Peter Hinze, Bürgermeister von Emmerich am Rhein.
Peter Hinze, Bürgermeister von Emmerich am Rhein, sorgt sich um die ärztliche Versorgung.
© Stadt Emmerich am Rhein

Arbeitsgemeinschaft

Bürgermeister kämpft gegen Ärztemangel

Der Bürgermeister von Emmerich am Rhein holt Ärzte und andere Akteure an einen Tisch. Die Aufgaben dieser Arbeitsgemeinschaft zur ärztlichen Versorgung? Es geht darum, die hausärztliche Versorgung sicherzustellen. "Wir Kommunen können es uns nicht leisten, immer mehr Hausärzte zu verlieren, ohne dass es Nachfolger gibt", sagt Peter Hinze.

KOMMUNAL: Herr Hinze, warum haben Sie eine Arbeitsgemeinschaft zur ärztlichen Versorgung gegründet?

Peter Hinze: Emmerich am Rhein ist eine Kleinstadt mit 32.000 Einwohnern und uns fehlen Ärzte in der hausärztlichen Versorgung.

Wie läuft das ab mit der Arbeitsgemeinschaft?

Ich habe alle Akteure an einen Tisch geholt, wegen der Corona-Pandemie leider erst einmal nur per Video. Dabei waren Hausärzte und Ärzte vom kommunalen Krankenhaus.  Wir haben über die hausärztliche Situation gesprochen. So konnte ich mir ein Bild über die Situation machen.

Wie ist die Situation konkret?

Einige unsere Ärzte wollen bald in Ruhestand gehen, es ist aber schwer, Nachfolger zu finden. Gerade im ländlichen Bereich. Auch das Berufsbild hat sich verändert: Gerade junge Ärztinnen und Ärzte ist die sogenannte Work-Live Balance wichtig, sie wollen nicht 70 bis 80 Stunden arbeiten.

Was kann da die Arbeitsgemeinschaft leisten?

Zuerst einmal ist es wichtig, dass die Kommunikation zwischen Haus- und Klinikärzten wieder aufgenommen wird. Da gab es früher mehr Austausch, auch über Fachthemen. Immerhin weisen die Hausärzte die Patienten ins Krankenhaus ein. Oft führt ein Praktikum im Krankenhaus oder in der Hausarztpraxis dazu, dass Ärzte sich anstellen lassen oder den Wunsch bekommen, eine eigene Praxis zu übernehmen. Hier brauchen wir einen intensiveren Ausstausch.

Welche Vorteile hat es noch, sich zu vernetzen?

Wir können uns gemeinsam Gedanken machen: Wie kriegen wir in unserer kleinen Stadt die hausärztliche Versorgung sichergestellt. Gerade bei unserem ersten Treffen haben wir von einer jungen Ärztin erfahren, die eine Praxis im Ort übernehmen möchte. Hier konnten wir direkt als Kommune helfen. Ohne unsere Arbeitsgemeinschaft hätten wir das nicht erfahren und wer weiß, ob die Praxisübernahme dann überhaupt zustande gekommen wäre. Wir stellen fest, dass die Bemühungen der Kassenärztlichen Vereinigung und des Kreises Kleve alleine nicht ausreichen. Die Kommunen müssen sich stärker einbringen.

Was bietet Emmerich denn Ärzten, damit sie in die Stadt kommen?

Wir bieten kein festes Paket an. Es bringt doch nichts, in einen Überbietungswettbewerb einzutreten. Die einen Kommunen können es sich leisten, 80.000 Euro als Zuschuss zu geben, andere haben kein Geld dafür. Wir wollen zusammen mit interessierten Ärzten besprechen, womit wir im Einzelfall helfen können. Das kann ein finanzieller Zuschuss sein, es kann aber auch die Unterstützung sein, einen Arbeitsplatz für den Lebenspartner zu finden, ein Baugrundstück zur Verfügung zu stellen – und Kindergartenplätze bereit zu stellen.

Wie oft wird sich die Arbeitsgemeinschaft treffen?

Wir wollen uns zweimal im Jahr austauschen. Die Ärzte sollen uns dabei sagen, was wir als Kommune tun sollen, damit auf dem Netzwerk auch der nötige „Strom“ bleibt.  Verabredet ist mit der Arbeitsgemeinschaft sich nicht öffentlich zu treffen. Der vertrauliche Austausch steht dabei im Vordergrund. Im Moment zeichnet sich etwas Entspannung ab: Denn Mitte des Jahres wird in der ehemaligen Kaserne der Stadt ein medizinisches Zentrum eröffnen. Dort lässt sich zusätzlich ein weiterer Hausarzt nieder.

Was erwarten Sie von der Politik?

Wir Kommunen können es uns nicht leisten, immer mehr Hausärzte zu verlieren, ohne dass es Nachfolger gibt. Die Politik sollte mehr Anreize schaffen, damit Hausärzte sich niederlassen. Indem die Bürokratie abgebaut wird und sie so wieder mehr Zeit für ihre Patienten haben. Die Ärzte haben oft viel mehr Patienten zu versorgen als der zugrundeliegende Einwohner-Schlüssel besagt. Viele kommen aus dem ländlichen Umland, um sich in der Stadt behandeln zu lassen.

In der Stadt Emmerich in Nordrhein-Westfalen gibt es ein Krankenhaus mit 271 Betten, derzeit 16 Fachärzte und 12 Hausärzte.