Die Hallig Gröde war Lange die kleinste Gemeinde Deutschlands - jetzt muss sie sich den Titel teilen
Die Hallig Gröde war Lange die kleinste Gemeinde Deutschlands - jetzt muss sie sich den Titel teilen

Hallig und Hofgut

Neue Statistik: Das ist die kleinste Gemeinde Deutschlands

Das Statistische Bundesamt hat neue Zahlen zur Größe von Deutschlands Gemeinden veröffentlicht. Bisher war die Hallig Gröde die kleinste Gemeinde Deutschlands. Diesen Titel muss sie sich aber wegen eines Bevölkerungswachstums von 42 Prozent künftig mit einem anderen Ort teilen.

Der Grund für den deutlichen Bevölkerungswachstum in Deutschlands kleinster Gemeinde, der Halle Grödig, ist der Zuzug einer dreiköpfigen Familie. Damit stieg die Zahl der Einwohner auf 10. Nämlich 5 Frauen und 5 Männer. Wobei auf der Hallig im Moment nur neun Menschen leben, wie Bürgermeister Jürgen Kolk erklärt. "Der 16-jährige Sohn der dreiköpfigen zugezogenen Familie wohnt derzeit auf dem Festland und absolviert dort ein Berufsorientierungsjahr", so Kolk. Er sei auf Gröde aber weiter mit Hauptwohnsitz gemeldet. 

Den Titel: Kleinste Gemeinde Deutschlands muss sich der Ort damit künftig teilen. Denn auch in Dierfeld in Rheinland-Pfalz leben zehn Menschen. Genau genommen sind es 7 Männer und 3 Frauen. 

Auch die kleinste Gemeinde Deutschlands hat ein Gemeindeparlament und einen Bürgermeister 

Die beiden Gemeinden sind weiterhin eigenständig. Und das heißt, dass die kleine Gemeinde offiziell alle Aufgaben erfüllen muss, die rechtlich auch andere Orte erfüllen. Auf der Hallig Gröde etwa ist Jürgen Kolk noch nicht allzu lange Bürgermeister. Er hatte Volker Mommsen abgelöst - unter ihm hatten wir in unserer Serie über kuriose Orte die Hallig bereits im Jahr 2017 besucht - HIER finden Sie ein Porträt des Ortes mit seinen Kuriositäten. 

Was sich hier in den vergangenen Jahren geändert hat: Es gibt keine Hallig-Schule mehr, auf der alle Schüler bis zum Hauptschulabschluss bleiben konnten. Denn es gibt in der Gemeinde keine Kinder mehr im entsprechenden Alter. Dafür gibt es auch hier zwei bis dreimal im Jahr eine Gemeindeversammlung. Entsprechend der Landessatzung von Schleswig-Holstein ist in kleinen Gemeinden mit weniger als 70 Einwohnern jeder Einwohner einer Gemeinde automatisch Gemeindevertreter und somit stimmberechtigt. 

Und auch in Dierfeld gibt es einen recht jungen Bürgermeister im Amt. Der 39 jährige Ortsbürgermeister Roderich von Greve-Dierfeld ist seit dem Jahr 2019 im Amt. Auch er sagt, die Arbeit unterscheide sich so gar nicht von größeren Kommunen. Mindestens zwei mal im Jahr findet eine Gemeinderatssitzung statt. Anders als in Schleswig-Holstein sind hier übrigens nicht alle Einwohner stimmberechtigt. Nach Landessatzung Rheinland-Pfalz besteht der Gemeinderat in Dierfeld aus 6 Ratsmitgliedern, die im vergangenen Jahr in einer Mehrheitswahl gewählt wurden. Dazu kommt noch der ehrenamtliche Ortsbürgermeister als Vorsitzender. 

Und wie sieht der Haushalt der kleinsten Gemeinde Deutschlands aus? 

Besonders stolz ist Dierfeld darauf, eine von wenigen "schuldenfreien" Kommunen in Deutschland zu sein. Das könnte auch am höchsten Gewerbesteuerhebesatz in ganz Deutschland liegen, er beträgt stolze 900 Prozent. Trotzdem hat Dierfeld die absolut betrachtet geringsten Einnahmen. Der Hebesatz wurde übrigens auch vom Ortsbürgermeister mitbeschlossen. Er ist Inhaber einer örtlichen Baumschule. Übrigens hat die Gemeinde dann auch statistisch noch einen extrem hohen Ausländeranteil. Sieben der 10 Bewohner haben die polnische Staatsangehörigkeit. Alle wohnen und arbeiten auf dem Landgut. 

Anders als in Dierfeld ist das Leben auf der Halle Grödig jedoch deutlich beschwerlicher. Nicht nur, dass die kleine Gemeinde regelmässig (20-30 Mal im Jahr) mit Überflutungen kämpft. Immerhin gibt es aber seit einigen Jahren eine Telekommunikationsleitung, seit 1976 bereits wird Gröde mittels Strom- und Wasserleitung vom Festland versorgt. Die Einwohner leben hier von der Vermietung von Ferienwohnungen und aus dem Nebenerwerb der Landwirtschaft. Insofern gibt es auch hier finanziell keine Probleme. 

Die 100 kleinsten Gemeinden Deutschlands - hier sind sie zu finden 

Es ist kein Zufall, dass sich die 100 kleinsten Gemeinden Deutschlands alle auf drei Bundesländer verteilen. Rheinland-Pfalz und hier vor allem die Eifel führen die Liste mit 70 kleinen Orten an. Es folgen Schleswig-Holstein mit 25 - hier vor allem in Nordfriesland und Thüringen mit 5 Gemeinden. Der Grund: Im Zuge der Gebietsreformen wurden in diesen Bundesländern viele kleine Gemeinden nicht eingemeindet und blieben eigenständig. 

Die meisten Eingemeindungen in Deutschland - häufig durch Hoheitsakte in vielen Bundesländern, teils durch freiwillige Zusammenschlüsse, gab es in den Jahren zwischen 1967 und 1978. Die Kritik daran hält bis heute an. Wissenschaftler haben anhand der Eingemeindungen nachgewiesen, dass hier vor allem das Zusammengehörigkeitsgefühl leidet. Den Studien zufolge haben Eingemeindungen auch Auswirkungen auf die Bereitschaft, sich ehrenamtlich zu engagieren und wirken sich negativ auf die Wahlbeteiligung aus. 

Drittkleinste Gemeinde in Deutschland ist übrigens Wiedenborstel im Landkreis Steinburg in Schleswig-Holstein mit 11 Einwohnern. Keppeshausen im Eifelkreis Bitburg-Prüm kommt auf 12 Einwohner, Süderhöft in Nordfriesland auf 14 Einwohner. 

Die kleinste Gemeinde in Thüringen hat übrigens 35 Einwohner, steht damit auf Platz 24 der kleinsten Gemeinden Deutschlands. Es handelt sich um Kleinbockerdra im Saale-Holzland-Kreis. In allen anderen Bundesländern sind die kleinsten Gemeinden deutlich größer. In Baden-Württemberg hat Böllen im Landkreis Lörrach als kleinste Gemeinde 100 Einwohner, in Bayern die Gemeinde Chiemsee im Landkreis Rosenheim 211 Einwohner. Es folgen Niedersachsen (291 Einwohner in Demnach, Kreis Lüchow-Dannenberg) und Brandenburg mit Kleßen-Görne im Havelland und 352 Einwohnern. Obwohl das Saarland ebenfalls auf Eingemeindungen in vielen Bereichen verzichtet hat, hat hier die kleinste Gemeinde mehr Einwohner als die jeweils kleinste Gemeinde in allen anderen Flächenländern. Gut 6000 Einwohner leben in der kleinsten Gemeinde des Saarlandes, Oberthal im Kreis St. Wendel. Nordhrein-Westfalen, das Bundesland der Großstädte hat als kleinste Gemeinde den Ort Dahlem im Kreis Euskirchen. Hier leben aktuell knapp 4200 Menschen.