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"Regional bleiben!"

6. Januar 2015
Der frühere Teldafax-Manager Alireza Assadi baut seit zweieinhalb Jahren die Stadtwerke Oranienburg um. Er setzt auf Kundenfreundlichkeit, flache Hierarchien und Ökostrom. KD Grote hat ihn in seinem Büro besucht.

Stadtwerke sollten regional bleiben. Die Erfahrung aus mehr als zehn Jahren in einem freien Strommarkt bringt Alireza Assadi zu dieser Meinung. Der frühere Teldafax-Manager leitet seit zweieinhalb Jahren die Stadtwerke Oranienburg, nördlich von Berlin. Dort beschränkt sich die Kundschaft im Wesentlichen auf die Kreisstadt und das nahe Umland. Derzeit versuchen die Stadtwerke mit einer neuen Werbekampagne, die Vorteile eines Anbieters vor Ort deutlich zu machen. Ziel der Aktion: Die Verbundenheit zum heimischen Anbieter, bei dem die Unternehmensgewinne in der Region bleiben, soll gestärkt werden.

Assadi galt einigen als Nestbeschmutzer

Assadis Bilanzen können sich sehen lassen. Die Gewinnausschüttung soll im kommenden Jahr bei 3,4 Millionen Euro liegen – doppelt so viel wie 2011. Damals hatte die Stadt gerade 64,5 Prozent der Anteile der Stadtwerke für 25 Millionen Euro zurückgekauft. Als Finanzchef bei Teldafax hatte Assadi auf eine finanzielle Schieflage aufmerksam gemacht – mit dramatischen Folgen: 2009 verlor er seinen Job. In den noch immer laufenden Verfahren gegen die früheren Beteiligten wurde Assadi rehabilitiert – von der Staatsanwaltschaft und vom Insolvenzverwalter. Doch damals galt er manchem in der Branche wohl als Nestbeschmutzer. Die Stadt Oranienburg ging also ein kleines Wagnis ein, als sie ihn an Bord holte. Ihr Mut hat sich bezahlt gemacht.

Assadi setzt auf guten Kundenservice

Inzwischen hat sich der Markt beruhigt. Viele Anbieter sind verschwunden, nur noch ein geringer Prozentsatz der Stromkunden wechselt weiterhin von Versorger zu Versorger. Assadi hat dafür gesorgt, dass Kunden in Oranienburg bereit sind, auch etwas mehr für Strom zu zahlen als beim billigsten Anbieter. Ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis und direkter Service zählen. Zum Konzept gehört auch eine positive Grundstimmung in der Belegschaft. Assadi hat hier die vom langjährigen Vorgänger hinterlassenen Strukturen umgekrempelt. Die Geschäftsfelder Strom, Gas, Wasser wurden klar gegliedert. Assadi setzt auf neue Zuständigkeiten und flache Hierarchien. Er vertraut seiner Belegschaft. Assadi ist kein Boss, der von oben herab diktiert. Er will die Verantwortlichkeit jedes Einzelnen stärken. Die Mitarbeiter sollen Probleme lösen, die der Chef vielleicht gar nicht erst im Blick hatte. Entscheidungen sollen sorgfältig abgewogen werden, um Fehler zu vermeiden. "Damit egal ist, unter welchem Geschäftsführer die Beschäftigten arbeiten", sagt der mit einem Zeitvertrag ausgestattete 42-Jährige.

Ein Unternehmen mit flachen Hierarchien

Unternehmen, die hierarchisch geführt werden, seien zu sehr von ihren Geschäftsführern abhängig, findet der Betriebswirt. Seiner Meinung nach sind solche Strukturen anfällig für Fehler. Bei den Stadtwerken Oranienburg sollen Entscheidungen nicht vom Chef allein gefällt werden. Assadi ist wichtig, die Verantwortung auf viele Schultern zu verteilen – eine Strategie, die ohne gegenseitiges Vertrauen nicht funktioniert. Der „Neue“ bei den Stadtwerken hat offensiv um das Vertrauen seiner Mitarbeiter geworben und sich auch von Rückschlägen nicht aus dem Konzept bringen lassen. Präsentationen im Aufsichtsrat überlässt Assadi den zuständigen Mitarbeitern. Mit der neuen, im eigenen Haus entwickelten Werbekampagne soll sich auch die Belegschaft identifizieren können. Tatsächlich fragen die Außendienstmitarbeiter ungeduldig, wann sie den Slogan endlich auf ihre Fahrzeuge bekommen, berichtet Assadi.

Der Stadtwerke-Chef stellte auf Ökostrom um

Neue Ideen sollen die Stadtwerke zukunftsfähig machen. Dazu zählt auch die Umstellung auf Ökostrom. "Wir sind zu 100 Prozent vergrünt", sagt Assadi. Die Stadtwerke produzieren Kraft und Wärme in eigenen Blockheizkraftwerken und beziehen Wind- und Solarstrom. Das Unternehmen will ein kleiner Baustein der Energiewende sein. Die Stadtwerke-Fahrzeuge sind mit Elektro- oder Erdgasantrieb unterwegs. In Zusammenarbeit mit Wohnungsbaugesellschaften und der Stadt werden Photovoltaikanlagen auf Wohnhäusern und Schuldächern installiert. Bürger werden bei der Errichtung von Solaranlagen von den Stadtwerken unterstützt. Als Helfer wurde ein eigener "Lösungsvertrieb" eingerichtet. Ein Mitarbeiter berät die privaten Haushalte und schließt die Verträge zur Stromabnahme.

Auch im Privaten ist Assadi ein Macher

Zum Nutzen der Kunden soll auch die Ausweitung der Geschäftsfelder der Stadtwerke sein, die 1991 als Fernwärmeversorger gestartet waren. Gerade wurde der städtische Eigenbetrieb zur Abwasserentsorgung eingegliedert. Wenn jetzt in Oranienburg gebaut wird, sind die Stadtwerke für alle Leitungen unter der Erde zuständig. "Alles aus einer Hand", lautet das Motto. Das soll Abläufe vereinfachen und Bauzeiten verkürzen. "Davon profitieren dann auch die Bürger", sagt Assadi. Irgendwann wird sich Alireza Assadi einem neuen Projekt zuwenden. Die Stadtwerke will der gebürtige Iraner bis dahin abschließend umgebaut und fit gemacht haben. Beschäftigte und auch der Aufsichtsrat bekamen mit Assadi mehr zu tun, als sie es vor ihm gewohnt waren. Umbau heißt Arbeit. Assadi scheut davor nicht. Sein Drang zur Veränderung macht auch im Privaten nicht halt. In den vergangenen vier Jahren organisierte er als Vorsitzender auch den Tennisclub seiner Tochter komplett um. Sein Ziel hat er erreicht. Das Ruder im Tennisclub will er in Kürze abgeben. In Oranienburg wird Assadi noch eine Weile an Bord bleiben. Die Stadtwerke sind noch nicht ganz da angekommen, wo der gebürtige Iraner hin will.

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