten den Helfern für ihren Einsatz danken und ihnen eine kleine Freude machen“, verrät Sven Strauß, der Oberbürgermeister.

Ein anderes Mal haben die Feuerwehrleute kostenlosen Zutritt zum Fest der Tausend Lichter bekommen. „Dieses Jahr wartet noch eine kleine Änderung. Normalerweise laden wir jährlich zum Tag des Ehrenamtes Menschen aus den unterschiedlichsten Bereichen ein, um ihnen für ihren Einsatz zu danken. In Sangerhausen findet demnächst alle zwei Jahre eine größere Veranstaltung statt, die gezielt auf einen bestimmten Bereich ausgerichtet sein wird. So werden dieses Jahr alle Übungsleiter im Sportbereich eingeladen. 2021 wird es voraussichtlich der Bereich Hilfs- und Rettungsdienste sein. “ Neben den großen feierlichen Anlässen ist es Strauß aber auch wichtig, die Arbeit der Ehrenamtlichen im Alltag wahrzunehmen: „Der Oberbürgermeister sollte an den Veranstaltungen der Feuerwehrvereine teilnehmen. Das wirkt nicht nur authentischer,
sondern ist vielen Helfern auch wichtiger, als eine große Feier im Jahr.“ Strauß setzt deshalb auch auf kleinere Formen der Unterstützung.

Wenn zum Beispiel kurz vor einem Turnier die Dusche des Sportvereines kaputt geht, organisieren seine Mitarbeiter schnell Handwerker, die den Schaden beheben. Neben der angemessenen Würdigung können Städte und Gemeinden aber noch mehr tun, um Ehrenamtliche zu motivieren: „Eine große Hürde ist die Bürokratie. Denn oftmals fühlen sich Freiwillige allein gelassen mit rechtlichen Fragen oder Themen wie dem Brandschutz, Steuern oder Sicherheitskonzepten für Veranstaltungen. Doch genau hier können Kommunen gezielt gegenwirken, indem sie einen festen Ansprechpartner vor Ort zur Verfügung stellen, der den Vereinen und Ehrenamtlichen bei solchen Fragen hilft“, weiß Hollstein.

Zudem zeigen Untersuchungen, dass das Engagement genau in den Bereichen nachlässt, aus denen sich auch der Staat zurückzieht. Im Umkehrschluss könnte das für die Zukunft bedeuten, dass freiwillige Arbeit auch immer die Zusammenarbeit mit der staatlichen Seite braucht, um funktionieren zu können.

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