Serviceroboter
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Künstliche Intelligenz

Serviceroboter in der Amtsstube

In einem Bürgeramt in Russland kommt ein Serviceroboter zum Einsatz und stellt Dokumente aus. Damit ersetzt die Maschine laut dem Chef der Meldebehörde jetzt schon einen Mitarbeiter. Könnte es so etwas auch bald in Deutschland geben?

Etwas steif wirkt die neue Mitarbeiterin der russischen Stadt Perm schon – trotz der rund 600 Gesichtsausdrücke, die sie imitieren kann. Europas östlichste Millionenstadt setzt einen neuen Serviceroboter im Bürgeramt ein, wie das Magazin Spiegel in einem Videobeitrag zeigt. Der Roboter fragt und beantwortet generische Fragen. Angeschlossen ist er an einen Scanner und einen Drucker. Bisher stellt der neue Roboter mit künstlicher Haut, beweglichen Augen und langen blonden Haaren ausschließlich Führungszeugnisse aus. Angeblich kann er bereits einen Mitarbeiter der Meldebehörde vollständig ersetzen.

Sind Serviceroboter in der Behörde die Zukunft?

Ob die Anwendung von Servicerobotern von Erfolg gekrönt sein wird, entscheidet am Ende wohl nicht nur die Kosteneffizienz. Im Rahmen des Förderprogramms „Digitale Technologien für die Wirtschaft“ des Bundeswirtschaftsministeriums erschien erst 2019 die Kurzzeitstudie „Akzeptanz von Servicerobotern“. Auch hierzulande ist die Anwendung von Servicerobotern also zumindest schon in der Diskussion. Das Anwendungsszenario in der Verwaltung wird in der Studie wie folgt beschrieben:

„Bürger können ihren Bedarf angeben und werden dementsprechend zu einem Bearbeiter geführt, erhalten Auskunft über jeweilige Zuständigkeiten oder benötigte Formulare. Über ein Display ermöglicht es der Serviceroboter beispielsweise, Produktinformationen oder -vergleiche abzurufen. Der Serviceroboter erfüllt in diesem Szenario eine Assistenzfunktion und nimmt Mitarbeitern einfache Aufgaben aus dem Tagesgeschäft ab. Diese haben so mehr Spielraum, um serviceorientiert auf komplizierte Wünsche und Anfragen von Kunden beziehungsweise Bürgern einzugehen.“

Die Studie klärt auch über mögliche Herausforderungen auf

Anschließend listet die Studie eine Reihe an Herausforderungen auf und hält Lösungsansätze parat. Ein Beispiel ist der Punkt „Körperliche und psychische Unversehrtheit“. Schließlich interagiere der Serviceroboter nicht nur mit geschultem Personal, sondern auch mit Bürgern. Dabei könnte es zu Unfällen kommen, so die Studie. Außerdem würden besonders ältere Menschen neue Technologien weniger vertrauen. Als Lösung schlagen die Wissenschaftler Schulungen für die Belegschaft vor, in denen auch das Verhalten bei Fehlfunktionen geübt wird. Der großen Frage des emotionalen Zugangs widmet sich die Studie übrigens kaum.

Der Markt für professionelle Servicerobotern wächst

Der internationale Dachverband der Robotik, die International Federation of Robotics (IFR), rechnet mit deutlich mehr Servicerobotern im professionellen Bereich, in den wohl auch das Modell aus Russland fällt. Im Jahr 2022 sollen immerhin rund 1 Million Serviceroboter weltweit im Einsatz sein. Dabei bildet das autonome Fahren mit 41 Prozent immer noch den größten Anteil bei bisher verkauften Einheiten. Im häuslichen Bereich rechnet die Organisationen bis zum Jahr 2022 sogar mit bis zu 61 Millionen Serviceeinheiten weltweit.

Die Prognosen sind allerdings mit Vorsicht zu betrachten. So schreiben die Verfasser der vom Bundeswirtschaftsministerium geförderten Studie zur "Akzeptanz von Servicerobotern", dass sich die hohe Verbreitung bislang noch nicht im Kontakt der Bevölkerung mit Robotern widerspiegelt. Trotz technischer Entwicklungssprünge schreite diese nur langsam voran.