Digitale Kommune der Zukunft
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Umfrage zu Digitalisierungsstrategien

Sechs Tipps für die digitale Kommune

Chatbots, Servicekonten und eID - Das Fraunhofer Institut hat anhand einer Umfrage sechs Handlungsempfehlungen entwickelt, die Kommunen bei der Digitalisierung helfen sollen.

Schon lange ist die Digitalisierung der kommunalen Verwaltung eine große Baustelle in Deutschland. Doch selten war sie so drängend wie zu Zeiten der Corona-Pandemie. Denn digitale Angebote helfen dabei, die nötigen Regelungen einzuhalten und ohne dass die Verwaltung dabei ins Chaos stürzt. Eine Umfrage des Kompetenzzentrums Öffentliche IT am Fraunhofer FOKUS zeigt, wie weit die deutschen Kommunen gekommen sind und was man von den Vorreitern der Digitalisierung lernen kann.

Wie weit sind die deutschen Kommunen?

412 Kommunen haben an der Umfrage teilgenommen und Fragen zu Digitalisierungsstrategie, E-Government und Engagement bei der Digitalisierung ihrer örtlichen Gemeinschaft beantwortet. In seiner Auswertung kristallisiert das Kompetenzzentrum sechs Handlungsempfehlungen heraus. Doch zunächst: Was hat die Umfrage über die Lage der Digitalisierung in den deutschen Kommunen ergeben?

E-Government-Tools für die digitale Kommune
Basiskomponenten kommunalen E-Governments nach Betreiber
© Fraunhofer FOKUS / Kompetenzzentrum Öffentliche IT

Bei der Umfrage sollten alle Kommunen angeben, welche E-Government-Komponenten, wie zum Beispiel Chatbots, Servicekontos und eID-Personalausweisen, sie ihren Bürgern anbieten. Im Schnitt kommen die befragten Kommunen auf zwei E-Government-Komponenten. Die Kommunen, deren Angebot am größten ist, kümmern sich selbst um ihre E-Government-Lösungen und verlassen sich nicht auf die Hilfe von Partnern. Als besonders auffällig bezeichnen die Umfragenmacher wie wenige Lösungen aus Angeboten der Landesverwaltungen kommen. 

Bei der Digitalisierung sind die Kommunen Einzelkämpfer

Zur Digitalisierungsstrategie befragt, zeigt sich, dass Kommunen, die eine Digitalisierungsstrategie haben deutlich mehr digitale Daten nutzen. Zudem sind sie meist im E-Government besonders gut aufgestellt und kümmern sich verstärkt um die Digitalisierung ihrer örtlichen Gemeinschaft. Auch bieten sie ihren Mitarbeitern häufig Fortbildungsmöglichkeiten zu digitalen Themen an. 

Digitale Kommune? So sind die deutschen Städte und Gemeinden aufgestellt.
Anteile der Kommunen mit Digitalkompetenzangeboten für Bürger:innen
© Fraunhofer FOKUS / Kompetenzzentrum Öffentliche IT

76 Prozent der befragten Kommunen befürworten den Aufbau und Betrieb eines lokalen Glasfasernetzes. Auch wenn das Fraunhofer FOKUS diese Bestrebung für richtig hält, weist die Auswertung der Studie darauf hin, dass mit E-Government-Angeboten nicht auf die schnellen Verbindungen durch Glasfaser gewartet werden sollte. 

FIM
Bekanntheit und Nützlichkeit des Föderalen Informationsmanagement (FIM)
© Fraunhofer FOKUS / Kompetenzzentrum Öffentliche IT

Die Umfrage zeigt, dass nur 29 Prozent der Kommunen das Föderale Informationsmanagement (FIM), ein übergreifendes Unterstützungsangebot, das Verwaltungsleistungen sowie die zugehörigen Datenfelder und Verwaltungsprozesse beschreibt, kennen. Dabei beschreiben über 70 Prozent der Kommunen, die es kennen, als hilfreich. 

So schätzen sich die Kommunen selber ein.
Zusammenhang zwischen Digitalisierungsstrategien, digitaler Verwaltung und Engagement bei der Digitalisierung der örtlichen Gemeinschaft
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Sechs Handlungsempfehlungen für die digitale Kommune

  1. E-Government gemeinsam angehen

    Die Kommunen müssen sich untereinander vernetzen und auch von der Landesebene E-Government-Angebote erhalten. Nicht jede Kommune muss ihre Angebote von Grund auf selbst konzipieren.
  2. Daten nutzen

    Die Arbeit der Kommunen kann durch digitale Daten erheblich erleichtert werden. 
  3. Digitalisierungsstrategie entwickeln

    Kommunen mit Digitalisierungsstrategie arbeiten strukturierter und schneller an Aufgaben wie dem E-Government. 
  4. Digitalisierung zur Chefsache machen

    Sind Bürgermeister:innen, Landrät:innen, Chief Digital Officers oder Chief Information Officers als oberste Leitungsebene für die Digitalisierung der Verwaltung und der örtlichen Gemeinschaft zuständig, wird dem Thema eine größere Relevanz beigemessen. 
  5. Digitalisierung braucht Kompetenzen

    Deshalb sollten Kommunen ihre Mitarbeiter frühzeitig in digitalen Themen schulen und auch Angebote für ihre Bürger bereitstellen.
  6. Die Infrastruktur ist nicht der Flaschenhals

    Auch wenn ein flächendeckender Breitbandausbau wünschenswert ist, ist er nicht notwendig, um E-Government-Lösungen anzubieten. Die meisten Services der Kommunen benötigen keine große Bandbreite und können auch ohne schnelle Glasfaserverbindungen genutzt werden.