Böller Verbote wird es in diesem Jahr in mehr als 40 Kommunen geben - dem Markt für Feuerwerk tut das insgesamt aber keinen Abbruch
Böller Verbote wird es in diesem Jahr in mehr als 40 Kommunen geben - dem Markt für Feuerwerk tut das insgesamt aber keinen Abbruch
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Böller und Raketen

Verbot von Feuerwerk zu Silvester in vielen Kommunen

Silvester ohne Raketen und Böller? In der Tat hat die Klimadebatte der vergangenen Monate in einigen Kommunen zum Umdenken geführt. Eine genaue Liste gibt es zwar nicht, aber mindestens 40 Städte in Deutschland haben bisher öffentlich ein komplettes oder teilweise Böller-Verbot für ihre Stadt angekündigt. Was bedeutet das konkret?

Beginnen wir mit nackten Zahlen: 133 Millionen Euro hat die Branche im vergangenen Jahr durch Feuerwerk an Silvester eingenommen. Und für dieses Jahr rechnet bie Branche "mindestens" mit einem ähnlichen Ergebnis. Das ist insofern ungewöhnlich, als dass einige Händler angekündigt haben, kein Feuerwerk mehr zu verkaufen. Dabei handelt es sich vor allem um einzelne Geschäfte der Gruppen Edeka und Rewe. Diese sind genossenschaftlich organisiert und somit kann jeder Inhaber vor Ort selbst über sein Sortiment entscheiden. Trotz vieler Schlagzeilen haben aber nur sehr wenige Händler angekündigt, dass sie kein Feuerwerk verkaufen werden. Konkret sind es 8 Geschäfte der beiden Ketten. Mehr ins Gewicht fallen dürfte da die Ankündigung eines Baumarktanbieters (Hornbach) der ab dem kommenden Jahr kein Feuerwerk mehr verkaufen will. Das Unternehmen hat in Deutschland immerhin 96 Filialen. In der Branche heißt es jedoch, dieser Anbieter habe schon seit Jahren nur ein vergleichsweise kleines Sortiment und spiele somit beim Umsatz kaum eine Rolle. 

Verbot von Feuerwerk aber kein Verkaufsverbot 

Somit wird es Silvesterfeuerwerk auch in Kommunen zu kaufen geben, die ein Verbot von Böllern an Silvester beschlossen haben. Der Verkauf ist auch nicht verboten, die meisten Böller-Verbote gelten zudem (und das übrigens teils seit Jahren) nur in Teilbereichen der Städte. Etwa in Hamburg an der Binnenalster, in München in der Altstadt und in der Fußgängerzone oder in Berlin rund um die zentralen Festlichkeiten am Brandenburger Tor, an einem Teil des Alexanderplatzes und in einer Straße in Schöneberg. Auch Düsseldorf und Bremen setzen vor allem auf ein Verbot von Feuerwerk im Bereich der Altstädte, in Köln gilt es rund um den Dom. 

Fast alle machen das übrigens wegen Sicherheitsbedenken, die Klimadebatte spielt hier zwar in der politischen Diskussion eine Rolle, Grund für die Verbote waren sie aber in den wenigsten Fällen. München etwa stützt sich auf eine Gefahreneinschätzung der Polizei in der Altstadt, auch der Grüne Oberbürgermeister von Stuttgart, Fritz Kuhn argumentiert, "die Gefährdungslage an Silvester im Stadtinnern nimmt seit ein paar Jahren zu". Die Stadt setzt stattdessen auf eine zentrale Feier mit Lightshows und Video-Leinwänden. In Berlin-Schöneberg ist der offizielle Grund "Böller-Gewalt-Brennpunkt", wie es beim Senat heißt, sprich: Hier kam es zu körperlichen Streitigkeiten in der Vergangenheit. 

Nur ganz wenige Kommunen haben ein komplettes Böller-Verbot beschlossen, etwa Sylt, Föhr und Amrum. 

Teilweise Verbote gelten zudem in Nürnberg (Bereich der Burg, rund um die Lorenzkirche, am Hauptmarkt), in Freising (Teile der Innenstadt), Bamberg (Teile der Innenstadt), Würzburg (Teile der Innenstadt) und Passau (Teile der Innenstadt). Eingeschränktes Feuerwerk ist zudem nur in Braunschweig, Fürth, Göttingen, Karlsruhe, Wiesbaden, am Timmendorfer Strand, in Regensburg (Steinerne Brücke) erlaubt. Verbote für die Altstadt gibt es außerdem in Duderstadt, Goslar, Hameln, Lüchow, Aachen und Bielefeld (rund um den Bahnhof). 

Feuerwerk - was rechtlich erlaubt ist 

Kommunen können also den Verkauf der Feuerwerkskörper in ihrer Gemeinde nicht verbieten, auch wenn es ein teilweises oder komplettes Böller-Verbot gibt. Allerdings gelten klare Verkaufsregeln. Üblicherweise dürfen die Feuerwerke nur vom 29.12. bis zu 31.12. verkauft werden, da in diesem Jahr einer der Tage auf einen Sonntag fällt, gilt ein Verkaufsrecht ausnahmsweise vom 28.12. bis zum 31.12. - das Feuerwerk ist also einen Tag früher verfügbar. Geböllert werden darf trotzdem nur am Silvesterabend und in der Nacht. 

Und in der Tat rechnen vor allem die Discounter wieder mit hohen Absatzzahlen. Lidl etwa verweist auf eine hohe Nachfrage der Kunden, weshalb das Material in allen 3200 Filialen verkauft werde, auch Netto spricht von einem "ausnahmslosen Verkauf" in allen Geschäften, ebenso Norma und Penny. Anders sieht es bei den 500 Hagebau-Märkten aus. Diese sind ebenfalls durch eigenständige Gesellschafter geprägt. "Aus Gründen des Umweltschutzes und des Tierwohls haben sich Märkte in Mölln, Langenfeld und Eckernförde entschieden, auf den Verkauf zu verzichten", zitiert der Focus einen Unternehmenssprecher. 

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