gedruckte Wohnhaus Beckum 3D-Drucker
Schicht für Schicht trägt der Roboter, der sich auf Achsen durch den Raum bewegt, den Beton auf.
© Stadt Beckum

3D-Betondruck

Das erste gedruckte Wohnhaus Deutschlands

Ein Einfamilienhaus aus dem 3D-Drucker – kein Problem! In der nordrhein-westfälischen Stadt Beckum entsteht Deutschlands erstes gedrucktes Wohnhaus. Das Genehmigungsverfahren verlief problemlos. Das Land fördert das Vorhaben sogar. - Wird die neue Technik die Bauwirtschaft in Deutschland nachhaltig verändern? KOMMUNAL hat in Beckum nachgefragt.

Dem 3D-Druck scheinen keine Grenzen gesetzt. Schicht für Schicht lagert die Technik mittlerweile alle möglichen Materialien – wie Kunststoffe, Metalle und Lebensmittel - aufeinander. Computergesteuert hat sie so schon Autokarossen, ganze Boote und sogar Flugzeuge geschaffen. In der Stadt Beckum in Nordrhein-Westfalen arbeiten jetzt Unternehmen an Deutschlands erstem Wohnhaus aus dem 3D-Drucker. Diesmal verarbeitet die Technik Beton. Entstehen soll ein zweistöckiges Einfamilienhaus.

Die Kommune begrüßt das neue Bauvorhaben

Direkt involviert ist die Stadt nicht in das Vorhaben. „Aber wir haben das Projekt positiv begleitet. Es ist innovativ für den Standort Beckum – sowohl aus Sicht der Wirtschaftsförderung als auch der Bauwirtschaft“, erklärt Uwe Denkert, Leiter des Fachbereichs Stadtentwicklung gegenüber KOMMUNAL.

„Beckum ist seit Ende des 19. Jahrhunderts einer der bedeutendsten Zementreviere der Welt. Da macht es Sinn, sich mit den modernen Möglichkeiten des Baustoffs Beton auseinanderzusetzen“, führt Denkert aus. Für die Herstellung von Beton ist Zement ein wichtiges Bindemittel.

Bei der Baugenehmigung gab es keine Schwierigkeiten

Direkt beteiligt ist die Stadt am Bauvorhaben vor allem als Baugenehmigungsbehörde.  „Die einzelnen Schritte zur Fertigstellung dieses Hauses mussten genehmigt werden – in enger Abstimmung mit dem Landesministerium“, erläutert Denkert, dessen Fachbereich Stadtentwicklung auch für die Bauordnung zuständig ist.

Schwierigkeiten beim Genehmigungsverfahren habe es keine gegeben. „Natürlich ist es immer so, dass wenn sie neue Werkstoffe und ein neues Verfahren einsetzen, dass das vom Land geprüft wird“, sagt Denkert. „Erst dann kann hier vor Ort der jeweilige Stempel auf die Baugenehmigung erfolgen.“ Das Genehmigungsverfahren für die gedruckten Häuser verlief problemlos.

Das Stadt Beckum wächst

„Wir haben rege Bautätigkeit in Beckum“, sagt Denkert in Bezug auf den allgemeinen Wohnungsbau in der Stadt. Erst 2017 hatte Beckum den Wohnbedarf analysiert. Seit 2014 wächst die Bevölkerungszahl der inzwischen 37.000-Einwohner Stadt. Die Kommune plant 70 neue Wohnungen pro Jahr.

Nachholbedarf gebe es auch im Bereich Einfamilienhäuser. Ob die neuen gedruckten Wohnhäuser die Lösung sind? Zuerst sei von den Projektbeteiligten nur eine Mustersiedlung geplant. „Ziel ist aber, dass diese später auch bewohnt wird“, erklärt Denkert. „Die neue Technik ist revolutionär und wird das Bauen generell verändern“, zeigt er sich überzeugt.

So verändert die Technik die Arbeitswelt

Das Unternehmen hinter dem Haus aus dem 3D-Drucker, möchte mit seiner neuen Technik Probleme wie Arbeitskräfte- und Wohnungsmangel angehen. Außerdem soll die Technik die Produktivität in der Baubranche steigern.

Im Video schichtet die Maschine den Spezialbeton übereinander. Nach und nach bilden sich dabei Strukturen wie Wände heraus. Schon während des Druckvorgangs kann der Drucker die später zu verlegenden Leitungen und Anschlüsse – zum Beispiel für Wasser und Strom - berücksichtigen.

Trotzdem es für die Bedienung des 3D-Betondruckers nur zwei Personen braucht, soll ein Großteil der für den Hausbau relevanten Berufe erhalten bleiben.

„Alle Fachgewerke, die wir kennen, gibt es weiterhin auf dieser Baustelle. Den Putzer, den Elektriker, den Sanitärinstallateur – alle diese Berufe werden nicht durch eine Maschine oder einen Roboter ersetzt“, sagte Architekt Waldemar Korte dazu gegenüber dem WDR.

NRW fördert die gedruckten Wohnhäuser mit 200.000 Euro

Rückendeckung bekommt das Bauvorhaben in Beckum vom Land Nordrhein-Westfahlen. „Das 3D-Haus wird mit 200.000 Euro gefördert. Weitere Projekte sind in der Druckerschleife“, sagte Ministerin Ina Scharrenbach.

gedruckte Wohnhaus Scharrenbach
Großes Medieninteresse: Gruppenbild mit Ministerin Ina Scharrenbach im 3D-Haus für viele Kameras. (Foto: Stadt Beckum)

In NRW gibt es seit 2020 das Förderprogramm „Digitalisierung der Bauwirtschaft und innovatives Bauen“. Ziel des Programms ist es, im Bereich des Bauwesens Grundsteine für innovative Zukunftstechnologien zu legen und die technologischen und wirtschaftlichen Chancen weiterzuentwickeln, heißt es dazu auf Ministeriumswebseite. Das Programm wird 2021 und 2022 fortgesetzt.

Fotocredits: Stadt Beckum