Künstliche Intelligenz
So schlau nutzen Kommunen KI

Durch die KI konnte ein siebenstelliger Euro-
Betrag eingespart werden.“
Dennis Betzinger, Iserlohner Stadtwerke
Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Seitdem die KI mit dem Namen „Grid Insight: Heat“ in Iserlohn mit etwa 95.000 Einwohnern im Märkischen Kreis im Einsatz ist, verbrauchen die Stadtwerke etwa 60 Prozent weniger Gas. Die C0²-Einsparungen konnten erheblich gesenkt und ein kleiner siebenstelliger Euro-Betrag eingespart werden. Schäden im Fernwärmenetz gibt es heute sehr viel weniger, weil Schwachstellen im System erkannt und ausgemerzt werden. Auch der Verlust an Wärme ist heute kaum noch ein Thema. In Zusammenarbeit mit einem IT-Unternehmen wurde die Software von den Stadtwerken selbst entwickelt, steht aber auch anderen Kommunen zur Verfügung, sofern diese ein größeres Fernwärme- oder Nahwärmenetz betreiben.
Stadtwerke sparen mit dem Einsatz von KI
"Was sich nach einer richtig großen Investition anhört, amortisiert sich schon in wenigen Monaten“, sagt Dennis Betzinger. „Letztendlich waren die Entwicklungskosten nicht höher als die einer sehr viel kleineren Software, die wir davor im Einsatz hatten“, unterstreicht der Fachmann. Es geht den Stadtwerken nicht darum, eine Konkurrenzsituation aufzubauen. „Wir sind viel mit anderen Stadtwerken im Austausch und teilen unser Knowhow, unsere Expertise und unser Wissen gerne mit anderen. Mittlerweile ist unsere KI auch in Kassel, in Hagen, in Lüdenscheid, in Bielefeld und in Heidelberg eingesetzt.“ Alle Erfahrungen – auch aus anderen Kommunen – fließen in die Software mit ein und verbessern sie stetig. Und was ist, wenn es zu einem Hackerangriff kommt? Dennis Betzinger zeigt sich entspannt: „Das System funktioniert auch ohne direkte Internet-Anbindung und die Leitwarte sind 24 Stunden aktiv. Mit einem Klick die Wärmeversorgung in einer Kommune abschalten – das funktioniert so nicht.“
Trinkwasserversorgung wird durch KI überwacht
In Bad Homburg v. d. Höhe überwacht Künstliche Intelligenz die Trinkwasserversorgung der Stadt. Sie spürt mittels Sensordaten rechtzeitig Leckagen und Anomalien auf und kann Rohrbrüche verhindern. Auch durch marode private Hausanschlüsse gingen bisher etwa 13 Prozent von 3,1 Millionen Kubikmetern Wasser pro Jahr verloren. Bledion Vladi, ehemaliger Student in Bad Homburg, hat die Software gemeinsam mit Kommilitonen entwickelt. Mithilfe des neuen Programms werden Daten in Echtzeit produziert, etwa Angaben dazu, in welchen Gebäuden es in den kommenden Monaten sehr wahrscheinlich zu Problemen kommen wird.

Ralf Schroedter, Kaufmännischer Direktor der Stadtwerke in Bad Homburg v. d. Höhe, erläutert: „Früher sind sogenannte Streckenläufer die Rohrleitungen abgegangen. Das war nicht nur zeitintensiv, sondern auch wenig zielführend. Statt alle fünf Kilometer die Leitungen zu überprüfen, geschieht das heute alle fünf bis zehn Meter. Mithilfe der KI können wir heute auch den privaten Eigenheim-Besitzern frühzeitig mitteilen, wann welche Schäden zu erwarten sind und dass sie jetzt handeln sollten.“ Vladi ergänzt: „Mittlerweile werden in der Gesamtbewertung des Systems mehr als 60 mögliche Modelle berücksichtigt.“
Auch in Bad Homburg rechnet sich der Einsatz der Künstlichen Intelligenz. Das Personal wird entlastet, weniger Trinkwasser geht verloren, die Kosten sinken. Was ursprünglich als Uni-Projekt begann, trägt heute bereits Früchte in vielen anderen Kommunen, dabei ist die Software noch gar nicht am Ende ihrer Möglichkeiten. Das Ziel ist, in allen Bereichen der Trinkwasserversorgung automatisierte Abläufe zu bekommen – an sieben Tagen die Woche und 24 Stunden am Tag.
Wuppertal, Landkreis Fulda, Essen, Mannheim, Potsdam, Bamberg setzen auf KI
Weitere Beispiele für den Einsatz von KI in Kommunen: In Potsdam macht KI die Straßenreinigung intelligenter. Im oberbergischen Wuppertal ist sie in Sachen effektiver Ampelschaltungen im Einsatz. Im Landkreis Fulda warnt eine App Bürgerinnen und Bürger, aber auch Rettungskräfte und Behörden, vor den Gefahren eines prognostizierten Starkregen-Ereignisses. In Essen im Ruhrgebiet – eine von vielen Bergbaustädten – spürt regelmäßig ein „digitaler Zwilling“ mithilfe eines Radars Hohlräume auf, um die Gefahren durch Erdrutsche und Einstürze rechtzeitig aufzuzeigen. In Mannheim wird mithilfe von Sensoren und Kameras Alarm ausgelöst, wenn die KI Anzeichen für gewalttätige Übergriffe im Stadtgebiet erkennt. Ein entsprechendes Pilotprojekt wurde bis Ende 2026 verlängert. In Bamberg sollen Drohnen und Satelliten künftig Wald- und Grünflächen überwachen und die Bodenfeuchte selbstständig messen, um frühzeitig Krankheiten oder drohende Dürreschäden zu erkennen.
Software mit Schwachstellen
Nicht immer hält die Software, was die Kommunen sich davon versprechen. Thorsten Bottin, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit im westfälischen Soest, bezeichnet die Software zur Erkennung von Straßenschäden, die in der Kommune erprobt wird, bislang als wenig hilfreich. „Die Software erkennt bislang nur Schäden im Asphalt, kommt mit Pflastersteinen – etwa in der Soester Altstadt – aber gar nicht zurecht. Zwar liefert die KI Bilder, aber die Auswertung lässt noch zu wünschen übrig.“
Der Einsatz Künstlicher Intelligenz wird für die Kommunen auch deshalb immer wichtiger, weil den Städten und Gemeinden Personal abhandenkommt. Dennis Betzinger von den Stadtwerken Iserlohn sagt: „Der Markt ist leergefegt. Wir müssen selbst ausbilden und haben dann trotzdem Mühe, die Fachleute zu halten.“

