Pflichtfeuerwehr als Alternative
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Pflichtfeuerwehr - Wenn die Mitglieder fehlen

Di, 04.06.2019

Wenn Freiwillige Feuerwehrleute fehlen, müssen einige Kommunen eine Pflichtfeuerwehr beschliessen. Doch der Schritt wird nicht als gute Alternative sondern als letzter Ausweg gesehen...

Der Sommer steht vor der Tür und drohende Waldbrände, lodernde Buschfeuer, geplatzte Lkw-Schläuche oder Nichtschwimmer fordern die Feuerwehren in ganz Deutschland.

Doch: In vielen Orten fehlen Mitglieder. So hat auch das schleswig-holsteinische Grömitz akuten Personalmangel: „Wir haben seit fünf Jahren alles versucht, um Freiwillige zu finden“, erklärt der Bürgermeister Mark Burmeister. Doch mit mittlerem Erfolg. So versuchte es die Gemeinde mit verschiedensten Aktionen, konnte aber leider nur 30 Freiwillige finden – obwohl eigentlich 60 gebraucht werden.

Ein weiteres Problem, das in Grömitz hinzukommt: Viele Einwohner arbeiten nicht im Ort, sondern pendeln. Bei einem Alarm wären also viele nicht rechtzeitig vor Ort. Zwar sei der Brandschutz gewährleistet, doch dafür müsse der Alarm erst einmal an mehrere Feuerwehren gehen.

 

Feuerwehrmitglieder gewinnen – nur wie?

 

Um das Problem zu lösen, hat die Gemeinde im letzten Jahr die Pflichtfeuerwehr beschlossen. Denn das schleswig-holsteinische Feuerwehrgesetz erlaubt es, Bürger als Feuerwehrleute zu verpflichten: „Die Gemeinde hat eine Pflichtfeuerwehr aufzustellen, wenn der abwehrende Brandschutz und die Technische Hilfe aufgrund fehlender freiwillig dienstleistender Personen nicht ausreichend erfüllt werden können. Ist eine freiwillige Feuerwehr vorhanden, kann diese durch eine Pflichtfeuerwehr verstärkt werden.“

Ausgenommen davon sind lediglich diejenigen, die zu jung oder zu alt sind, die bestimmte Krankheiten haben oder einen bestimmten Beruf ausüben: „Alle Bürgerinnen und Bürger vom vollendeten 18. Bis vollendeten 50. Lebensjahr sind verpflichtet, Dienst in der Pflichtfeuerwehr als ehrenamtliche Tätigkeit für die Gemeinde zu übernehmen und auszuüben, sofern sie nicht nachweisen, dass sie den gesundheitlichen Anforderungen des Feuerwehrdienstes nicht gewachsen sind.“

Nach dem Beschluss im letzten Jahr hat die Gemeinde nun vor zwei Monaten damit begonnen, Briefe an die Bürger zu verschicken, in denen um ein Gespräch gebeten wird – das ebenfalls verpflichtend ist. Im nächsten Schritt werden die Bürger auf ihre Eignung hin überprüft. Bei einer Verpflichtung stehen die Grundausbildung der Feuerwehr, Übungen und Weiterbildungen auf dem Programm.

 

Doch: Warum setzen nicht mehr Gemeinden auf eine Pflichtfeuerwehr?

 

Feuerwehren verlieren von Jahr zu Jahr immer mehr Mitglieder – insbesondere im ländlichen Raum. In Grömitz ist die Zahl der aktiven Kameraden von 210 zuletzt auf 150 gesunken. Immer wieder wird versucht, über verschiedenste Methoden mehr Mitglieder zu gewinnen: Etwa, über Plakat- und Imagekampagnen, die Anhebung der Altersbegrenzung, Vergünstigungen wie freies Parken oder freier Eintritt im Schwimmbad (KOMMUNAL hat bereits über verschiedene Maßnahmen berichtet). Die Menschen zum Dienst zu verpflichten, wird von den Gemeinden meist als letztes Mittel gesehen. Denn die Erfahrung zeigt, dass freiwillige Mitglieder häufig motivierter sind als diejenigen, die gegen ihren Willen eintreten müssen. Natürlich könnte es sein, dass der ein oder andere Gefallen an der Arbeit findet, doch darauf können Gemeinden nicht immer setzen. In einem Nachbarort von Grömitz wurde nun ebenfalls eine Pflichtfeuerwehr beschlossen und hier laufen die Vorbereitungen bereits.

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