Online-Shopping verändert Städte

Online-Shopping - Blick in die Zukunft

Mo, 09.01.2017

Online-Shopping verändert die Struktur von Städten. Wie der lokale Handel die Digitalisierung für sich nutzen kann, wie Kommunen die Wirtschaft unterstützen können.

Wie können Stadt, Handel und Immobilieneigentümer die Zukunft sichern? Die Möglichkeit online shoppen zu können, ohne 15 Minuten mit dem Auto in das nächstgelegene Einkaufszentrum fahren zu müssen, verändert nicht nur das Einkaufsverhalten der Kunden – sondern die gesamte Struktur der Städte. Während in einigen Stadtteilzentren die Nachfrage nach Einkaufsmöglichkeiten, Immobilien- und Freizeitnutzungen stark wächst, nimmt in anderen die Vielfalt ab und der Leerstand zu. Die Nahversorgung mit den den täglichen Dingen des Lebens? Kann nicht mehr gewährleistet werden. Deshalb wird Online-Shopping bei vielen immer beliebter.

Online-Shopping ist nicht alleiniger Auslöser des Problems

Es ist weniger das Online-Shopping, das einzig für den strukturellen Wandel verantwortlich ist, sondern vielmehr die Mischung aus sozialem, demografischem und digitalem Wandel. Das komplexe  Zusammenspiel der einzelnen Komponenten muss auch in den Lösungsvorschlägen beachtet werden. Der Deutsche Städtetag hat deshalb ein Diskussionspapier veröffentlicht, indem Anregungen für die zukünftige strategische Ausrichtung von lokalem Handel und Online-Shopping erörtert werden. Experten zufolge werden 20 Prozent des Einzelhandelsumsatzes im Jahr 2020 online abgewickelt werden - das klingt nach steigenden Absätzen für Läden, die auch Online-Shopping anbieten. Lokale Läden müssen aber nicht zusehen, wie der Markt durch Online-Anbieter zerrissen wird. Um die Nahversorgung der Bürger auch in Zukunft zu gewährleisten, müssen jedoch nicht nur die lokalen Läden handeln, sondern auch Bund, Länder und Kommunen zusammenarbeiten.

Nicht jeder für sich, sondern alle für ein gemeinsames Ziel

Jeder Laden hat ein eigenes Konzept, andere Waren und einen anderen Service. Das bedeutet aber nicht, dass jeder Geschäftsinhaber allein um sein Überleben kämpfen muss. Um für den Kunden sichtbar und als attraktiver Standort wahrgenommen zu werden, ist eine einheitliche Präsenz sowohl online, als auch offline notwendig. Die Händlergemeinschaft an einem Standort sollte sich als eine „Marke“ verstehen. Wie das gelingen kann? Eine gemeinsame Gestaltung der „Außenwirkung“ könnte ein erster Schritt sein. Diese hebt nicht nur die Identität des einzelnen Händlers hervor, sondern schafft ein attraktives Zentrum für den Kunden. BID (Business Improvement District) sowie ISG ( Interessen-und Standortgemeinschaften) sind Konzepte, die die Kommunikation zwischen Stadt und Händlern verbessern. Durch das Zusammenwirken zwischen Stadt und Handel kann eine bessere Standortwahrnehmung diskutiert und über gemeinsame Grundregeln umgesetzt werden. Da es hierfür jedoch bisher keine landesgesetzliche Grundlage gibt, steht die Option noch nicht allen Bundesländern und Händlern zur Verfügung. Probleme vor Ort bereiten häufig auch Filialisten und Franchise-Unternehmen, da diese sich manchmal– oftmals auch aufgrund der Vorgaben der Konzernzentralen – zu wenig am Standort engagieren. Inhabergeführte Läden weisen dagegen meist eine deutlich höhere Bindung zum Standort und deshalb auch höhere Kooperationsbereitschaften auf. Zwar bietet Online-Shopping Möglichkeiten, die die Läden direkt vor Ort nicht haben. Aber auch der Besuch beim Händler hat Vorteile, mit denen Online-Shopping bisher nicht mithalten kann: exklusive Beratung. Wenn Verkäufer diesen Vorteil ausnutzen, in qualitativ hochwertige Beratung investieren und nebenbei auch online agieren, stärken sie ihre „Marke“ nachhaltig.

Kundenattraktivität im Handel steigern

Häufig wird von der sogenannten „Magnetwirkung“ gesprochen: Wenn beliebte, alteingesessene Betriebe im Ort schließen, beispielsweise durch steigende Mieten, kommt es zu einem Mangel an Grundversorgung. Häufig wird zwar mit Alternativen versucht den Wegfall zu kompensieren. Das dies aber häufig nicht gelingt, zeigt die Praxis. Daneben stellen auch leerstehende Gebäude ein großes Problem dar – langfristige Verhandlungen mit Insolvenzverwaltern oder Erbengemeinschaften verhindern häufig weitere Nutzungen. Deshalb müssen Städte frühzeitig agieren und Handelsimmobilien aufkaufen. Damit könnten sie unnötig lange Leerstände verhindern. Dafür fehlt vielen Städten aber bislang das Geld. Führen diese Probleme dazu, dass die Läden sich weiter außerhalb ansiedeln und nicht zeitnah erreicht werden können, müssen die Bürger nicht zwingend auf Online-Shopping-Portale zurückgreifen. Städte können den Bürgern den Weg zu den Läden vereinfachen. Der Ausbau von Bike-und Car-Sharing-Angeboten ermöglicht einen schnellen Zugang zu Lebensmitteln, Haushaltswaren und weiteren Dingen, die der Mensch täglich braucht. Für viele Kunden ist es zudem ärgerlich, dass so große Unterschiede in den Öffnungszeiten bestehen. Abgestimmte Öffnungszeiten können den Kundenservice erhöhen, verhindern das Kunden Online-Shopping-Portale besuchen und damit Bürger langfristig an die Ortschaften binden.

Kein entweder- oder-Denken

Verkäufer müssen sich nicht zwischen Online-und Offline-Handel entscheiden. Stattdessen können Stadtportale oder Apps kleinen Läden helfen, eine Brücke zwischen Online-und Offline-Handel zu bauen und die Auffindbarkeit im Internet zu verbessern. Digitale Präsenz kann lokalen Handel stärken und Angebot und Nachfrage koordinieren. In Zukunft könnten maßgeschneiderte Einzelhandelskonzepte sowie Sortimentslisten erstellt werden, um die Versorgung der Bürger zu gewährleisten. Doch dafür fehlen bislang Anpassungen der Datenschutzgesetze auf Ebene der EU. Die gesetzlichen Regelungen, so der Deutsche Städtetag, hinke den tatsächlichen Entwicklungen hinterher und belasten damit die Kunden. Hier finden Sie das Diskussionspapier zum Online-Shopping als Download!

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