Praxisbeispiel Aschaffenburg
So geht digitale Bürgerbeteiligung
Während der Testphase entstand ein Prototyp der Digitalen Manufaktur, die das Projektteam im Rahmen des Ideenwettbewerbs „kommunal?digital!“ entwickelte und die das Bayerische Staatsministerium für Digitales mit rund 500.000 Euro gefördert hat. Mithilfe des Prototyps veranschaulichte das Team den gesamten Prozess: von der Idee bis zur Projektmappe für die Sachbearbeiter. Dafür nutzte es ein konkretes Beispiel: Das Aufstellen einer E-Bike-Ladestation.
Die Zukunft der Bürgerbeteiligung?
„Mittlerweile hat sich der Prozess der DiMa aufgrund der technischen Gegebenheiten noch mal deutlich verändert“, berichtet Leslie Becker vom Amt für Digitalisierung, Organisation und IT. „Die Plattform kann viel mehr, als wir uns ursprünglich erträumt hatten.“ Im Wesentlichen gebe es zwei Wege, um Ideen zu entwickeln und zu prüfen. Beide führen über die Webseite: Die Bürgerinnen und Bürger können sich entscheiden, ob sie die Plattform schriftlich über eine Eingabemaske oder mündlich per Spracheingabe nutzen möchten. „Tatsächlich sind wir jetzt soweit, dass man auch mit der DiMa sprechen kann“, freut sich Becker.
Digitale Bürgerbeteiligung mit Design-Thinking
In einem Workshop mit der TH Aschaffenburg hat das Projektteam die Sprachfähigkeit trainiert. „Dabei war uns wichtig, dass die DiMa empathisch auf die Anfragen eingeht“, sagt Becker. Wichtig sei außerdem, dass die Plattform nicht als „eine Art Kummerkasten“ verstanden wird. Stattdessen werden die Ideengeber mithilfe des Design-Thinking-Ansatzes dazu angeregt, konkrete Lösungen zu entwickeln oder Verbesserungsvorschläge einzubringen. Zu diesem Prozess gehöre beispielsweise Probleme zu erkennen, Ideen abzuleiten, einen virtuellen Prototyp zu gestalten und zu testen. Während dieses Ideenfindungsprozesses werden die Nutzer von einer KI-Assistenz begleitet – ein auf dem Sprachmodell von ChatGPT basierende Künstliche Intelligenz. „Die KI ist darauf trainiert, die Bürger auf verständliche Art und Weise durch den Prozess zu führen. Das Ziel ist, dass es Spaß macht und sie ein positives Gefühl haben, wenn sie mit der DiMa arbeiten“, so Becker.
Dabei kann die Künstliche Intelligenz auf zahlreiche Informationen, wie etwa Stadtratsbeschlüsse, zugreifen und sie verwenden. So sei klar, ob sich der Stadtrat beispielsweise bereits mit einem Thema beschäftigt habe oder sich dazu positioniert hat. Auch rechtliche Aspekte können eingebunden werden. So ist es möglich, sich gesetzliche Grundlagen anzeigen zu lassen, die das eingereichte Thema betreffen.
Weniger Arbeit für die Verwaltung
Am Ende des Prozesses erstellt die DiMa eine Projektmappe, die der Verwaltung fundierte Informationen zur Verfügung stellt. Das sei eine „Riesenunterstützung“, da die Sachbearbeiter damit deutlich schneller arbeiten können und ein Teil ihrer Arbeit bereits erledigt sei, so Becker. Im Idealfall landet die Projektmappe direkt bei dem jeweils zuständigen Amt. Damit das funktioniert, werde die Digitale Manufaktur beispielsweise mit dem Stadtplanungsamt und dem Büro des Oberbürgermeisters und Bereichen der Wirtschaftsförderung verknüpft.
Ausprobieren können die Aschaffenburger die Plattform zuhause am PC – oder im Digitalladen in der Fußgängerzone, beispielsweise während der Aschaffenburger Kulturtage im Juli. „Hier können die Menschen die Plattform testen und wir können helfen, falls es Fragen gibt“, sagt Becker. Mit der Digitalen Manufaktur wolle die Stadt einen konkreten Mehrwert schaffen für den Dialog mit der Stadtgesellschaft. Diese Interaktion, so die Digitalisierungsbeauftragte, sei die DNA der Digitalisierungsstrategie. Die DiMa kann dazu einen wesentlichen Beitrag leisten.


