Engagement
Erfolgsmodell Genossenschaften: Wie Bürger in ihre Stadt investieren
Eine Genossenschaft für die Heimat
„Es ist etwas sehr Schönes, wenn man das Ergebnis sieht und weiß, dass man hier etwas bewegt hat“, sagt Peter Sammer. Der Vorstandsvorsitzende der SAUNAOASE FreYung eG hat maßgeblich dazu beigetragen, dass im März dieses Jahres eine neue Sauna-Landschaft in Freyung eröffnet werden konnte. Zweieinhalb Jahre lang hat er um Genossenschafts-Mitglieder geworben und das Bauprojekt mitbetreut, nun ist der erste große Schritt geschafft und die Sauna rege in Betrieb, wie Sammer sagt.
Kulturgut Brauerei
Dass ein genossenschaftliches Modell funktionieren kann, hat man in Freyung bereits vor einigen Jahren bei der örtlichen Brauerei erlebt. Damals ging es um den Erhalt des traditionellen Lang Bräus, der weder von der Kommune selbst noch von einem einzelnen Unternehmer zu stemmen war. Um das Kulturgut vor Ort nicht zu verlieren, initiierte Bürgermeister Olaf Heinrich damals die Gründung einer Genossenschaft, führte Gespräche mit Mitarbeitern, dem Genossenschaftsverband Bayern und örtlichen Banken, zudem wurde ein Expertenrat einberufen. Das Wichtigste aber war die Gewinnung von ausreichend Genossen, um die Finanzierung der Brauerei zu sichern. Die Mühen hatten schließlich Erfolg: so wurde 2014 die Lang Bräu Freyung eG gegründet, welche die Brauerei bis heute erfolgreich weiterführt.
Sauna zur Bereicherung der Infrastruktur
Auch bei der Sauna war es der Bürgermeister, der die Idee zu einer Genossenschaft hatte und sich damit an Peter Sammer wandte. Als Betriebswirt, ehemaliger Teamleiter der Sparkasse und langjähriger Freyunger Bürger hat dieser viele Eigenschaften mitgebracht, die es zum Aufbau einer Genossenschaft braucht – wirtschaftliche Kenntnis ebenso wie Kommunikationstalent und Heimatverbundenheit. Von der Idee einer Sauna war Sammer sofort begeistert. „Es gab vorher in Freyung keine richtige Sauna, deshalb war der Bedarf definitiv da“, sagt Sammer. Dass es etliche Interessenten für eine solche Einrichtung gäbe, hätte auch ein externes Gutachten samt Machbarkeitsstudie gezeigt, das in Auftrag gegeben wurde, um schon im Vorfeld abzusichern, dass das Geld nicht verloren ist. Klar war gleichzeitig aber auch: „Die Kommune selbst kann ein solches Projekt nicht umsetzen.

Gewinnung von Genossenschafts-Mitgliedern
Um den Traum von einer Sauna vor Ort Wirklichkeit werden zu lassen, hat Sammer zusammen mit seinen Mitstreitern zweieinhalb Jahre lang um Genossenschaftsmitglieder geworben. Ein langwieriges und anstrengendes Geschäft, wie der Vorsitzende erzählt. „Es war durchaus herausfordernd, genügend Leute zu finden. Dazu muss man Beziehungen haben und braucht gute Nerven.“ Der Aufwand aber hat sich gelohnt. Aktuell hat die Genossenschaft 127 Mitglieder mit 336 Anteilen à 1.000 Euro. Ergänzt wurde das derart gewonnene Kapital durch ein Bankdarlehen und Fördermittel.
Erster Bauabschnitt ist abgeschlossen
Seit 2021 wurde der Plan von einer Sauna in Freyung als Genossenschafts-Projekt Schritt für Schritt in die Tat umgesetzt, im vergangenen Jahr fand schließlich der Bau statt, vor wenigen Monaten konnte die Sauna offiziell eröffnet werden. Dort, wo einst das Umkleidehaus vom alten Freibad war, gibt es mitten im Ort gelegen nun eine Sauna-Oase mit drei Saunen, einem Dampfbad und einem Ruhebereich.

Unterstützung durch Kommune
Die Organisation des Sauna-Betriebs sowie die Anstellung des Personals laufen komplett über die Genossenschaft. Damit einher geht eine große Verantwortung des Vorstands. Einmal im Monat berichtet dieser bei einer Sitzung des Aufsichtsrats über den aktuellen Stand, einmal im Jahr findet die Generalversammlung der Genossenschaft statt. Mit der Kommune steht die Genossenschaft laut Sammer in engem Austausch, zudem wird sie auch finanziell unterstützt, schließlich ist die Stadt Freyung mit 70 Anteilen an der Genossenschaft beteiligt. Ab Sommer soll die Sauna dann auch an ein aktuelles kommunales Projekt angedockt werden: direkt neben der Sauna wird gerade ein Naturbad gebaut.
Engagement lohnt sich
Wie viele Stunden ehrenamtliche Arbeit Peter Sammer gemeinsam mit seinen Vorstandskollegen bislang in das Sauna-Projekt gesteckt hat, kann er nicht mehr zählen. „Der Aufbau und die Leitung einer solchen Genossenschaft brauchen sehr viel Zeit und Mühe“, sagt Sammer. Möglich sei ihm das nur, weil er bereits in Ruhestand ist. Der Lohn für sein Engagement aber steht für Sammer fraglos dafür. „Es fühlt sich sehr gut an, etwas für die eigene Heimat zu tun“, sagt Sammer und die Genossen könnten direkt vor Ort sehen und genießen, wozu sie mit ihrem Geld beigetragen haben. Ein Ende des Projekts ist derweil noch nicht in Sicht. „Wir suchen nach wie vor nach weiteren Genossen, um den zweiten Bauabschnitt angehen zu können“, sagt Sammer. Die Vision: Ein Sole-Außenpool mit Terrasse und eine Panorama-Sauna.

