Bei den Zukunftschancen wird der Abstand zwischen den Regionen im Landkreis-Ranking  geringer
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Bei den Zukunftschancen wird der Abstand zwischen den Regionen im Landkreis-Ranking geringer

Landkreis-Ranking: Zukunftschancen der 401 Kreise im Überblick

Alle 3 Jahre erstellt das Prognos-Institut ein Landkreis-Ranking zu den Zukunftschancen aller deutscher Regionen. Die Ergebnisse sind vor allem für ländliche Regionen sehr erfreulich! Die Provinz holt spürbar auf. Aber es drohen ganz aktuell auch massive Gefahren! Die Aufholjagd könnte bald abrupt beendet werden!

Insgesamt 29 Indikatoren spielen in das Landkreis-Ranking des Prognos Instituts herein. Die Kriterien sind seit 15 Jahren immer die gleichen, was die Vergleichbarkeit deutlich einfacher macht. Wichtige Punkte sind zum Beispiel das Bevölkerungswachstum, die Arbeitslosigkeit, die Geburtenrate oder die Kosten auf dem Wohnungsmarkt im Vergleich zum Einkommen. Die Top 20 lesen sich zwar durchaus ähnlich, wie wir das seit vielen Jahren erlebt. Dominiert werden sie von großen und mittelgroßen Städten fast ausschließlich aus Bayern und Baden-Württemberg. Schaut man sich die Zahlen aber genauer an, so sind im Landkreis-Ranking spannende Trends abzulesen. Und die sind vor allem ein Beweis für die Stärke der Provinz.

 

Landkreis-Ranking: Das sind die wichtigsten Trends 

 

Insgesamt zeigt sich an den Punktzahlen, die sich aus den einzelnen Indikatoren des Landkreis-Ranking ergeben: Deutschland wächst in Sachen Zukunftschancen enger zusammen. Der Abstand zwischen dem Spitzenreiter und dem Letzplatzierten wird seit Jahren spürbar geringer. Hauptgründe dafür sind das Bevölkerungswachstum auch auf dem Land. Neben der gestiegenen Geburtenrate (auch wieder in Ostdeutschland) ist natürlich die Zuwanderung ein wichtiger Grund dafür. Wobei sich zeigt, dass vor allem die Einwanderer aus anderen EU-Staaten und Osteuropa hier dominieren, die Flüchtlingsströme sind im Vergleich sogar als Faktor eher gering. 

Vergleicht man das Landkreis-Ranking der Jahre 2004 und 2019 so erhält man spannende Langzeit-Trends. Der größte Aufsteiger ist demnach die Stadt Leipzig. Im Jahr 2004 lag sie im Landkreis-Ranking auf Platz 334, aktuell steht die Stadt auf Platz 104 (von 401 Landkreisen und kreisfreien Städten). Der Trend ist seit Jahren spürbar. Im Jahr 2010 etwa war Leipzig auf Platz 264, im Jahr 2016 bereits die Nummer 137. 

Ähnliche Aufsteiger gibt es in Brandenburg. Dort gibt es zahlreiche Landkreise, die direkt an Berlin grenzen. Teltow-Fläming etwa ist so ein Aufsteiger. Berlin ist in Sachen Wohnungsmarkt teuer geworden, Firmen siedeln sich ebenfalls lieber im Umkreis von Berlin an. Ist der Arbeitsplatz 50 Km von Berlin entfernt, lohnt es sich für Arbeitnehmer auch noch, 80 Kilometer von Berlin entfernt zu wohnen um gut zur Arbeit zu kommen. Und so hat sich der Speckgürtel rund um Berlin in den vergangenen Jahren immer weiter ausgeweitet - und zieht sich inzwischen bis nach Leipzig (wenn auch noch mit erheblichen Lücken) durch. Denn für internationale Investoren gilt auch Leipzig immer noch als Stadt in der Nähe von Berlin (Entfernung: 150 Kilometer). Eine ganze Region kann sich somit zwischen 2 Boomstädten entwickeln. 

Gleiches gilt natürlich umso stärker schon seit langem für den Münchener Raum. Hatte München in den 50er Jahren gerade mal noch 700.000 Einwohner, ist die Stadt längst aus allen Nähten geplatzt, hat ihr Einzugsgebiet heute weit bis nach Augsburg und tief in die bayerischen Provinzen vergrößert. 

 

 

 

 

Den ländlichen Regionen droht eine konkrete und massive Gefahr

 

Als Hauptgrund für den Anstieg in nahezu allen Regionen Deutschlands nennt das Prognos-Institut mit seinen Wissenschaftlern den massiven wirtschaftlichen Aufschwung in Deutschland. Er ist im Ranking im Vergleich zum Jahr 2010 deutlich spürbar. Nahezu alle Kreise und kreisfreien Städte haben seither punktemässig deutlich zugelegt. Die Städte verlieren in der Tendenz leicht an Punkten, weil das Umland stärker zulegt. Somit kommt es zum Effekt des "Zusammenwachsens" bei den Zukunftschancen. 

Im Grunde verhält es sich ähnlich, wie zur Zeit des Wirtschaftswunders in der alten Bundesrepublik. In Zeiten steigender Wirtschaft profitierten zunächst die Städte und dann die Regionen. Der Boom kam in ganz (West) Deutschland an. 

Die Wissenschaftler sind sich aber einig: Sollte der wirtschaftliche Boom nachhaltig ins Stocken geraten, wird es genau den gegenteiligen Effekt haben. Und zwar stärker, als wir es in der alten Bundesrepublik nach dem Wirtschaftswunder beginnend mit der Ölkrise in den 70ern und später Anfang der 80er Jahre erlebt haben. Dann wird sich der Trend umdrehen, warnen die Forscher. Soll heißen: Wirtschaftswachstum ist für ländliche Regionen ein unbedingtes Muss. Sonst drohen einige Regionen massiv abgehängt zu werden.

 

Landkreis-Ranking: Trotz aller Euphorie gibt es auch Verlierer 

 

Auch wenn die Zahlen insgesamt besser werden. Immer noch gibt es nicht nur in Ostdeutschland Regionen, die nur sehr schlechte Zukunftsperspektiven haben. Dazu gehören auch weiter einige ländliche Regionen in Rheinland-Pfalz, im Saarland und sogar in Teilen von Bayern. Und auch in NRW gibt es Städte mit schlechten Zukunftsaussichten. Die Liste der Landkreise mit den schlechtesten Zukunftschancen wird aber dominiert von abgelegenen Regionen in Ostdeutschland. 

Schlusslicht im Landkreis-Ranking ist (wieder) der Landkreis Stendal auf Platz 401. Nur wenig davor der Altmarkkreis Salzwedel und das Jerichower Land. Mit Lüchow-Dannenberg ist unter den "Flop-10" ein einziger Landkreis aus Westdeutschland zu finden. 

Landkreis-Ranking

 

Landkreis-Ranking: Das sind die Gewinner

 

Schaut man auf das Gesamtranking, liegen Bayern und Baden-Württemberg definitiv weit vorne. München hat es auf Platz 1 geschafft, obwohl der Landkreis Starnberg beim Einzelwert "Wohlstand" deutlich vor den Münchenern liegt. Dafür hat Starnberg aber ein Demografie-Problem. Hier kommt der Kreis "nur" auf Platz 253, auch beim Thema Dynamik schneidet Starnberg eher im oberen Mittelfeld ab. Direkt hinter München folgt der Landkreis München, also der Speckgürtel auf Platz 2 im Ranking. Auch Ingolstadt und Darmstadt auf den weiteren Plätzen sind (wieder) keine Überraschung. Spannender wird es bei der Autostadt Wolfsburg. Sie lebt von einem einzigen Unternehmen (VW), kommt insgesamt zwar auf Platz 9, zeigt aber klar, was passieren könnte, wenn die deutsche Autoindustrie den Absprung vom Verbrennungsmotor nicht schaffen sollte. Bei der Dynamik lediglich Platz 175, in Sachen Demografie Platz 169 und auch beim Wohlstand liegt die Stadt im Mittelfeld. 

Landkreis-Ranking

 

 

Noch ein kurzer Blick auf Deutschlands Großstädte. Während im Ruhrgebiet viele Städte im unteren Mittelfeld oder relativ weit unten rangieren, sind die Zukunftsaussichten der Metropolen im Rheinland sehr gut. Köln verbessert sich seit Jahren auf jetzt Platz 26. Im Jahr 2004 lag die Rheinmetropole auf Platz 41, beim letzten Ranking im Jahr 2016 auf Rang 38. 

Auch Düsseldorf entwickelt sich weiter gut - aktuell Platz 12 (2004: Platz 18). Im Südwesten legt Stuttgart weiter zu, aktuell Platz 5 (zum Vergleich: 2004 Platz 8). Auch Berlin legt auf niedrigem Niveau zu, ist erstmals in der Top 100 vertreten (Rang 93). Anders Bremen: Die Stadt rutschte auf Platz 293 ab (zum Vergleich: 2004 Platz 190). Die Großstädte entwicklen sich also auseinander. 

 

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