Digitalpakt Schule: Fördermittel werden nicht abgerufen
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Fördermittel werden nicht abgerufen!

Digitalpakt Schule ist "zu kompliziert"

Mit dem Digitalpakt Schule stellt die Bundesregierung den Kommunen und Ländern Geld zur Verfügung, um Deutschlands Schulen zu digitalisieren. Doch bisher beantragen nur wenige Schulträger die Fördermittel. Eine neue Umfrage zeigt, woran das liegt.

Deutschlands Schulen sollen mit besserer Technik ausgestattet werden!

Für dieses Ziel hat die Bundesregierung den Digitalpakt ins Leben gerufen. Er stellt den Ländern und Kommunen mehr als fünf Milliarden Euro Fördermittel zur Verfügung.

Doch das Geld fließt nur langsam ab. Das zeigt eine Umfrage vom Deutschen Städte- und Gemeindebund in Kooperation mit FOCUS Online. Die Befragung wurde vom 21.11. bis zum 16.12.2019 durchgeführt. Insgesamt nahmen 363 Schulträger aus ganz Deutschland teil. Sie repräsentieren insgesamt 1570 Schulen.

Das Ergebnis: 82 Prozent der Schulträger haben noch keine Mittel aus dem Digitalpakt beantragt, wollen das aber nachholen. In mehreren Bundesländern mussten die Träger monatelang warten, bevor sie Förderanträge stellen konnten, weil noch keine entsprechenden Verwaltungsvorschriften erlassen wurden.

Anders in Berlin, Bayern und Bremen. Hier wurden überdurchschnittlich viele Anträge abgeschickt.

Wofür wollen die Schulen das Geld einsetzen?

Laut der Umfrage wollen 92 Prozent der Befragten ein eigenes LAN- oder WLAN-Netz aufbauen. 87 Prozent wollen mit dem Digitalpakt interaktive Tafeln und Smartboards kaufen. 77 Prozent  streben an, das Geld für mobile Endgeräte wie beispielsweise Tablets zu nutzen. Allerdings geben 81 Prozent der Befragten an, dass sie die Maßnahmen auch ohne Digitalpakt umgesetzt hätten.

Woran liegt es, dass die Fördermittel aus dem Digitalpakt so zögerlich abgerufen werden?

44 Prozent der Schulträger finden den Verwaltungsaufwand im Vergleich zu den Förderleistungen zu hoch. Lediglich ein Fünftel empfindet ihn als angemessen. Und 65 Prozent kritisieren, dass die operative Hilfe durch das Land bei der Umsetzung nicht ausreicht.

Außerdem halten 69 Prozent die Lehrer nicht für ausreichend vorbereitet für die Umsetzung. Dennoch wünscht sich mehr als die Hälfte der Träger das sich das ändert.

Doch es ist längst nicht nur mit der Anschaffung der neuen Technik getan. Denn die Infrastruktur muss auch gewartet werden. Allerdings bemängelt mehr als jeder zweite Schulträger, dass er den IT-Support nicht gewährleisten kann. 76 Prozent der Befragten können die Folgekosten nicht decken. Die Kommunen wünschen sich deshalb, dass der Digitalpakt über das Jahr 2024 fortbesteht und auch die Folgekosten für die Wartung der Geräte und die höheren Betriebskosten übernommen werden.

Digitalpakt Schule: Was muss sich konkret verbessern?

Aus Sicht der Schulen ließe sich der Digitalpakt verbessern, wenn der Antragsprozess vereinfacht werden würde. So heißt es in den Antworten zur Umfrage, dass der Prozess „viel zu kompliziert“, „unschlüssig“ und „kaum zu bewerkstelligen“ sei. Die Schulträger wünschen sich zudem, dass nur ein Antrag pro Schulträger und nicht pro Schule gestellt werden kann.

Zudem bemängeln viele Träger, dass die Mittel zu gering sind. So müsse für ein schuleigenes Netz „teils tief in die Gebäudesubstanz eingegriffen werden.“ Die daraus entstehenden Kosten könnten aber nicht mit den Mitteln des Digitalpaktes abgedeckt werden.

Und auch der Förderzeitraum stellt aus Sicht der Schulträger ein Problem dar, wenn man die vollen Auftragsbücher bei Elektro- und Tiefbaubetrieben beachtet. Hinzu kommt, dass die Deckelung der Fördermittel bei 25.000 Euro pro Schule für mobile Endgeräte aus Sicht der Schulträger sehr ungünstig ist.

Das Fazit: „Die bereitgestellten Mittel sind gemessen an der Aufgabe und der gesellschaftlichen Bedeutung viel zu gering.“

Gerd Landsberg, der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes erklärt angesichts der Ergebnisse, dass die Umsetzung des Digitalpaktes vielerorts noch in den Kinderschuhen steckt: „Wie befürchtet ist der bürokratische Aufwand groß, der Support durch die zuständigen Länder verbesserungswürdig und der Anschluss an ein leistungsfähiges Breitbandnetz bei vielen Schulen derzeit noch nicht umgesetzt. Die notwendige Aus- und Fortbildung der Lehrerinnen und Lehrer muss ebenfalls konsequenter vorangetrieben werden. Bund, Länder und Kommunen sollten jetzt gemeinsam alles daransetzen, die Digitalisierung in den Schulen voranzubringen und den wichtigen Digitalpakt am Ende doch noch zu einer Erfolgsgeschichte zu machen. Dazu gehört aber auch der Mut, die bürokratischen Vorgänge wirklich zu verschlanken und den Schulen Zuversicht zu vermitteln, sich beherzt in die Projekte einzubringen. Unverzichtbar ist dafür, dass die Länder sicherstellen, dass ihre Schulen mit Blick auf den Service qualitativ hochwertig und nachhaltig unterstützt werden- ggf. durch Dienstleister außerhalb des regulären Schulbetriebs. Niemand hat etwas von einer gut ausgestatteten digitalen Schule, wenn nach kurzer Zeit die Systeme nicht mehr genutzt werden können, weil der Support nicht gewährleistet werden kann. Die vor Ort immer wieder praktizierte Lösung, einzelne Lehrpersonen mit dieser Aufgabe zu betrauen, trägt nicht. Das gehört nicht zum Ausbildungsinhalt einer Lehrerin oder eines Lehrers, kann zwar eine kurzfristige Notlösung darstellen, aber nicht die qualifiziert notwendigen Dienstleistungen ersetzen."

Bildungsministerin Anja Karliczek überrascht es indes nicht, dass erst so wenig Fördermittel abgerufen wurden. Aus ihrer Sicht bräuchten die Schulen noch mehr Zeit, um didaktische Konzepte für digitale Lehrmethoden zu entwickeln. Zudem sei der Planungsstand in den Ländern mittlerweile weiter vorangeschritten: „Deshalb bin ich sehr optimistisch, dass die Digitalisierung unserer Schulen rasch vorankommt.“