Auch das Recycling von Altfett wird in einigen Kommunen angegangen.
Katharina Lesch

Recycling: Einfach machen!

Do, 14.02.2019

Mehr Recycling, weniger Einweg. Bei dieser Herausforderung sind auch Städte und Gemeinden gefragt. Im zweiten Teil der Müllvermeidungsserie stellt KOMMUNAL inspirierende Initiativen in Kommunen und die Menschen dahinter vor.

Text: Ronald Ziepke

 

Vorreiter wie Christoph Schulz gründen ihr eigenes Unternehmen und schützen gleichzeitig die Natur. Sein Start-up „CareElite“ verkauft online ausschließlich plastikfreie Artikel: Zahnbürsten aus Bambusholz, Frischhaltetücher aus Bienenwachs und Bleistifte zum Einpflanzen, die Gewürzsamen enthalten. „Seit zwei Jahren erarbeiten wir in unserer wachsenden Community immer neue Produkte. Rückenwind bekommen wir von allen, die künftig plastikfrei leben wollen. Weltweit.“

Teil 1 unserer Serie über kommunale Müllvermeidung

Um dieses Ziel zu erreichen, sammeln der 30-jährige und seine Unterstützer Plastikmüll vom Strand, kaufen mit eigenen Tragetaschen ein und befürworten „Refill“-Angebote: Apps verraten einem, wo man seine Wasserbehälter kostenlos auffüllen lassen kann, ohne extra eine Plastikflasche kaufen zu müssen. Interessierte melden sich einfach online bei den entsprechenden Anbietern an und bekommen in der Nähe die Läden angezeigt, die bei den Auffüll-Aktionen mitmachen. „Ich komme aus Uelzen. Dort, und in den umliegenden Dörfern, kennt fast niemand solche mobilen Web-Angebote. Gerade hierbei könnten sich die Gemeinden stärker einklinken, um Smartphone-Apps bekannter zu machen und sie selbst zielgerichteter zu nutzen.“

BecherBonus belohnt Mehrweg-Nutzer

Diesen Spuren folgt auch das Bundesland Hessen. Ziel des zuständigen Ministeriums dort: Cafés, Bäckereien und Tankstellen, die Heißgetränke für unterwegs verkaufen, helfen, den Müllberg von Einmalbechern zu reduzieren. Ein Preisnachlass von mindestens 10 Cent soll Kunden dazu motivieren, ihr eigenes Trinkgefäß mitzubringen. Beim „BecherBonus“ gibts also ein Plus für den eigenen Geldbeutel und die Natur. Weg von Einweg-Systemen, hin zur Mehrzwecknutzung – dafür bedarf es nur weniger Hygiene-Regeln wie regelmäßiges Desinfizieren, Handschuhe tragen oder die mitgebrachten Becher auszuspülen. Je mehr Geschäfte sich anschließen, umso komfortabler für Nutzer und Natur. Laut hessischem Umweltministerium nehmen mittlerweile 50 Unternehmen mit rund 3000 Verkaufsstellen bundesweit an der Initiative teil. Egal, ob groß oder klein, jede Kommune kann vor Ort motivieren, dabei mitzumachen.

Recycling: Speisefett wird Bio-Kraftstoff

Müll zu vermeiden ist das eine, Abfälle sinnvoll zu nutzen das andere: In Franken beteiligen sich aktuell mehrere Kommunen am Pilotprojekt „Jeder Tropfen zählt!“ – gefördert von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt. Dabei wird Altspeisefett zu klimaschonendem Bio-Kraftstoff umgewandelt. Dafür wird in Kooperation mit einem Altfettrecycling-Unternehmen aus dem mittelfränkischen Thalmässing Speisefett aus Privathaushalten gesammelt. Hintergrund: Öle und Fette vom Braten und Frittieren können zu Verstopfungen in Abwasserleitungen führen. Diese müssen mühsam mit Frischwasser freigespült werden. Auch in städtischen Kläranlagen erzeugen Fettablagerungen hohe Säuberungskosten, die dann auf die Einwohner umgelegt werden. Fürth und Erlangen sowie kleinere Gemeinden wie Allersberg, Heideck und Hilpoltstein haben im Ort Automatikstationen eingerichtet: „Die potenzielle Sammlungsmenge wird in Deutschland auf mindestens 100.000 Tonnen im Jahr geschätzt“, erklärt Bernhard Maid vom Amt für Abfallwirtschaft der Stadt Fürth. „Um Kontinuität zu gewährleisten, bekommt jeder, der eine gefüllte Flasche mit Fett in den Behälter einwirft, sofort eine leere zurück.“

Ressourcen ganz anderer Art wurden im vergangenen Jahr in Wuppertal freigesetzt, nachdem die Müllverbrennungsanlage an das städtische Fernwärmenetz angeschlossen wurde. Die Heizkraft des Abfalls ersetzt sogar ein ganzes Kohlekraftwerk. Berechnungen zufolge besteht die Fernwärmeversorgung für die Wuppertaler Bevölkerung nun zu 40 Prozent aus erneuerbarer Energie. Der CO2-Ausstoß reduzierte sich um 450.000 Tonnen pro Jahr, was etwa 60 Prozent der Emission des Verkehrs der Stadt entspricht. 

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Um Müll künftig besser zu verwerten oder zu vermeiden, sind immer neue Impulse nötig. Und diese können aus jeder Kommunen kommen: von Politikern, Beamten, Verwaltungsangestellten, Vereinen oder engagierten Einzelpersonen. Die Crew der „CareElite“ denkt dabei von vornherein global. „Wir haben glücklicherweise ein einheitliches Pfandsystem. Warum werden nicht größere Anstrengungen unternommen, das in andere Länder zu transferieren?“, fragt sich Christoph Schulz. „Kommunen sollten sich mit ihren internationalen Partnerstädten intensiver darüber austauschen“. Von allen deutschen Gemeinden wünschen sich Umweltschützer wie er, nicht immer auf neue Verordnungen von oben zu warten: „Jeder Ort kann seinen Akzent setzen. Macht einfach.“

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