Integration ist Realität

Viel altertümlicher als die Stadt Trier geht es wohl kaum - 1300 Jahre vor Rom gegründet, fest verwurzelt und weltoffen: Trier bekommt nun eine Weinkönigin aus Syrien.

Integration ganz konkret: Wer noch einen Beweis suchte, dass Integration nicht nur funktionieren kann, sondern längst Realität ist, der sollte in diesen Tagen in die altehrwürdige Stadt Trier schauen - eine Weinregion in Rheinland-Pfalz, uralte Stadtmauern, stolz auf die Jahrtausende alte Geschichte. Und da Geschichte bekanntlich verpflichtet: eine weltoffene Stadt, in der eine Weinkönigin aus Syrien zwar für große Beachtung sorgt, aber niemanden stört - im Gegenteil. Die Winzer sind stolz auf die hübsche 25 jährige Ninorta Bahno.

So geht Integration: Weinkönigin Ninorta Bahno

©Winzervereinigung

Jedes Jahr sucht Trier eine Weinkönigin - als Botschafterin und somit Werbeträger für ihren guten Wein weit über die Grenzen der Stadt hinaus. Am 3. August findet die nächste Kür im Rahmen des örtlichen Weinfestes statt. In diesem Jahr fiel die Wahl auf Ninorta Bahno.

Integration ist gelungen

Die junge Frau, lange schwarze Haare, braune Augen, ein freundliches Lächeln, verließ vor vier Jahren gemeinsam mit ihrer Schwester Fadia (29) im Bombenhagel ihr geliebtes Heimatland Syrien, schlugen sich durch bis nach Deutschland. Seither leben die beiden in Trier. Ninorta Bahno spricht gutes Deutsch, fungiert in ihrer neuen Heimat häufig als Dolmetscherin. Leben kann sie davon freilich noch nicht, absolviert daher über die Bundesagentur für Arbeit derzeit eine Einstiegsqualifikation für Fachangestellte. Und was sagt sie selbst über Wein? "Ich liebe ihn, er ist mehr als ein Getränk - ein Kulturgut" verriet sie einer örtlichen Zeitung am Wochenende. Und die Winzer? " Eine tolle Persönlichkeit. Eine wunderbare Repräsentantin für Wein, den Sekt und die Winzerschaft", so Winzerschef Peter Tergens im Interview.

Ein Tröpfchen in Ehren...

Übrigens: Wie so viele Städte ist auch Trier faktisch multikulturell. Gründer und Namensgeber war Königssohn Trebeta, von seiner Stiefmutter Semiramis aus Assyrien vertrieben. Die Zelte schlug er und sein Gefolge nach langer Flucht in Europa auf, im schönen Moseltal. Dort baute er sogleich eine Stadt, die er Trebeta nannte. Eine Sage zwar, in der nicht alle Details gesichert überliefert sind aber doch eine auffallende Parallele zu Ninorta Bahno und ihrer Geschichte. "Ich habe schon als kleines Kind davon gehört. Trebeta ist der Mann, der seine Heimat verlassen musste", erklärt sie staunenden Reportern. Sie hatte davon - damals noch vor dem grausamen Krieg in Syrien - in ihrer Heimat in der Schule erfahren.

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