Kleingeld gehört in Kleve fast der Vergangenheit an

Kleingeld ist fast abgeschafft

Der Trend in Europa ist eindeutig - immer mehr Länder nehmen keine 1 und 2 Cent Münzen mehr an - schon weil sie in der Herstellung mehr kosten als sie wert sind. Und in Deutschland? Wie ist der Feldversuch in Kleve bisher gelaufen?

Brauchen wir die Ein-Cent Münze noch? Und die Zwei-Cent Münze? Italien wird ab dem kommenden Jahr keine solchen Münzen mehr prägen. Damit sind sie in bester europäischer Gesellschaft. Auch in Finnland, Belgien, Irland und den Niederlanden werden die Münzen nicht mehr ausgegeben. Es wird beim Bareinkauf jeweils auf 5 Cent auf- oder abgerundet.

Deutschland bleibt Barzahlerland - vor allem beim Kleingeld

Wer den Cent nicht ehrt, ist des Talers nicht wert?... Dieser Spruch hat 2 Seiten der Münz-Medaille. Was einerseits schon Kindern beigebracht wird, bringt den Einzelhandelsverband dazu, mal genauer zu rechnen. Denn die Kosten für Beschaffung und Rückgabe des Geldes sind höher als ihr Wert. Soll heißen: Einzelhändler sparen kräftig, wenn weniger Münzgeld in den Kassen landet. Da Deutschland nach wie vor DAS Land der Barzahler ist, geht das ganz schön ins Geld. Die Stadt Kleve - nahe an der holländischen Grenze gelegen, versucht es seit gut einem Jahr ebenfalls mit dem RUNDEN-Konzept. KOMMUNAL hatte zum Start ausführlich berichtet.  Hier gab es immer wieder Verwunderung bei Kunden aus den Niederlanden. Dort gibt es die 1 und 2 Cent-Münzen nicht.

Der Euphorie folgte die Ernüchterung

Die Kunden in Kleve haben sich an die Aktion schnell gewöhnt. Wer etwa für 13,58 Euro einkauft, zahlt nun 13,60 Euro, wer für 13,54 Euro einkauft, nur 13,50 Euro. Unterm Strich - so berichten die Händler - haben sie einen minimalen Rundungsgewinn erwirtschaftet - von wenigen Euro im Jahr. Der Grund: die meisten Preise enden mit einer 9, kauft der Kunde eins oder zwei Produkte, wird aufgerundet, erst ab fünf Produkten wird meist abgerundet. Trotzdem zeigten sich in einer Umfrage der Hochschule Rhein-Waal rund drei Viertel der befragten Kunden in Kleve zufrieden über die Rundungs-Aktion. Hauptgrund: Die Kunden gehen davon aus, dass sich preislich für sie unterm Strich wenig ändert. Einzig bei älteren Kunden stößt die Aktion auf weniger Gegenliebe.

Die Händler haben von der Anti Kleingeld Aktion kaum Vorteile

Für die Händler in Kleve sieht die Bilanz aber anders aus. Viele berichten, dass die erhofften Einsparungen nicht zustande kamen. Der Grund: Die Aktion ist freiwillig, der Aufwand, den Kunden die Aktion zu erklären - vor allem Auswärtigen - oft hoch. Nur 18 Prozent der von der Hochschule befragten Händler gab an, tatsächlich Kosten gespart zu haben. Denn noch immer sind die Bargeldbestände hoch, Banken haben teils damit begonnen, für die Abnahme von Kleingeld Gebühren zu verlangen. Trotzdem sagen 57 Prozent der Händler in der Umfrage, sie seien mit dem Pilotprojekt zufrieden.

Warum Deutschland Land der Barzahler bleibt

In kaum einem anderen Land Europas wird so viel bar bezahlt, wie bei uns. 84 Prozent der Deutschen wollen laut einer Umfrage nicht auf Bargeld verzichten. Vor allem kleinere Beträge werden hier zu weit mehr als 50 Prozent bar beglichen - Taxi, Restaurantbesuch, öffentliche Verkehrsmittel und so weiter. Insgesamt 51 Prozent aller Umsätze in Deutschland werden bar getätigt. In einigen skandinavischen Ländern liegt der Anteil im einstelligen Prozentbereich. So nehmen in Schweden Parkuhren fast nirgends mehr Münzen an, den Coffee to Go gibt es in manchen Ländern praktisch nur noch per Karte. In Deutschland hingegen MUSS jedes Geschäft Bargeld annehmen. Für Händler und Banken ist Bargeldverkehr aber mit hohen Kosten verbunden. Scheine müssen gedruckt, Münzen geprägt werden, Panzerwagen bringen das Geld sicher von A nach B, auch Kriminelle bevorzugen meist Bargeld. Laut Umfragen wollen viele Deutsche dennoch keine "digitalen Spuren" durch den Kauf per Kreditkarte und co. hinterlassen.

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