Susanna Tausendfreund setzt sich in Pullach unablässig für grüne Themen ein.
Susanna Tausendfreund setzt sich in Pullach unablässig für grüne Themen ein.

Nachhaltig im Isartal: Die grüne Bürgermeisterin von Pullach

In Pullach ist längst Realität, was sich auch in der letzten Bayern-Wahl abzuzeichnen begann: Die Grünen verdrängen die CSU vom Chefsessel. In der wohlhabenden Gemeinde südlich von München ist die erfahrene Grünen-Politikerin Susanna Tausendfreund Bürgermeisterin und sorgt für eine nachhaltige Politik.

„Damals sind wir gegen das Waldsterben auf die Straße gegangen, und gegen die Atomwaffen“, erinnert sich Susanna Tausendfreund an die Zeit, in der sie den Ortsverband der Grünen mit gegründet hat. Sie war Anfang 20, vorher Schülersprecherin am Gymnasium, studierte Jura. „Ich bin zu Friedensdemonstrationen gefahren, habe meine politische Heimat bei den Grünen gefunden.“ Und schon 1984, nur ein Jahr nach der Gründung der Grünen in Pullach, saß sie im Gemeinderat. Als einzige Grüne in Pullach, in einem zwanzigköpfigen Gremium, das vorwiegend aus älteren Herren bestand.

Pullach war schon vor der Bayern-Wahl grün

Zwischenzeitlich wurde Tausendfreund Rechtsanwältin und zog für zwei Legislaturperioden in den bayerischen Landtag ein. Doch der Kommunalpolitik ist sie immer treu geblieben. „Das Schöne in der Kommunalpolitik ist, dass man wirklich sehr vieles von heute auf morgen umsetzen kann“, sagt Tausendfreund. 2014, nach dreißig Jahren Engagement in der Kommunalpolitik, wurde sie in Pullach dann zur Bürgermeisterin gewählt: Die CSU hatte sich zerstritten, eine Wählergruppe hatte sich abgespalten. Da war die Kandidatin der Grünen dann die erfahrene Politikerin, die das Vertrauen der Bevölkerung erhielt: 70 Prozent der Stimmen in der Stichwahl waren ein deutliches Signal, „für Pullach eine Sensation“, sagt Tausendfreund. „Aber die Menschen haben im Lauf der Jahre eben auch gemerkt, dass sie sich auf die Grünen im Gemeinderat verlassen können.“

Susanna Tausendfreund ist Rechtsanwältin und Bürgermeisterin von Pullach

Als Bürgermeisterin ist es Tausendfreund wichtig, nahe bei den Menschen in ihrer Kommune zu sein. „Ein guter Bürgermeister muss Spaß am Umgang mit Menschen haben“, sagt Tausendfreund. Es brauche Organisationstalent, und den Willen, sich für den Ort und die Menschen einsetzen zu wollen. „Die Tätigkeit muss einem Freude bereiten, dann kann man vor Ort auch sehr viel bewegen“, sagt die Bürgermeisterin. Und wenn sie davon spricht, wie sie beim traditionellen Entenrennen an der Isar oder bei den örtlichen Vereinen zu Gast ist, spürt man auch: Susanna Tausendfreund macht ihre Arbeit Spaß. Vor allem natürlich, wenn es um klassische Themen der Grünen geht, etwa die Energiepolitik.

„Wir haben hier in Pullach ein erfolgreiches Geothermieprojekt“, berichtet Tausendfreund. Die Erdwärme, die in Fernwärme umgewandelt wird, versorge mittlerweile fast die Hälfte aller Haushalte in der Gemeinde. Entsprechend gering sind die CO2-Emissionen im Ort. „Es muss nur sehr wenig zugeheizt werden, in Spitzenzeiten sechs Prozent.“ Und in der Grundschule gibt es eine Aktion mit dem Titel „Autofrei – ich bin dabei“. Denn die Gemeinde will erreichen, dass die Kinder nicht an jedem Morgen mit dem Auto der Helikopter-Eltern bis vor das Schulgebäude gefahren werden. So führen die Lehrer in einem bestimmten Zeitraum Buch darüber, wie viele Kilometer die Schüler statt mit dem Auto zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurücklegen. Damit kein Kind allein unterwegs ist, gibt es im Ort Treffpunkte, von denen aus Eltern auch die Klassenkameraden ihrer Kinder als „lebender Schulbus“ zur Schule begleiten. Und die Klasse, die am Ende die meisten autofreien Kilometer zurückgelegt hat, erhält einen Preis.

Bezahlbarer Wohnraum ist auch in Pullach Thema

Doch auch der preiswerte Wohnraum und der Verkehr sind wichtige Themen in der wohlhabenden Gemeinde am Rand von München. „Wir haben das große Glück einer Kommunalen Wohnungsbaugesellschaft, an der die Gemeinde noch zu 78 Prozent beteiligt ist“, sagt Tausendfreund. Dadurch habe die Kommune Belegungsrechte für 600 Wohnungen. „Das ist ein Riesen-Pfund für uns.“ Denn auch die Mitarbeiter in den Kindertagestätten, die Kranken- und Altenpfleger oder die Menschen, die in Dienstleistungsberufen arbeiten, möchten gern in Pullach wohnen. Ohne die Wohnungen der Kommune wäre das schon lange nicht mehr möglich.

Ein Dauerthema in Pullach ist auch der Isarradweg. „Mit dem Radl brauche ich 30 Minuten in die Münchner Innenstadt“, sagt Tausendfreund. Doch der Fahrradschnellweg auf der Trasse der alten Isartalbahn kommt nicht voran: Bis zur Münchner Stadtgrenze ist er vorbildlich ausgebaut, doch in Pullach stellt sich ein Grundbesitzer quer. „Dort läuft jetzt ein Enteignungsverfahren“, sagt Tausendfreund. „Denn für den Großraum München ist der Radverkehr eine wichtige Facette im Berufsverkehr.“ Schließlich seien die Straßen, die von Süden in die Landeshauptstadt hineinführten, schon heute im Berufsverkehr verstopft. Wieso die Grünen neuerdings politisch so erfolgreich sind? „Unsere alten Themen sind in der Mitte der Gesellschaft angekommen“, sagt Susanna Tausendfreund. „Der Klimaschutz, die soziale Gerechtigkeit – das sind keine Randthemen mehr.“ Auch im bürgerlichen Lager werde zunehmend klar, dass man ein Fortschreiten der Erderwärmung verhindern müsse. Was Susanna Tausendfreund aber am Ende nur noch mehr motiviert, in Pullach nachhaltige Kommunalpolitik zu betreiben.

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