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  3. Gemeinsames Ziel: Autofreie Stadt
Am ersten Sonntag jedes Monats ist die Champs-Elysée autofreie Zone. ©Ulamm/wikimedia

Gemeinsames Ziel: Autofreie Stadt

von Rebecca Piron
Stellvertretende Chefredakteurin | KOMMUNAL
14. Oktober 2016
Verkehrschaos und Luftverschmutzung heißen Schattenseiten der Großstadt. Beiden gemeinsam ist eine Lösung: die autofreie Stadt. KOMMUNAL stellt richtungsweisende Ansätze aus verschiedenen europäischen Städten vor.

Seit dem umstrittenen Stadtratsurteil in Paris ist das Thema autofreie Stadt wieder in aller Munde. Während die Schnellstraße am linken Seine-Ufer schon seit 2013 autofrei ist und die Champs-Elysée am ersten Sonntag jedes Monats zur Fußgängerzone wird, hat der Stadtrat nun auch die Schnellstraße auf der rechten Seine-Seite für Kraftfahrzeuge gesperrt. Bürgermeisterin Anne Hidalgo träumt von einem autofreien Paris. Die Konservativen kritisieren, dass das besonders auf Kosten der Pendler gehe. Auch die umliegenden Arrondissements melden Bedenken, ob des dort potentiell steigenden Verkehrsaufkommens, an. Hier fehlt es an einem ganzheitlichen Konzept, das das Verkehrsaufkommen verringert. Es lohnt sich ein Blick auf Konzepte anderer europäischer Städte.

Autofreie Seine - nach dem linken wird nun auch das rechte Ufer der Seine zur Fußgängerzone. © Stéphan Blachier/flickr

In Helsinki sollen Autos nicht verboten, sondern überflüssig gemacht werden. Stadtplanerin Sonja Heikkilä setzt gemeinsam mit der Stadtverwaltung ein Mobilitätskonzept um, das sie zuvor an der Uni als Masterarbeit erarbeitet hat. Die simple Idee dahinter: Alternativen zum Auto per Smartphone-App so bequem machen, dass sie attraktiver werden als die Fahrt mit dem Pkw. Besagte App soll alle in der Stadt verfügbaren Alternativen zum Auto vernetzen. In Helsinki sind das Bus, Bahn, Leihfahrräder, Carsharing-Angebote, die Fähre und ein privater Minibus-Anbieter. Auch autonome Elektroautos sind in Planung. Per App soll dann individuell zu jeder Zeit an jedem Ort der passende Weg durch die Stadt gefunden werden. Auch geplant ist die Möglichkeit alle genutzten Verkehrsmittel mit der App zu bezahlen. Bis 2025 erhofft man sich so ohne Zwang die autofreie Stadt zu erreichen.

Sonja Heikkilä setzt ihre Masterarbeit
Restriktiver geht da die britische Hauptstadt vor. Schon seit 2003 zahlt jeder Privatmann, der mit seinem Auto in die Innenstadt von London möchte, knapp 13 Euro "City-Maut". In diesem Jahr wurde die Maut noch einmal verschärft: Der Standardtarif liegt jetzt bei 16 Euro, für Dieselfahrzeuge wird eine doppelte Mautgebühr fällig und auch Taxis unterliegen nun der Mautpflicht. Ausgenommen sind nur noch Busse, Einsatzfahrzeuge von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst, sowie Elektroautos.

Das autofreie Stadtzentrum in Oslo

Auch das norwegische Oslo hat eine City-Maut. Die soll aber bis 2019 obsolet werden. Das Stadtzentrum wird bis dahin nach und nach autofreie Zone. Zunächst wird die Innenstadt zur Fußgängerzone, dann wird der Autoverkehr im Umkreis schrittweise eingeschränkt. Ziel ist es die klimaschädlichen Gase im Stadtgebiet im Verhältnis zu 1990 bis 2019 um 20 Prozent, bis 2030 um 30 Prozent zu senken. Die Fußgängerzonen sind Teil eines Maßnahmenpakets, das auch den Ausbau des Fahrradwegenetzes und Investitionen in Elektrofahrräder vorsieht. Deutlich weiter mit dem Ausbau des Fahrradwegenetzes ist die dänische Stadt Kopenhagen. Hier werden seit einigen Jahren sogenannte Fahrradautobahnen gebaut. Es handelt sich um breite Schnellstraßen mit glattem Asphalt, die die Außenbezirke der Stadt mit dem Zentrum verbinden. Die Ampeln für die Fahrradautobahnen sind so eingestellt, dass Radfahrer bei einem konstanten Tempo von 20 km/h keine roten Ampeln zu fürchten haben. Auf das Tempo muss der Fahrer nicht einmal selbst achten - LEDs im Boden zeigen grünes Licht, wenn man auf dem Idealtempo liegt. Weitere Bemühungen Kopenhagen in eine autofreie Stadt zu verwandeln bestehen darin Parkplätze für Autos abzubauen und den öffentlichen Nahverkehr stärker zu fördern.

Die Fahrradautobahn
Ein anderes System verfolgt Barcelona. In drei seiner Stadtteile führte die katalanische Hauptstadt bereits die sogenannten "Superblocks" ein. In Superblocks werden Blocks - idealerweise neun Stück - zu einer Einheit zusammengefasst, um die Autos nur herumfahren dürfen. In die Superblocks hineinfahren dürfen nur Anlieger und Busse. Einbahnstraßen führen diese an vier Seiten in die Superblocks hinein und in einer Schleife wieder hinaus.

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