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Soziale Medien ticken anders als die klassische Kommunikation

Soziale Medien: So gewinnen Sie ihre Nutzer für sich

von Christian Erhardt-Maciejewski
Chefredakteur | KOMMUNAL
19. Februar 2018
Im Internet gilt eine andere Sprache als auf dem "Amt". Was aber ist mit "Amts-Accounts" bei Twitter oder Facebook? "Wer Botschaften rüber bringen will, muss mutiger werden", meint Christian Erhardt.

Es hat sich viel getan in der Behördensprache in den vergangenen Jahren – zumindest im Netz. Da postet das Auswärtige Amt bei Twitter als Reaktion auf den „Brexit“, man werde sich nun erst einmal in einem Irish Pub betrinken. Smileys gehören in vielen Behörden ohnehin schon lange dazu. Und die frechen Bilder und Kommentare der Berliner Verkehrsbetriebe haben ohnehin schon lange Kultstatus. Tausendfach geteilt etwa die Antwort auf eine Nutzerin, die sich über ständige Kontrollen in der U-Bahn beschwerte. „Werde das Gefühl nicht los, die bvg finanziert #weilwirdichlieben durch ihre Schwarzfahrer. Werde dreimal täglich kontrolliert!“ Die BVG (Werbeslogan: Weil wir dich lieben) antwortete der Dame: „Klaro. Neuer Hashtag ist übrigens #weilwirdichkriegen Überhaupt ist Selbstironie bei der BVG König. Auf die Beschwerde eines Nutzers über schlechte Musiker in der U Bahnlinie 2 antwortete die BVG: „Erwartest du in einer Linie, die U2 heißt, ernsthaft gute Musik?“

Soziale Medien: Auch offizielle Behörden agieren inzwischen anders

Auch bei der Polizei sind Emojis inzwischen fester Bestandteil fast aller Accounts größerer Wachen. Zum Teil erzählen Polizisten komplette Geschichten in Form von animierten Gifs. Und auch Wortspiele stehen ganz hoch im Kurs. Etwa, als ein Jugendlicher bei Twitter sich an die Frankfurter Polizei (hier gehts zum Twitter-Account) wendet und fragt: „Was für eine Strafe droht mir, wenn ich mit 5 Gramm Grass erwischt werde?“ Der Rechtschreibfehler animierte die Beamten zur Antwort: „Welches Buch? Grass, Günter“...nicht ohne einige Smileys dahinter.

So gewinnen Sie in den sozialen Medien

Eine faszinierende Wendung, die die Kommunikation der Behörden gerade nimmt. Und das aus sehr gutem Grund: Denn soziale Netzwerke brauchen Emotionen. „Lustige Tweets“ werden geteilt und somit viel häufiger angesehen. Die Reichweite erhöht sich enorm und somit auch die Botschaft, die dahinter steht. Kurzum: Der Weg in die Köpfe führt über Emotionen. Ganz wichtig aber: Behörden dürfen es nicht übertreiben, dürfen nicht beleidigend werden und der Witz muss auch verstanden werden. Meine Tipps daher: Nicht jeder Post sollte witzig sein, aber es braucht immer mal wieder ein „Appetithäppchen“. Kritik an Ihren Beiträgen müssen Sie dann aber auch riskieren und aushalten. Immerhin haben sie dann das Ziel der „Reaktion“ und somit der Kommunikation schon mal erreicht. Vor jedem Tweet sollten sie aber noch mal kurz innegehen und überlegen, ob es wirklich passt. Dann aber heißt es: Feuer frei! Denn wer nicht wagt, der online nicht gewinnt! Übrigens: Auch der Autor dieser Zeilen ist bei Twitter täglich aktiv - folgen Sie Christian Erhardt HIER

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