Das Schwimmbadsterben in Deutschland geht weiter
Ronald Ziepke
Das Schwimmbadsterben in Deutschland geht weiter

Schwimmbadsterben: Ein Land der Nichtschwimmer?

Do, 16.05.2019

In den vergangenen 18 Jahren ist in Deutschland jedes zehnte Schwimmbad geschlossen worden. Das sind im Durchschnitt rund 80 Bäder pro Jahr. Für 2019 prognostiziert die Deutsche Gesellschaft für Bäderwesen im gesamten Bundesgebiet 70 Schließungen. Hinzukommt, dass viele Hallen dringend saniert werden müssen.

Text: Ronald Ziepke, Freier Mitarbeiter KOMMUNAL

 

Ist das Schwimmbadsterben auch Ausdruck fehlender Diskussionen? Kritiker behaupten, in städtischen Schwimmhallen-Debatten werden wesentliche Aspekte bisher zu wenig bedacht. Dazu gehören neben der elementaren gesellschaftlichen und gesundheitlichen Bedeutung unter anderem diese: trotz vieler guter Möglichkeiten, fehlt es an wirklich nachhaltigen Bemühungen, Schwimmhallen rentabler zu machen. Außerdem hat das Wegfallen von immer mehr Schwimmhallen schwerwiegende Folgen, die jedoch nicht gleich auf der Hand liegen, künftig aber umso schwerer ins Gewicht fallen – innerhalb von Stadtentwicklungen, wirtschaftlich und finanziell. Um dem entgegen zu treten, startete die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft, DLRG, Ende 2018 die Online-Petition: „Rettet die Bäder! Schwimmbadschließungen stoppen!“ 50.000 Unterstützter wären nötig, um sich direkt an den Petitionsausschuss des Deutschen  Bundestages zu wenden, es kamen fast doppelt so viele zusammen. Die Aktion zeigt: Den Deutschen ist das große Schwimmbadsterben nicht egal! 

 

Um Deutschlands Bäder wieder flott zu machen, braucht es 4,5 Milliarden Euro plus 16 Milliarden für Pflege und Betrieb. Damit kann man Kommunen nicht alleine lassen.“

Achim Wiese, Sprecher der DLRG

 

Schwimmbadsterben  - das sind die nackten Zahlen 

 

„Die zu knappen Zeiteinheiten führen in vielen unserer Ortsgruppen zum Aufnahmestopp in der Seepferdchen-Ausbildung und zu langen Wartezeiten, um das Jugendschwimmabzeichen abzulegen,“ sagt Achim Wiese. Er ist Sprecher der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft DLRG.
Allein im vergangenen Jahr sind in der DLRG 4.500 Schwimmprüfungen weniger abgenommen worden als im Vorjahr. 

Die Folgen zeichnen sich bereits jetzt ab: Rund 60 Prozent der Zehnjährigen sind keine sicheren Schwimmer mehr, so eine Forsa-Umfrage. „In einem Satz formuliert, heißt das: Deutschland entwickelt sich zum Land der Nichtschwimmer“, warnt Achim Wiese. 

Dazu gehört auch dieses traurige Nachspiel: 504 Menschen sind 2018 ertrunken - 20 Prozent mehr als im Jahr davor. Vor allem an nicht von Rettungsschwimmern kontrollierten Stellen wie Seen, Flüssen und Kanälen.

„Um Deutschlands Bäder wieder flott zu machen, beziffern wir die Kosten auf 4,5 Milliarden Euro. Die Pflege und den Betrieb mit Energiekosten auf 16 Milliarden. Mit solch hohen Summen kann man Kommunen nicht allein lassen, darum sind hierbei auch Bund und Länder gefragt.“  Doch was tun gegen diesen Trend? In der aktuellen Printausgabe der KOMMUNAL gehen wir gemeinsam mit Achim Wiese und anderen Experten genau dieser Frage nach. HIER geht es zum kostenlosen Probeabo! Achim Wiese hält darin konkret Tipps für Kommunen bereit, etwa Zusammenschlüsse von Kommunen, Reduzierung der Folgekosten und vieles mehr. 

 

Was Kommunen konkret gegen das Schwimmbadsterben tun können 

„Städte und Gemeinden bieten zu wenig Anreize, bedarfsorientierter und kosteneffizienter zu wirtschaften“, sagt Robin Kähler, Vorsitzender der Internationalen Vereinigung Sport- und Freizeiteinrichtungen e.V. Der Experte für Sportstättenplanung empfiehlt, die Nachfrage für Schwimmflächen mit der tatsächlichen Nutzung verschiedener Gruppen über den Tagesverlauf hinweg zu analysieren. Der Hochschullehrer hat unter anderem in vielen Bäderentwicklungsplanungen die Erfahrung gemacht, dass Schulen oft mehr Stunden beantragen als sie benötigen, um flexibler planen zu können – das macht aber die tatsächliche Belegung der Halle intransparent. Die Wirtschaftlichkeit eines Bades lässt sich außerdem durch maßgeschneiderte Dienstleistungen verbessern. „Hallenbäder sollten für sich prüfen, ob ein ansprechender Gastronomiebereich, eine zusätzliche Erlebnissauna oder attraktive Außenbereiche sinnvoll sind. Wer sich wohl fühlt, kommt häufiger und ist bereit, mehr zu zahlen. “ 

 

 

Die Ansprüche der Badegäste steigen 

 

Sie wollen ein nettes Ambiente, attraktive Preis- und Schwimm-Angebote sowie service-orientiertes Personal. Darum investieren private Betreiber in Spaß- und Erlebnisbäder mit Zusatznutzen. Sie verbinden zum Beispiel Sport und Regeneration miteinander: zur einen Seite gehören Gymnastikkurse und das klassische Bahnen-Ziehen, zur anderen Saunalandschaften und Whirlpools. „Die gibt es bei uns in tropischer Umgebung mit 400 echten Palmen und 1000 Orchideen“, schwärmt Julia Uhland, Sprecherin der Thermen & Badewelt Sinsheim. Und das lässt sich noch steigern: „Durch unser auffahrbares Panoramaglasdach können im Sommer unsere Gäste sogar unter freiem Himmel schwimmen. Mit ihrem Konzept ist die Thermen & Badewelt zum wichtigen Wirtschaftsfaktor für die Stadt geworden. Auch über dieses Beispiel berichten wir in unserer aktuellen Printausgabe ausführlich. Verpassen Sie keine Ausgabe mehr, bestellen Sie 3 Ausgaben kostenfrei. Wenn wir Sie dann überzeugen, erhalten Sie das Magazin zum Vorzugspreis von nur 49,-Euro im Jahr. HIER GEHTS ZUM PROBEABO! 

 

 

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