Schwimmbäder sind von den hohen Energiekosten besonders betroffen - reihenweise senken Kommunen die Temperaturen in den Bädern ab - und nicht nur dort...
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Mit Winterpulli ins Rathaus?

So reagieren Kommunen auf massiv steigende Energiekosten

Die steigenden Energiekosten sind für viele Bürger inzwischen ein Problem. Doch auch die Stadtsäckel der Kommunen werden stark belastet. Landauf, landab wird daher auch diskutiert, wie die Energiekosten der städtischen Gebäude und Einrichtungen gesenkt werden können. Kurzfristig sind es zumeist unpopuläre Methoden, die dafür nötig sind. Ein Überblick.

Energiekosten senken, aber wie? Mit Hilfe der Sommerzeit probiert es die Stadt Weimar: 21 Uhr 50 statt 21 Uhr 20 - das ist seit einer Woche in Weimar die neue Zeit, zu der die Straßenlaternen eingeschaltet werden. Das ist nur eine Maßnahme, mit der die Stadt die Energiekosten senken will. Gleichzeitig wird die Beleuchtung auch morgens eine halbe Stunde früher ausgeschaltet. Zwischen 30 und 40.000 Euro will die Stadt Weimar mit der Aktion im Jahr einsparen. Oder rund 70 bis 100.000 Kilowattstunden.

Gelten soll diese Regelung erst einmal bis zum Ende der Sommerzeit. Ja, richtig gelesen, die alte Diskussion um die Sommer- und Winterzeit ist indirekt wieder da. Oder sagen wir: Die Stadt Weimar macht sich die Tatsache zu Nutze, dass die EU die Regelung bis heute nicht verändert hat. 

Der Anteil der Energiekosten am Gesamthaushalt steigt 

Weimar steht beiweitem nicht alleine dar mit den Ideen. Denn die Energiekosten steigen - konkret machten sie nach Berechnungen im Jahr 2020 etwa 1,5 Prozent des Gesamthaushaltes einer durchschnittlichen Kommune aus. Eingerechnet darin sind alle Ausgaben für Wärme, Strom und Treibstoff. Im vergangenen Jahr lag der Anteil schon bei 2 Prozent. In diesem Jahr dürfte die 2 Prozent-Marke deutlich überschritten werden, so die Prognosen. 

Nicht überall wird sofort das Licht später eingeschaltet. Seit Jahren bemühen sich Städte und Gemeinden etwa, ihre Straßenbeleuchtung auf LED umzustellen. Weitere Maßnahmen zur Senkung der Energiekosten bei der Straßenbeleuchtung sind Sensoren. In Jena etwa wird das Licht der Straßenlaternen über eine dynamische Regelung eingeschaltet, wenn es benötigt wird. In der Stadt und allen Ortsteilen wurden dafür Anlagen verbaut, die witterungsbezogen auf die im Tages- und Jahresverlauf veränderlichen Lichtsituationen reagieren. Konkret heißt das, dass Sonnenaufgang und Sonnenuntergang berücksichtigt werden aber auch kurzfristig auftretende Ereignisse wie etwa Gewitter. Gibt es also im Sommer lange und helle Abende, schaltet sich die Straßenlaterne eben später an. 

Ähnliches gibt es bereits in Gera. Dort ist man laut Angaben der Stadt aktuell dabei, weitere 800 Natriumdampfleuchten auf LED umzurüsten. Dadurch und durch die Optimierung der Schaltzeiten können nach Angaben der Kommune an den Straßenzügen rund 50 Prozent der Energiekosten eingespart werden. 

Von der Straßenlaterne bis zum Schwimmbad - was Kommunen aktuell gegen hohe Energiekosten tun 

Auch im Landkreis Hersfeld-Rotenburg steht das Thema Energiekosten aktuell weit oben auf der Tagesordnung. Man suche nach weiteren Einsparmöglichkeiten, heißt es im Landkreis und den Mitgliedsgemeinden laut einer Umfrage der dortigen Lokalzeitung. Wobei man in der Region vergleichsweise gut aufgestellt sei. Viele Städte und Gemeinden in dem hessischen Landkreis mit seinen 120.000 Einwohnern haben schon auf LED umgerüstet, teils wurden alte Öl-Heizungen ersetzt, Photovoltaik-Anlagen installiert und Elektrofahrzeuge angeschafft. Trotzdem heißt es laut dem Bericht der HNA, dass die Kommunen auch hier in vielen Bereichen noch auf Gas und Öl angewiesen sind. Das gilt sowohl für kommunale Baufahrzeuge als auch für bereits begonnene Bauvorhaben. 

Entsprechend wurde in der Kreisstadt Bad Hersfeld auch schon über eine Absenkung der Wassertemperatur im Freibad diskutiert. Der Aufsichtsrat der Bädergesellschaft lehnte die Idee aber erst einmal ab. "Wir wollen nicht in Aktionismus verfallen", so Bürgermeister Thomas Fehling. Trotzdem muss die Stadt im Haushalt deutlich mehr Geld für Energie einplanen. Insgesamt rechnet Bad Hersfeld in diesem Jahr mit Mehrkosten bei der Energie in Höhe von 400.000 Euro. 

Beim Landkreis hingegen stehen stärker die Schulen und öffentlichen Gebäude im Fokus. Dort hat man im Haushalt des Landkreises 3,4 Millionen Euro für Energiekosten in diesem Jahr eingeplant. Unklar, ob das ausreicht oder ein Nachtragshaushalt her muss. Aktuell diskutiert der Landkreis daher über intelligente Heizungssteuerungen in den Schulen, über Solaranlagen und über mehr E-Autos im Fuhrpark.

Kalte Dusche für Sportler - ein Landkreis im Kampf gegen hohe Energiekosten 

Solch langfristige Maßnahmen sind besonders schwer umsetzbar in Kommunen, die ohnehin wirtschaftlich schlecht darstehen. Ihnen bleibt oft nur, möglichst kurzfristig zu reagieren. Die Stadt Herne etwa, eine hoch verschuldete Großstadt im Ruhrgebiet, hat die Wassertemperatur im Schwimmbad bereits reduziert. Je nach Becken um einen halben bis einen Grad, wie der Geschäftsführer der Herner Bädergesellschaft dem Magazin "HalloHerne" erklärte. Er legt jedoch Wert auf die Zusatzinformation, dass die Temperaturen zumindest am Babybecken nicht gesenkt wurden.  Ganz ähnlich die Situation in Oldenburg. Um einen Grad wurde die Temperatur hier abgesenkt, auch hier bleiben die Lern- und Therapiebecken außen vor. 

Einen etwas anderen Weg geht Bremen: die Bremer Bäder haben an der Temperaturschraube für die Duschen gedreht. Noch drastischer verlief es im Lahn-Dill Kreis. Dort hat der Landkreis in den Duschen das warme Wasser komplett abgedreht. Die Sportler sollen bitte zu Hause duschen, bittet der Landrat alle um Verständnis. Hier geht es immerhin um eine Summe von 100.000 Euro, die so eingespart werden soll. Und das in einem überschaubaren Zeitraum von 14 Wochen. Die Regelung gilt dort für alle Schulen und kreiseigenen Turnhallen. Umgesetzt hat der Landrat die Maßnahme sehr kurzfristig am 1. Juni, sie soll bis Mitte September gelten. Landrat Wolfgang Schuster wörtlich: "Es handelt sich um eine zeitlich befristete Maßnahme, die angesichts der aktuellen Situation verhältnismäßig und zumutbar ist". 

Handreichung: So spare ich in Schwimmbädern Energiekosten ein 

Eine durchaus umstrittene Handreichung hat nun die Deutsche Gesellschaft für das Badewesen herausgegeben. In einem Leitfaden unter der Überschrift "Schwimmbäder in der Energiekrise" schlagen die Autoren nicht nur das Absenken der Wassertemperatur vor. Sie sprechen auch davon, dass möglicherweise Rutschen, Saunen und Warmbecken komplett ausgeschaltet werden sollten. Selbst komplette Bäder sollen aus ihrer Sicht den Betrieb bis auf weiteres komplett einstellen. Das solle vor allem für Freizeitbäder gelten, sprich für alle Bereiche, die nicht zu den kommunalen Pflichtaufgaben gehören. Allerdings nimmt die Gesellschaft in ihrer Handreichung selbst therapeutische Einrichtungen wie etwa Kliniken aus ihren Sparvorschlägen nicht aus. Die Handreichung können Sie bei uns im Original als PDF herunterladen. Sie finden das Papier am Ende dieses Artikels zum Herunterladen. 

Energiesparen auch im Rathaus - mit dem Winterpulli in die Behörde?

Wegen der hohen Energiekosten fordert auch der Deutsche Städte- und Gemeindebund, in den Rathäusern den Energieverbrauch zu senken. Niedrigere Temperaturen seien zwar nicht immer angenehm, aber ein vergleichsweise kleines Opfer, so ihr Geschäftsführer Gerd Landsberg. Die Kommunen seien mit "die größten Immobilienbesitzer und betreiben sehr viele energieintensive Anlagen, wie zum Beispiel Schwimmbäder", so Landsberg gegenüber der Funke-Mediengruppe. Es werde daher kein Weg daran vorbeiführen, die Temperaturen auch in Verwaltungsgebäuden abzusenken. Das sei zwar im Herbst und Winter nicht immer angenehm, aber ein vergleichweise kleines Opfer. 

Energiekosten senken: Das sind die Vorschläge der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen - der Leitfaden HIER zum Herunterladen: