Digitalisierung Schule
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Chancen und Risiken

Digitalisierung der Schule - Alles, was Sie wissen müssen

Was spricht für die Digitalisierung der Schulen und was dagegen? Auf welche Medien setzen die Lehrer und welche Fragen muss ein Konzept zur Digitalisierung beantworten? Ein Überblick!

Die Forderungen nach der Digitalisierung Schule werden immer lauter.

Denn in den letzten Jahren hat sich das tägliche Leben der Menschen stark verändert. Computer, Smartphones und Tablets sind aus dem privaten und beruflichen Leben nicht mehr wegzudenken. Hinzu gekommen sind neue Entwicklungen wie etwa der 3D-Druck, Bots sowie der Einsatz von künstlicher Intelligenz.

Was ist Digitalisierung Schule?

Angesichts dieser schnellen und tiefgreifenden Entwicklung wird der kompetente Umgang mit digitalen Medien und neuester Technik zur wichtigen Voraussetzung für die berufliche und private Zukunft von jungen Menschen. Die Politik fordert deshalb, dass die Schulen diese tiefe gesellschaftliche Transformation aufgreifen. Die Bildungsstätten sollen mit digitalen Geräten, wie etwa Tablets oder Computern ausgerüstet werden und die Lehrer den Umgang mit den digitalen Medien im Unterricht behandeln.

Längst geht es bei der Digitalisierung der Schulen nicht alleinig um die Technik als unterstützendes Werkzeug. Auch andere Ziele rücken in den Fokus, wie etwa die Möglichkeit, Kindern die Teilhabe an einer zunehmend digitalisierten Gesellschaft zu ermöglichen und sie bestmöglich für den weiteren Berufsweg auszubilden.

Digitalisierung der Schulen Pro

Einer Umfrage des Bundesverbands Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom) zufolge sieht die Mehrzahl der Lehrer Vorteile in der Digitalisierung der Schulen. So geben 88 Prozent von ihnen an, dass die Schüler durch den Einsatz von Technik motivierter sind. 87 Prozent finden, dass Inhalte und Zusammenhänge anschaulicher dargestellt und vermittelt werden können. 56 Prozent der Lehrer vertreten die Meinung, dass Schüler auf das Leben in der digitalen Welt vorbereitet werden und Lehrer individueller auf einzelne Schüler eingehen können (55 Prozent).

Welche digitalen Medien setzen die Lehrer ein?

Mehr als die Hälfte der Lehrer (54 Prozent) würde gerne häufiger digitale Medien einsetzen, aber tut es aus verschiedenen Gründen nicht. Dabei stellt die fehlende Technik das größte Problem dar. 58 Prozent der Lehrkräfte sagen, dass die dafür notwendigen Geräte fehlen. Die Angst davor, dass die Technik inmitten des Unterrichts versagt, nennen 36 Prozent der Lehrer als Grund. Aber auch ein fehlendes pädagogisches Konzept (13 Prozent) und unzureichende Technik-Kenntnisse (zwölf Prozent) führen dazu, dass Lehrer die digitalen Medien seltener als gewünscht einsetzen.

Zudem erfreuen sich die verschiedenen Geräte auch unterschiedlicher Beliebtheit. Jeder zweite Lehrer setzt regelmäßig einen Beamer ein. Mehr als jeder vierte sogar an allen Unterrichtstagen. Jeder fünfte Lehrer nutzt das Notebook täglich, jeder dritte regelmäßig. Das interaktive Whiteboard setzt jede fünfte Lehrkraft täglich ein und jede dritte regelmäßig. Tablets werden nur von drei Prozent der Lehrer täglich eingesetzt. 14 Prozent nutzen es regelmäßig.

Das Smartphone wird fast gar nicht verwendet. Neun von zehn Lehrern (90 Prozent) nutzen es nie, acht Prozent setzen es nur in Ausnahmefällen ein.

Digitalisierung Schule

Wie gut sind die Schulen mit den jeweiligen Geräten ausgestattet?

99 Prozent der Schulen haben einen Beamer. 82 Prozent der Bildungseinrichtungen ein Notebook, 87 Prozent einen stationären PC. Die Geräte sind meist jedoch nur als Einzelgeräte oder in speziellen Fachräumen verfügbar.

Zwei von drei Schulen haben interaktive Whiteboards, meist jedoch auch nur in den Fachräumen. In jeder dritten Schule gibt es Tablets.

Digitalisierung Schule –Internationaler Vergleich

Laut der inernationalen Vergleichsstudie Icils nutzen nur vier Prozent der Schüler in Deutschland jeden Tag digitale Medien im Unterricht. Anders sieht die Lage in Ländern wie Dänemark aus. Dort nutzen 91 Prozent der Schüler die digitalen Medien täglich.

In Dänemark verfügt jede dänische Schule über ein stabiles WLAN-Netz, Deutschland hinkt mit einem Viertel hinterher.

In Deutschland tauschen sich 17 Prozent der Schüler über eine gemeinsame Lernplattform aus. In Dänemark sind es 97.

Dennoch liegen deutsche Schüler im Mittelfeld, was die computerbezogenen Kompetenzen anbelangt. Die Studienautoren werten die Ergebnisse so, dass deutsche Jugendliche ihre Digitalfähigkeiten weiterhin außerhalb der Schule erwerben.

In Dänemark haben die Lehrer schon im Jahr 2001 die ersten Computerschulungen erhalten. Dazu zählt der Umgang mit Word, PowerPoint und Tabellenkalkulation. Zudem wird seit Jahren in den digitalen Ausbau investiert. Und auch die Organisation von Noten, Fehlzeiten und Hausarbeiten läuft digital.

Früher schnitt Finnland im internationalen Vergleich bei der Digitalisierung Schule nicht gut ab. Laut der Europäischen Kommission haben lediglich 18 Prozent der finnischen Schüler Technik im Unterricht eingesetzt. Daraufhin haben Behörden in die digitale Infrastruktur investiert und Laptops, Tablets sowie Software beschafft. Zudem haben sich die Lehrer im Digitalbereich weitergebildet. Heute ist die Digitalisierung in den finnischen Schulen weit vorangeschritten: Es gibt ein digitales Klassenbuch und Eltern, Schüler und Lehrer können online die Noten einsehen. In einigen Schulen wird mittlerweile sogar gar kein gedrucktes Buch mehr eingesetzt.

Die finnischen Schüler benutzen digitale Medien im Unterricht und sollen so Kompetenzen lernen, die ihnen auch im späteren Berufsleben helfen können. Beispielsweise müssen sie selbst Informationen im Netz recherchieren, diese einordnen und anschließend analysieren.

Im internationalen Vergleich bei der Digitalisierung Schule lohnt auch ein Blick in die Niederlande. Die Schulen sind mittlerweile mit Internetzugang und WLAN ausgestattet. Durchschnittlich müssen sich vier Schüler ein Gerät teilen, dennoch gibt es auch viele Klassen, die komplett mit Tablet-Computern ausgerüstet sind.

In den Niederlanden gibt es zudem auch einige Steve-Jobs-Schulen. An diesen hat der Lehrer nur noch die Rolle eines Beraters, der die Fragen der Schüler beantwortet. Bücher gibt es keine mehr, stattdessen arbeiten die Schüler am iPad und wählen ihre Workshops autonom aus. Mehrere Schulen, die mit dem Konzept gearbeitet haben, sind davon jedoch wieder abgerückt. Dies liegt vor allem in den hohen Technik- und Softwarekosten begründet. An einer Schule hat aber auch die Schulaufsicht die Qualität des Unterrichts bemängelt. 

Im nordeuropäischen Estland haben die Schulen seit 1999 Internetzugang. Zwar werden im Unterricht bislang noch gedruckte Bücher und klassische Schreibhefte genutzt, dennoch soll auf digitale Schulbücher umgestiegen werden. Wie in Finnland gibt es auch in Estland ein digitales Klassenbuch. Die Eltern können hier die Daten ihrer Kinder überprüfen, im Krankheitsfall Entschuldigungen hochladen und die Lehrer anschreiben. Allerdings haben Eltern und Lehrer nicht unbegrenzten Zugang zu allen Daten. So können die Lehrer beispielsweise nicht überprüfen, wie ihre Schüler in anderen Fächern abschneiden. Und: Die Schüler werden benachrichtigt, sobald jemand ihr Profil anschaut.

Digitalisierung der Schulen – Kontra

In der Diskussion über die Digitalisierung der Schulen werden oftmals Vorteile genannt. Doch Kritiker verweisen auch auf mögliche Risiken und Nachteile. Eine Studie des Schreibmotorik-Instituts zeigt, dass sich die Handschrift der Schüler über die Jahre verschlechtert hat. Der Deutsche Lehrerverband bringt dies unter anderem mit der Digitalisierung in Verbindung.

Die schlechte Entwicklung bleibt laut dem Institut für Schreibmotorik nicht ohne Folgen. So soll das Handschreiben die Rechtschreibung, das Lesen, das Textverständnis sowie die schulischen Leistungen insgesamt unterstützen.

Auch Lehrer äußern sich zu Risiken der Digitalisierung

Kontra für die Digitalisierung von Schulen nennen auch Lehrer. Laut Bitkom gehen 86 Prozent der Lehrer davon aus, dass sie negative Auswirkungen auf die Schreibfertigkeit der Schüler hat. 77 geben an, dass die Digitalisierung die Schüler dazu verleitet, Informationen aus dem Internet zu kopieren und dass das konzentrierte Arbeiten dadurch gestört wird (57 Prozent).

Für viele Pädagogen ist es zudem wichtig, nicht nur den Einsatz von Technik an Schulen voranzutreiben. Sondern auch den kritischen und achtsamen sowie distanzierten Umgang damit zu unterrichten.

Einzelne Lehrer berichten, dass die Schüler vermehrt Probleme damit haben, längere Texte zu lesen und dass sie sich die Inhalte besser merken, wenn sie diese von der Tafel abschreiben und nicht abfotografieren oder einscannen.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) vertritt deshalb den Grundsatz, dass das Pädagogische immer Vorrang vor der Technik hat.

Eine Studie vom Cincinnati Children`s Hospital Medical Center zeigt zudem, dass das Gehirn von 3- bis 5-jährigen Kindern, die viel Zeit mit Tablets oder Smartphones verbringen, strukturelle Veränderungen aufweist. So sollen Gehirnbereiche, die für Sprache zuständig sind, eine geringere Myelinschicht aufweisen. Allerdings haben an der Studie nur 47 Kinder teilgenommen. Dennoch warnen auch verschiedene Kinderärzte immer wieder vor einer übermäßigen Nutzung der Technik.

Digitalisierung Schule – das Konzept

An der Entstehung von einem Konzept zur Digitalisierung Schule sind verschiedene Akteure beteiligt, die kooperativ die Ziele formulieren. Das Konzept klärt wichtige Fragen und leitet Empfehlungen ab. Themen des Konzeptes zur Digitalisierung der Schule können rechtliche Rahmenbedingungen, die Verwaltung und Bildungsorganisation, die Aus-/Weiter- und Fortbildung sowie Ausstattung mit Technik sein.

Mögliche Fragen für das Konzept zur Digitalisierung Schule

So hat beispielsweise der Oberbürgermeister der Stadt Karlsruhe Experten beauftragt, die folgende Fragestellungen erarbeitet haben:

  • Wie müssen Schulen technisch ausgestattet und intern vernetzt sein, damit ein zukunftsorientiertes Arbeiten mit digitalen Medien im Unterricht ermöglicht wird?
  • Wie muss die Schule als Lernort der Zukunft neu gestaltet werden?
  • Wie müssen Schulen an das Internet angebunden werden, damit ein individualisiertes und mediengestütztes Lernen im Unterricht möglich ist (Glasfaser, Kupfer, Richtfunk – entsprechend Verfügbarkeit)?
  • Wie ist die Raumaufteilung/Raumnutzung?
  • Wie sollte ein flexibles Wartungs- und Supportsystem aussehen, das die Notwendigkeit der technischen Betreuung auf ein Minimum reduziert?
  • Welche Kosten entstehen für Bereitstellung, Betrieb, Wartung und Weiterentwicklung?

Das Konzept zur Digitalisierung der Schule bedarf einer ständigen Anpassung und enthält oftmals die Zielsetzung, sowie eine Ist-/Soll-Analyse. Zudem kann das Konzept konkrete Maßnahmen beinhalten.

Digitalpakt Schule – Probleme

Die Bundesregierung hat das Ziel, Deutschlands Schulen mit besserer Technik auszustatten und die Digitalisierung voranzutreiben.

Dafür hat sie den Digitalpakt Schule ins Leben gerufen. Er soll den Kommunen und Ländern Geld zur Verfügung stellen. Doch bislang fließen die Fördermittel nur langsam ab.

Dies bestätigt auch eine Umfrage des Deutschen Städte- und Gemeindebundes. Laut dieser haben 82 Prozent der Schulträger noch keine Mittel aus dem Digitalpakt beantragt, planen jedoch, das nachholen. Die Träger der Schulen mussten in mehreren Bundesländern jedoch monatelang warten, bevor sie Förderanträge stellen konnten, weil zuvor noch keine entsprechenden Verwaltungsvorschriften erlassen wurden.

In den Ländern Berlin, Bayern und Bremen wurden überdurchschnittlich viele Anträge abgeschickt.

Kritik am Digitalpakt Schule

Laut der Umfrage bemängeln 44 Prozent der Träger, dass der Verwaltungsaufwand im Vergleich zu den Förderleistungen zu hoch ist. 65 Prozent kritisieren zudem, dass die operative Hilfe durch das Land nicht ausreicht.

Die befragten Träger bemängeln, dass es mit der Beschaffung der Technik nicht getan sei, sondern dass diese auch dauerhaft gewartet werden muss. Mehr als jeder zweite Schulträger hat angegeben, dass er den IT-Support nicht gewährleisten kann. 76 Prozent können die Folgekosten nicht bezahlen, weshalb sie fordern, dass der Digitalpakt Schule auch über das Jahr 2024 fortbesteht und die notwendigen Folgekosten übernommen werden. Problematisch sehen sie auch den Förderzeitraum, weil die Auftragsbücher bei Elektro- und Tiefbaubetrieben als sehr voll gelten. Die Umfrage zeigt zudem, dass die Deckelung der Fördermittel bei 25.000 Euro pro Schule für mobile Endgeräte sehr ungünstig ist.

Der Digitalpakt Schule ließe sich laut der Umfrageergebnisse verbessern, wenn der Antragsprozess vereinfacht werden würde. Unter Schulträgern gilt er als zu kompliziert.

Wofür wird das Geld aus dem Digitalpakt Schule eingesetzt?

Mit den Fördergeldern aus dem Digitalpakt Schule möchten die Schulen überwiegend ein eigenes LAN- oder WLAN-Netz aufbauen. 87 Prozent wollen mit dem Digitalpakt interaktive Tafeln und Smartboards kaufen. 77 der Befragten möchten das Geld für mobile Endgeräte wie beispielsweise Tablets einsetzen. Allerdings: Die Mehrzahl der Schulen hätte diese Maßnahmen auch ohne Digitalpakt Schule umgesetzt.