Impfzentrum
In Deutschland gibt es mehr als 430 Impfzentren. Sie sollen bis 30. September zumachen.
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Corona-Pandemie

Impfzentren - wo sie noch länger erhalten bleiben

Die Kommunen wollen, dass die Impfzentren geöffnet bleiben. Doch die Finanzierung des Bundes der über 430 Zentren in Deutschland ist nur bis 30. September gesichert. KOMMUNAL fragte bei den zuständigen Ländern nach, wie lange die Impfzentren dort geöffnet bleiben und wo sie wann geschlossen werden sollen. Ein Überblick.
Aktualisiert am 14. Juli 2021

Je mehr Bürgerinnen und Bürger geimpft sind, desto drängender stellt sich die Frage nach der Zukunft der über 430 Impfzentren in Deutschland. Bei der digitalen Gesundheitsministerkonferenz (GMK) haben sich Bund und Länder darauf verständigt,  Impfzentren in den nächsten Monaten zumindest in Bereitschaft halten zu wollen. Doch bis spätestens 30. September sollen die Länder die bisherigen staatlichen oder kommunalen Impfangebote reduzieren und Impfzentren schließen. Stillgelegte Impfzentren sollen aber im Stand-by-Modus erhalten bleiben, damit sie im Bedarfsfall schnell wieder in Betrieb gehen können. Die Länder wollen nun verstärkt auf die Impfungen beim Arzt und durch mobile Impfteams je nach regionalem Bedarf setzen.

Impfzentren sollen möglichst erhalten bleiben

Nicht nur die kommunalen Spitzenverbände warnen davor, die Impfzentren voreilig zu schließen. "Es würde Wochen, wenn nicht Monate dauern, sie bei Bedarf wieder zu öffnen, denn das Personal müsste erneut gewonnen werden", sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, Gerd Landsberg auf Anfrage KOMMUNAL. "Die Impfzentren sind ein wichtiger Baustein in der Pandemiebekämpfung." Landsberg verwies auf Ungewissheiten durch die sogenannte Delta-Virus-Variante und darauf, dass voraussichtlich ab Herbst Millionen von Menschen eine Auffrischimpfung brauchen. "Dazu brauchen wir dann wieder voll leistungsfähige Impfzentren", betonte er. "Natürlich kosten die Impfzentren Geld, aber das ist gut angelegt", so Landsberg. Auch der Deutsche Städtetag fordert, dass die Corona-Impfzentren längerfristig in Betrieb bleiben.

Das planen die Bundesländer zu den Impfzentren

KOMMUNAL hat bei den Bundesländern nachgefragt, ob sie die Impfzentren erhalten wollen  - oder ob und wo Schließungen bereits geplant sind. Ein Update!

Brandenburg: Zwei Impfzentren schließen

In Brandenburg werden fast alle Impfzentren in kommunale Verantwortung übergehen. Von den bislang 13 Impfzentren betrifft das elf. Nur die Impfzentren Oranienburg und Elsterwerda werden nicht übernommen und schließen, sagte ein Ministeriums-Sprecher auf Anfrage. 

Hamburg schließt Impfzentrum

In Hamburg gibt es ein großes zentrales Impfzentrum – dieses wird in den Messehallen nach der gegenwärtigen Planung bis Ende August in Betrieb sein, teilte eine Sprecherin der zuständigen Sozialsenatsverwaltung mit.  In der Phase II der Impfkampagne gelte, dass Termine für Schutzimpfungen in den Arztpraxen vereinbart werden sollten. Dorthin werde auch der überwiegende Teil des Impfstoffes geliefert. Hinzu kämen Schutzimpfungen in Krankenhäusern, durch mobile Teams sowie durch betriebsärztliche Angebote. "Das zentrale Impfangebot des Staates in Form von Impfzentren war und bleibt eine Übergangslösung", so die Sprecherin. Weitere Infos.

Hessen: Impfzentrum maximal bis 30. September offen

Die 28 hessischen Impfzentren sollen maximal bis zum 30. September 2021 betrieben werden. Das hat das Corona-Kabinett der Hessischen Landesregierung beschlossen. "Die Landkreise und kreisfreien Städte als Betreiber der Impfzentren wurden über den Beschluss von der Taskforce Impfkoordination des Landes informiert", so ein Sprecher des hessischen Innenministeriums.  Bis Ende des dritten Quartals sei eine Finanzierung durch den Bund und die Länder – jeweils zur Hälfte – sichergestellt. "Impfungen werden dann weiterhin in der ärztlichen Regelversorgung in Arztpraxen und durch Betriebsärzte erfolgen." Versprochen wird: "Jeder, der seine Erstimpfung in einem Impfzentrum bekommen hat, wird auch noch die Möglichkeit bekommen, seine Zweitimpfung in einem Impfzentrum zu erhalten."  Mehr Informationen dazu.

Bayern will stärker auf Impfteams setzen

Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek hatte deutlich gemacht, dass er die Impfzentren gerne fortführen möchte.  "Wir führen gerade Gespräche mit den Bund und den anderen Ländern über die Zukunft der Impfzentren über den 30. September hinaus", sagte Holetschek auf Anfrage von KOMMUNAL.Er gibt zu bedenken: "Gerade in Regionen, in denen die Arztdichte nicht dem bayerischen Durchschnitt entspricht, leisten die Impfzentren weiterhin einen wichtigen Beitrag." Daher werde überlegt, ob "wir sie nicht flexibler gestalten können, also mehr auf mobile Impfteams setzen, die zu den Menschen kommen", so der Minister. "Ich denke hier an Impfungen in sozialen Brennpunkten oder an Auffrischungsimpfungen in Pflegeeinrichtungen." Eine Ministeriumssprecherin teilte auf Anfrage jetzt mit, dass derzeit noch geprüft werde, welche und wie viele Impfzentren in Bayern geschlossen werden. Zwei der 100 bayerischen Impfzentren sind schon seit längerer Zeit nicht mehr in Betrieb. Jeweils eines von zwei Impfzentren im Landkreis Kitzingen und im Landkreis Aichach-Friedberg sei mit einem anderen Impfzentrum zusammengelegt worden. Auch in einigen Außenstellen wird nicht mehr geimpft.

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Berlin: Vier Impfzentren werden sicher schließen

In der Hauptstadt geht Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller davon aus, dass mehrere Impfzentren auch über den Herbst hinaus weiterbetrieben werden. Müller, derzeit Vorsitzender der Ministerpräsidentenkonferenz, sagte laut rbb, die Regierungen merkten "in allen Ländern, dass wir die Impfzentren noch brauchen". Es gebe größere Gruppen, die noch geimpft werden müssten, sagte Müller. Hinzu kämen ausstehende Zweitimpfungen und ab September möglicherweise bereits Auffrischungsimpfungen. Da nicht klar sei, ob die Hausarztpraxen das alles bewältigen könnten, sollten die Impfzentren bundesweit auch nach September am Netz bleiben, so sein Appell.  Wie eine Sprecherin der Gesundheitssenatsverwaltung jetzt auf Anfrage von KOMMUNAL sagte,  werden vier Impfzentren zumachen.

  • CIZ Flughafen Tempelhof am 20. Juli
  • CIZ Velodrom 19. August
  • CIZ Erika-Heß-Eisstadion am 31. August
  • CIZ Berlin Arena 31. August

Wie die Impfzentren Messe und Tegel über den 30. September hinaus betrieben werden, darüber liefen derzeit noch intern die Abstimmungen.

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Baden-Württemberg: Impfzentren vorerst bis 15. August gesichert

In Baden-Württemberg gibt es zehn Zentrale Impfzentren und 49 Kreisimpfzentren. Nach derzeitigem Stand laufen die Impfzentren noch mindestens bis zum 15. August weiter. "Die weitere Perspektive hängt unter anderem davon ab, wie viele Menschen Mitte August schon ihre Zweitimpfung – und damit einen vollständigen Impfschutz – erhalten haben", sagte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums. Dies wiederum hänge von den Liefermengen ab, die  der Bund zur Verfügung stelle. "Ob die Laufzeit der Impfzentren vor diesem Hintergrund verlängert wird, ist derzeit Gegenstand von Beratungen innerhalb der Landesregierung", so der Sprecher. Weitere Informationen und die Standorte der Impfzentren. Eine aktuelle Stellungnahme steht noch aus.

Sachsen: Impfzentren bleiben bis Ende September

Die 13  Impfzentren in Sachsen einschließlich der dazugehörigen 30 mobilen Teams werden bis Ende September 2021 weiter in Betrieb bleiben. Erstimpfungen werden in allen Impfzentren bis Ende August im bisherigen Umfang angeboten, so die Auskunft des Sozialministeriums auf KOMMUNAL-Anfrage. Im September soll dann ein eingeschränkter Betrieb stattfinden, der die offenen Zweitimpfungen absichere. "Die zusätzlichen Kosten werden auf rund 52 Millionen Euro veranschlagt, von denen der Bund die notwendigen und erstattungsfähigen Kosten – annähernd die Hälfte – trägt", heißt es in einer Erklärung. Hintergrund der Entscheidung des Kabinetts sind auch veränderte Grundannahmen und Erkenntnisse: Mit dem Weiterbetrieb können die nach wie vor bestehenden Unwägbarkeiten bei der Impfstoffbereitstellung durch den Bund für den Freistaat Sachsen abgesichert werden.

Sachsen-Anhalt: Alle Impfzentren sollen schließen

In Sachsen-Anhalt gibt es 15 Impfzentren - ein Impfzentrum pro Landkreis/kreisfreier Stadt, sowie ein zentrales Impfzentrum der Polizei. Zudem haben die Landkreise zum Teil Impfstellen eingerichtet oder bieten ergänzend zentrale Impf-Tage in einzelnen Orten ein. Wie ein Sprecher des zuständigen Sozialministeriums auf Anfrage mitteilte, ist geplant, dass alle Impfzentren mit der Überführung der Corona-Schutzimpfungen in das Regelsystem schließen. Mehr Informationen.

Rheinland-Pfalz kämpfte um Impfzentren

"Die Impfzentren sind aus Sicht unseres Hauses eine wichtige Säule in der Impfstrategie des Landes Rheinland-Pfalz", sagte eine Sprecherin des dortigen Gesundheitsministeriums. "Sie haben sich bei den Impfungen bewährt. Wir haben eine entsprechende Infrastruktur aufgebaut, die wir - auch mit Blick auf noch kommende Herausforderungen wie mögliche Auffrischungsimpfungen - nicht ohne Not frühzeitig aufgeben wollen." Ein Ende der Impfzentren in Rheinland-Pfalz sei noch nicht terminiert. "Aktuell werden die Impfzentren laut Beschluss der Ministerpräsidentenkonferenz vom 19. März bis mindestens zum 30. September mitfinanziert." Nun sollen sie Ende September doch schließen. Neun der 32 Impfzentren sollen im Stand-By-Betrieb bleiben, wie eine Sprecherin auf unsere aktuelle Anfrage bestätigte.

Thüringen: Zukunft der Impfzentren offen

Wie es mit den Impfzentren in Thüringen weiter geht, scheint noch  offen zu sein. In Thüringen gibt es vier Impfzentren, 28 regionale Impfstellen und 15 mobile Teams. "Zum weiteren Verfahren laufen die Abstimmungen in der Gesundheitsministerkonferenz. "Es ist noch keine Entscheidung gefallen", sagte ein Sprecher auf Anfrage von KOMMUNAL (Stand 12.Juli).

Schleswig-Holstein: Impfzentren über den Sommer in Betrieb

Die 28 Impfzentren in Schleswig-Holstein sollen bis mindestens 30. September in Betrieb bleiben."Gemäß des Beschlusses der Gesundheitsministerkonferenz wird ein Stand-by-Betrieb vorbereitet", sagte ein Sprecher. "Den Schwerpunkt bilden mobile Teams." Je nach Situation und Fortschritt der Impfkampagne sowie der Impfquote würden Standorte angepasst oder verlegt. "Denkbar sind auch Anpassungen bei den Öffnungszeiten oder betriebenen Impflinien." Mehr Informationen.

Bremen: Zwei Impfzentren bis 1. September dicht

"Wir sehen die Notwendigkeit die Impfzentren auch über den Sommer hinaus fortzuführen", sagte ein Sprecher der Gesundheitssenatorin in Bremen. Das Impfzentrum Bremen-Nord schließt, wie von Beginn an geplant, Ende Juni. Die zentralen Impfzentren in Bremen-Mitte und Bremerhaven bleiben noch bestehen, werden aber in den kommenden Wochen ihre Kapazitäten reduzieren, sagte ein Sprecher auf Anfrage von KOMMUNAL. Das Impfzentrum in Bremerhaven werde zum 1. September geschlossen, wann das Impfzentrum in Bremen-Mitte die Impfungen einstellt, stehe noch nicht fest. Weitere Informationen finden Sie hier.

Saarland: Impfzentren impfen bis Ende September

Der niedersächsische Ministerrat hat beschlossen, dass in den drei Impfzentren in Saarlouis, Neunkirchen und Saarbrücken nur noch bis 30. September geimpft wird. Bis Anfang August sollte jeder Saarländer ein Impfangebot in einem saarländischen Impfzentrum erhalten haben. Nach dem 30. September würden die Bürger weiterhin bei den niedergelassenen Ärzten geimpft.   Das Land hat sich dafür entschieden, die Impfzentren in Saarlouis und Neunkirchen im Stand-by-Betrieb zu belassen. Damit will es sicher stellen, dass jederzeit ein schnelles Impfangebot gemacht werden kann. "Wir setzen in den nächsten Wochen verstärkt auf mobiles Impfen in den Gemeinden", teilte Gesundheitsministerin Monika Bachmann mit. Sie appelliert an die Bürger: Lassen Sie sich bitte impfen.

Mecklenburg-Vorpommern: Zukunft der Impfzentren offen

In Mecklenburg-Vorpommern werden aktuell 12 Impfzentren in Trägerschaft der Landkreise und kreisfreien Städte betrieben. Sie werden zeitweise durch regionale Außenstellen unterstützt, zudem werden je nach Bedarf mobile Teams hinzugezogen. "Entsprechend der fortlaufenden Bund-Länder-Vereinbarungen werden die Impfzentren in Mecklenburg-Vorpommern bis zum 30. September unterhalten", teilte ein Sprecher des zuständigen Gesundheitsministeriums auf Anfrage mit. "Darüber hinausgehende Szenarien und Perspektiven werden derzeit abgestimmt."

Niedersachsen: Impfzentren bleiben bis 30. September

In Niedersachsen sollen alle 50 Impfzentren, die von den Landkreisen und kreisfreien Städten im Auftrag des Landes betrieben werden, geschlossen werden - zum 30. September. "An diesem Tag endet auch die Impfstoffbelieferung des Landes durch den Bund", teilte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums KOMMUNAL mit. Es sollen aber auch hier mobile Impfteams im Einsatz bleiben. Der Betrieb der Impfzentren sei von Anfang an begrenzt geplant gewesen. Sie haben den Start der Impfkampagne in Niedersachsen zunächst vorwiegend mit Mobilen Impfteams übernommen. Seit Anfang April ist die ambulante Regelversorgung mit niedergelassenen Ärzten, mittlerweile auch mit den Betriebsärztlichen Diensten einbezogen.  Mehr Infos.

Impfzentren - Nordrhein-Westfalen erarbeitet Konzept

Die 53 Impfzentren in den Kreisen und kreisfreien Städten Nordrhein-Westfalens nahmen im Februar ihren Betrieb auf.  Auf Anfrage von KOMMUNAL teilte ein Sprecher der Landesregierung mit, dass das Ministerium derzeit ein Konzept erarbeite, damit auch nach dem 30. September in den Kreisen und kreisfreien Städten die Koordination von Impfungen sichergestellt ist. Danach müsse es weiterhin möglich sein, dass mobile Impfungen in Pflegeeinrichtungen oder in sozial benachteiligten Stadtteilen Bürger schnell geimpft werden können. Informationen zu den Impfzentren und Standorten finden Sie hier.

Ärzteverbände: Impfzentren zu teuer

Der Chef des Hausärzteverbandes, Ulrich Weigeldt,  sprach sich gegen einen Weiterbetrieb der Impfzentren aus. Es sei "mehr als fraglich, Strukturen aufrechtzuerhalten, von denen man immer wieder hört, dass die Kosten pro Impfung etwa zehnmal so teuer sind wie in den Praxen", sagte Weil dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. "Anstatt die Impfzentren künstlich am Leben zu erhalten, sollte die Politik ihre Energie lieber in eine sinnvolle Planung der Impfstoffbereitstellung für die Auffrischungsimpfungen stecken." 

Der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, sagte: „Eine Impfung dort sei siebenmal teurer als beim Hausarzt.“ Denn während in den Hausarztpraxen die vorhandene Infrastruktur genutzt wird, fallen bei den Impfzentren zusätzlich die Kosten für Gebäude, Personal, Sicherheitsdienst und Reinigungsfirma an.

Die Kosten für die Impfzentren tragen nicht die Kommunen, sondern teilen sich Bund und Länder.

Hier geht es zum neuesten Beschluss der Gesundheitsministerkonferenz.