Der Flüchtlingszustrom ist für die Kommunen schwer zu bewältigen. © UNHCR

Große Nachfrage nach Bildungskoordinatoren

Fast jede zweite antragsberechtigte Kommune hat sich um die Finanzierung eines kommunalen Bildungskoordinators beworben. Die Linke kritisiert eine falsche Prioritätensetzung.

Die finanzielle Unterstützung des Bundes für kommunale Bildungskoordinatoren stößt auf eine große Nachfrage. Bis zur zweiten Bewerbungsfrist am 1. Juni haben sich bereits 240 Kommunen um eine finanzielle Förderung eines Koordinators beworben, wie KOMMUNAL vom Bundesbildungsministerium erfahren hat. Dies entspricht rund 60 Prozent der 402 antragsberechtigten Kreise und kreisfreien Städte. Die Hauptaufgabe der Koordinatoren soll es sein, die vielen Bildungsakteure, Bildungsangebote und Bildungsbedarfe für die Neuzuwandernden vor Ort zusammenzubringen. Eine bessere, eine bedarfsorientiertere Abstimmung soll die Integration der Flüchtlinge erleichtern. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) unterstützt Kommunen dabei, den nach Deutschland geflüchteten Menschen Zugänge zu Bildungs- und Weiterbildungsangeboten zu ermöglichen. Bundesweit können alle 402 Kreise und kreisfreien Städte die Finanzierung von kommunalen Koordinatoren beantragen. Je nach Größe können sich die Kreise und Städte um das Geld für ein bis drei Koordinatoren bewerben. Kommunen ab 200.000 Einwohnern können bis zu zwei Koordinatoren beantragen, ab 500.000 Einwohnern bis zu drei. Insgesamt wurde bisher Geld für 327 Koordinatoren beantragt. Doch Kreise und Städte können sich weiterhin um einen Koordinator bewerben. Die letzte Antragsfrist endet am 1. September. Ein Sprecher des Bundesbildungsministeriums sagte, die ersten neun Förderprojekte mit 13 Koordinatoren seien zum 1. Juni gestartet. Doch wie viele Kommunen können überhaupt maximal gefördert werden? „Das Ziel ist, alle Kommunen zu unterstützen, die die Fördervoraussetzungen erfüllen“, sagte ein Sprecher des Bundesbildungsministeriums im Gespräch mit KOMMUNAL. Dafür stünden im Haushalt ausreichend Mittel zur Verfügung. Die Bundestagsfraktion Die Linke kritisiert eine falsche Prioritätensetzung. „Solange viele Kommunen in Sachen Bildung für Geflüchtete immer noch finanziell überfordert sind und alleingelassen werden, koordinieren die vom Bund bezahlten Bildungskoordinatoren in erster Linie einen Bildungsmangel und wälzen einen Teil der Verantwortung weiterhin auf ehrenamtliche Willkommensinitiativen ab“, sagte Kerstin Kassner, Sprecherin für Kommunalpolitik der Bundestagsfraktion Die Linke im Gespräch mit KOMMUNAL. „Viel wirkungsvoller wäre es gewesen, ein Sofortprogramm zur Aus- und Weiterbildung von zusätzlichen Lehrkräften, die Deutsch als Zweitsprache unterrichten, und eine bedarfsgerechte Erstausstattung an Schulbedarf für alle Kinder zu finanzieren“, erklärte Kassner. Vor Ort hätte nämlich viel besser entschieden werden können, wo tatsächlich Bedarf entsteht - etwa bei Lehrern, Unterrichtsmaterialien und Räumen.Wenn es daran fehle, müsse man auch nicht anfangen, den Mangel zu koordinieren, sagte Kassner. Zugleich sei es verständlich, dass die Kommunen einen Antrag zur Finanzierung von Bildungskoordinatoren stellen anstatt vom Bund gar keine Unterstützung zu erhalten. Kassners Partei fordert, dass auch Geflüchtete, die nicht mehr der allgemeinen Schulpflicht unterliegen, Angebote zum Nachholen des Schulabschlusses an berufsbildendenden Schulen bekommen. Außerdem sollten die Sprachkurse des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (Bamf) für alle Asylbewerber und Geduldete geöffnet werden.

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