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  3. Ende der Kreidezeit?
©123rf

Ende der Kreidezeit?

von Christian Erhardt-Maciejewski
Geschäftsführer, Chefredakteur | KOMMUNAL
15. Juni 2016
Bei digitalen Lernmethoden hinken deutsche Schulen im europäischen Vergleich gnadenlos hinterher. Verharrt Deutschland in der Kreidezeit? Argumente für ein Ende des digitalen Entwicklungslandes zusammengestellt von Christian Erhardt.

Eine Studie zeigt, dass in fast keinem anderen OECD-Land Computer so selten eingesetzt werden wie bei uns. Schlimmer noch: In der Mehrzahl der Schulen fehlt sogar noch WLAN im Klassenraum. Doch klagen hilft nicht viel – immerhin gibt es eine Reihe von Leuchttürmen in Deutschland. Hunderte Schulen setzen bereits IPads ein – von insgesamt aber über 34.000 Schulen in Deutschland. Dabei sind die Erfahrungen in den „I-Pad-Klassen“ durchweg sehr positiv.

Kreidezeit muss der Vergangenheit angehören

Die Hoffnungen, die die Befürworter des digitalen Lernens in die kleinen Rechner setzen, sind gigantisch. Von der Demokratisierung der Bildung ist da die Rede. Denn Bildung werde durch die neue Technik endlich für alle zugänglich, ob reich oder arm, egal wo und wann. Die digitale Revolution sei „der Angriff auf die Elite“ frohlockt etwa Jörg Dräger, Vorstandsmitglied der

Kreidezeit war gestern - moderne Bildung läuft digital!

Bertelsmann-Stiftung und viel beachteter Buchautor zum Thema. Er zeigt auch auf, wie das funktionieren soll. Wissen wird von einer Lernsoftware digital aufbereitet und dem Schüler spielerisch und personalisiert angeboten. Der Schüler arbeitet am Tablet seine Arbeitsblätter ab, teilt seine Resultate online mit anderen und bewertet die Arbeiten der Mitschüler wie Hotelgäste ihre Zimmer. Die Software erkennt Fehler und Problemzonen, gibt Lösungstipps, minimiert die Misserfolge, bietet maßgeschneiderte Lerninhalte und gibt Empfehlungen. Nachhilfeunterricht wird also überflüssig.

Lehrer aus der Kreidezeit?

Der Haken an der Sache: Die Mehrzahl der Lehrer in Deutschland ist jenseits der 50, die Schüler online meist sicherer unterwegs, als ihre Lehrer. Und: Der Lehrer „googelt“ an denselben Stellen im Netz, wie der Schüler. Einen Wissensvorsprung hat er nicht mehr.

Buchautor Jörg Dräger
©Rotary

Noch viel wichtiger: Wer in Anbetracht leerer kommunaler Kassen die IPads bezahlen soll, ist unklar. An vielen Schulen müssen die Eltern einen Teil oder gar die kompletten Kosten selbst tragen. Immerhin sparen sie bei der Software gegenüber herkömmlichen Büchern häufig wieder etwas ein. Jörg Dräger spricht von einem gemeinsamen Kraftakt aller Beteiligten. Seine konkreten Forderungen:         

  • eine Qualifizierungsoffensive für Pädagogen
  • flächendeckendes zuverlässiges WLAN in den Schulen
  • Förderprogramme für Gründer im Bildungsbereich
  • Wettbewerbe für frei zugängliche Lernmaterialen

Der Kraftakt wird also nur gelingen, wenn Politik – ob auf Bundesebene, im Land oder erst recht vor Ort - den digitalen Wandel nicht als Problem, sondern als Teil der Lösung für mehr Chancengerechtigkeit begreift. Die Finanzierung wird eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe – vielleicht angesichts der Globalisierung sogar DIE wichtigste Aufgabe überhaupt sein.

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