freilaufende Hühner auf der Wiese
Faszination Landleben - beim Projekt "Landinventur" wird es von den Bürgern selbst wissenschaftlich dokumentiert
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Landleben

Landinventur – Bürger unterwegs im Auftrag der Wissenschaft

Das Landleben ist in und immer mehr Menschen verlassen die Städte. Doch wie steht es um die einzelnen Dörfer und was brauchen sie, um gestärkt in die Zukunft gehen zu können? Danach forscht das Projekt „Landinventur“, bei dem die Dorfbewohner selbst zu Wissenschaftlern werden.

Jedes Dorf hat seine eigenen Geschichten, Schlüsselstellen und Typen und die Vielfalt der dörflichen Strukturen in Deutschland ist beachtlich. Doch was macht die verschiedenen Dörfer so besonders und wo unterscheiden sie sich? Was treibt die Menschen dort um, welche Ressourcen gibt es bereits und was wird noch benötigt? Das bemerkenswerte Projekt „Landinventur“ macht sich auf die Suche nach Antworten auf diese Fragen und setzt dabei auf smarte Tools ebenso wie auf das Engagement der Bürger.

"Landinventur" will allgemeine Statistiken ergänzen

Je vielfältiger die einzelnen Dörfer, desto schwerer ist die Anwendung groß angelegter Statistiken auf die Orte. Schließlich arbeiten diese häufig mit regional stark zusammengefassten Daten und können die unterschiedlichen lokalen Potenziale von Dörfern, die mitunter selbst innerhalb einer Gemeinde vorkommen, kaum erfassen. So besteht eine Wissenslücke, die es zu füllen gilt, wenn es darum geht, zukunftsfähige Konzepte zu entwickeln für die verschiedenen Orte jenseits der Städte.

Digitales Werkzeug zur Kartierung des Lands

Unter dem Titel „Landinventur“ wurde vor diesem Hintergrund ein digitales Werkzeug entwickelt, mit dem Daten und lokales Wissen über das Land unkompliziert und in der Breite erhoben werden können. Das Projekt des Thünen-Institut für Regionalentwicklung e.V hat zum Ziel, verschiedene Daten über das Leben auf den Dörfern zusammen zu tragen, um die einzelnen Dörfer miteinander vergleichen zu können und das Potential des ländlichen Raumes zu erkunden. Dabei geht es um das Land als besonderen Lebensraum, der nicht nur sozial nachhaltig, sondern auch wirtschaftlich attraktiv sein kann. Gefördert wird das Projekt vom Bundesministerium für Bildung und Forschung.

Scheune mit MItarbeiter des Projekts "Landinventur"
Wissenschaftliche Arbeit, zum Beispiel in einer Scheune - das Konzept des Projekts "Landinventur"

Einwohner werden zu Bürgerwissenschaftlerinnen

Bei der wortwörtlichen Inventur des Landes geht es erst einmal um eine Bestandsaufnahme, also darum, „zu erfassen was ist“. Hier kommen die Bürger selbst ins Spiel, schließlich weiß keiner mehr über das Dorfleben und die vielen Schattierungen des ländlichen Raums als jene Menschen, die mittendrin leben. Das Projekt setzt deshalb genau hier an, verfolgt einen bürgerwissenschaftlichen Ansatz und baut komplett auf dem Wissen der Land-Bewohner auf. Ganz gleich ob Einzelpersonen, Gruppen oder Vereine, Dorfgemeinschaften oder Gemeindeverbunde Lust haben, sich zu engagieren – sie alle können mitwirken bei der Inventur und ihre Dörfer mithilfe des digitalen Werkzeugs kartieren.

Digital, analog und zukunftsorientiert

Die Bürger selbst können auf drei verschiedenen Ebenen mitwirken und aktiv werden. So ist da zum einen die digitale Plattform, die niedrigschwellig und flexibel nutzbar ist und auf der die verschiedenen Parameter direkt eingetragen werden können. Zum anderen können sich die Bürger in gemeinsamen Workshops vor Ort einbringen und in Folge auch bei der Weiterentwicklung der „Landinventur“ mitwirken. Das analoge Format sind dabei die sogenannten Dorfwerkstätten. Dort werden in einem ersten Schritt gemeinsam die jeweiligen Dörfer kartiert, worauf die dabei erhobenen Daten als Grundlage für die weitere Diskussion genutzt werden. So können weitere konkrete Gestaltungsprojekte fundiert vorbereitet werden und liegen schließlich dorfgenaue Daten vor, um auch größere Planungs- und Entwicklungsprozesse angehen zu können und neue Ideen für die Entwicklung des ländlichen Raumes gezielter umzusetzen.

Landinventur Mobil in Dorf
Das Mobil der "Landinventur" fährt die Dörfer ab.

Reflexion und Aufspüren lokaler Ressourcen

In einem dritten Schritt geht die Idee der „Landinventur“ weit über die bloße Kartierung der Infrastruktur hinaus. Vielmehr wird im Zuge der örtlichen Auseinandersetzung mit der eigenen Heimat auch das eigene Bild des Dorfes reflektiert und können dabei wichtige lokale Ressourcen aufgespürt und die Zukunft des Ortes in praktischen Projekten weitergedacht werden.

"Landinventur" jetzt auch als App

Um die Mitwirkung bei der Kartierung möglichst unkompliziert zu ermöglichen, gibt es mittlerweile auch eine eigene Landinventur-App, mit der die Bürger ihr Dorf unterwegs kartieren können. „Werde Teil einer kollektiven Raumbeobachtung, die den Blick aufs Land verändern kann“, so bewerben die Initiatoren die Landinventur-App und ermuntern zur aktiven Mitgestaltung. Wie also sieht es aus, das Landleben des 21. Jahrhunderts und der folgenden Generationen? Man darf gespannt sein auf die Antworten von „Landinventur“.