Deutschlands Tierparks in der Krise - wie Kommunen helfen können
Deutschlands Tierparks in der Krise - wie Kommunen helfen können

Corona-Folgen

Deutschlands Tierparks in der Krise - was Kommunen jetzt tun können

Deutschlands Zoos und Tierparks waren von der Corona-Krise ebenfalls stark betroffen. Viele Einrichtungen waren über Monate geschlossen – die Kosten für Unterhalt und Tierfutter gingen aber weiter. Dank kommunaler Zuschüsse haben die meisten Parks aber überlebt. Der KOMMUNAL-Deutschlandreport.

Viele Tierparks haben versucht, die vergangenen Monate irgendwie mit Humor zu nehmen - so auch der Tierpark im niedersächsischen Nordhorn. Als in der Anlage in der Grafschaft Bentheim, die sich selbst als „Der Familienzoo im Grünen“ bezeichnet, im April ein Kalb der in freier Wildbahn bereits ausgestorbenen vietnamesischen Sikahirsche zur Welt kam, erhielt es den Namen „Lockdown“. Denn alle Namen der 2021 in dem Zoo geborenen Tiere sollen mit dem Buchstaben „L“ anfangen, so wie die Namen aller 2020 geborenen Jungtiere mit einem „K“ beginnen. Weswegen ältere Schwester des kleinen Sikakalbs schon seit gut einem Jahr den Namen „Korona“ trägt. „Es ist schon ein Bisschen Galgenhumor dabei“, sagt die Sprecherin des Nordhorner Tierparks, Ina Deiting. Denn natürlich hatte auch der Zoo in Nordhorn unter der Corona-Pandemie zu leiden. In den Lockdowns war die Öffnung von Zoos und Tierparks über längere Zeit nicht möglich. Und nach Inkrafttreten der Bundesnotbremse durften die Außenbereiche von Zoos und Tierparks nur mit einem negativen Corona-Test betreten werden. Die Testpflicht führte zu erheblichen Besucherrückgängen. „Unser Tierpark benötigt im Schnitt 1000 Besucher am Tag, damit sich jeder Tag von Einnahmen und Ausgaben die Waage hält“, so der Vorsitzende des Fördervereins des Nordhorner Zoos, Dietmar Brookmann. Weswegen man im Zoo an der holländischen Grenze unter dem Motto „Wir sind Zoo 3.0“ eine eigene Spendenkampagne startete, um die Defizite auszugleichen.

Tierparks waren unterschiedlich stark betroffen 

„Im Großen und Ganzen hatten alle Zoos in Deutschland unter der Corona-Pandemie zu leiden“, erklärt auch der Geschäftsführer der Deutschen Tierpark-Gesellschaft, Jan Bauer. Allerdings könne man dabei zwischen den Einrichtungen durchaus unterscheiden: „Kommunale Zoos und Tierparks waren insgesamt weniger betroffen, weil sie einen gesicherten Haushalt haben“, so Bauer. „Private Betreiber hatten arg zu knabbern.“ Diesen Befund teilt auch Eckard Wiesenthal, Vorsitzender des Deutschen Wildgehege-Verbands, in dem rund 150 vor allem kleinere Einrichtungen zusammengeschlossen sind. „Die privaten Parks hatten die größte Angst“, sagt Wiesenthal. Wo die Stadt Mitglied eines Betreibervereins ist, oder Mitgesellschafter einer Betreibergesellschaft, gingen dagegen die Einnahmen aus den Eintrittsgeldern oft in die kommunale Kasse - „und im Gegenzug hat die Kommune dann einen Haushaltstitel, der die Parkausgaben deckt, und in der Krise dafür sorgte, dass die Futterkosten schon einmal gesichert sind.“ Schwierig war es für alle Einrichtungen, neue Investitionen durchzuführen und den Personalbestand zu halten, meint Wildgehege-Verbandschef Wiesenthal. Auch die Kurzarbeit half nur bedingt. „Ich kann mir einen Elch nun einmal nicht mit ins Home-Office nehmen.“ Die Tiere müssten auch während einer pandemiebedingten Schließung einer Anlage für Besucher versorgt werden. Doch auch Wiesenthal zollt den Kommunen für ihr Verhalten in der Krise Respekt. „Die Ämter haben allen Handlungsspielraum, den sie hatten, ausgenutzt, um den Zoos und Tierparks zu helfen.“

Spendenaktionen reichten nicht aus - es kommt auf kreative Ideen und Besucherbindung an, um Tierparks aus der Krise zu holen 

Und dennoch sei es in der Corona-Pandemie wichtig gewesen, das positive Verhältnis der Besucher zu ihren Zoos zu stärken, sagt der Geschäftsführer der Deutschen Tierparkgesellschaft, Jan Bauer. So hätten manche Parks während des Oster-Lockdowns im vergangenen Jahr begonnen, kleine Videoschnipsel im Park zu drehen, und auf diese Weise über Jungtiere und aktuelle Entwicklungen informiert. „Das kam unter dem Strich gut an. Gerade die kleinen Einrichtungen haben in der Zeit des Lockdowns viele Spenden erhalten.“ Und eine ganze Reihe von Zoos und Tierparks hätten auch sehr gute Besucherzahlen verzeichnet, als die Einrichtungen wieder öffnen durften. „Der eine oder andere hatte im Corona-Jahr 2020 sogar mehr Besucher als im Jahr 2019.“ Selbst ist Bauer Direktor des Zoos im sachsen-anhaltinischen Dessau. „Der Draht zur Presse und zur Politik ist besser geworden“, beobachtet der Zoodirektor. „Hier in Sachsen-Anhalt hat man sich für die Zoos sehr stark gemacht.“ Im zweiten Lockdown musste der Zoo gar nicht mehr schließen. „Als Open-Air-Einrichtung haben wir das große Glück, dass Infektionen bei uns sehr unwahrscheinlich sind“, meint er. „Diese Stärke muss man herausarbeiten.“ Mittlerweile gibt es Shows des Anhaltischen Theaters im Dessauer Tierpark. „Wir sind zur Bühne für die Hochkultur geworden, weil die Häuser noch geschlossen sind“, sagt Bauer. Der Tierpark werde auf diese Weise auch zu einer kulturellen Einrichtung. Grenzen in der Wahrnehmung, die einst vielleicht bestanden, würden überschritten.

Sie können einen Elch nicht mit ins Home-Office nehmen"

Eckard Wiesenthal, Vorsitzender des Deutschen Wildgehege-Verbands

Eckard Wiesenthal
Eckard Wiesenthal

Wirtschaftliche Probleme sieht der Verbands-Manager eher auf die großen, wissenschaftlich geführten Zoos zukommen. „Dort gibt es ganz andere Verwaltungsstrukturen und viel mehr Personal“, erklärt Bauer. In Dessau, wo der kommunal unterstützte Zoo-Eintritt normalerweise nur 3,50 Euro kostet, wurde ein Solidaritätseintritt eingeführt: Zahlreiche Besucher hätten nach dem Lockdown freiwillig 5 Euro bezahlt, um den Zoo zu unterstützen. Und auch mit einer temporären Verlängerung der Öffnungszeiten hat der Zoo gute Erfahrungen gesammelt. „Aber es gibt eben auch Zoos, in die man vor allem wegen der Tierhäuser geht“, so Bauer. „Und wenn die Tierhäuser zu sind, sieht man nicht alles.“ Dazu kommt die Frage der Gastronomie: Manche Zoos, die die Gaststätten in ihren Parks selbst bewirtschaften, kalkulieren die Gewinne daraus fest mit ein. In der Pandemie mussten aber auch die Zoo-Restaurants schließen. Und auch Obergrenzen für Besucherzahlen machten den großen Einrichtungen zu schaffen.

Der Blick nach vorn: So könnte es für die Tierparks weitergehen 

„Die Gäste lechzen nach den Parks“, beobachtet Wildgehege-Verbandschef Wiesenthal. In den privaten Parks werde derzeit dennoch noch recht vorsichtig gewirtschaftet. In den kommunalen Anlagen wurde dagegen der Haushalt beschlossen, so dass Investitionen möglich sind: So wird im Zoo Rostock derzeit für rund sieben Millionen Euro eine neue Robbenanlage gebaut, finanziert mit

Landeszuschüssen. Und auch im Zoo Leipzig soll mit „Feuerland“ eine ganz neue Zoolandschaft entstehen, „eine spektakuläre Wasserwelt für Pinguine und Seelöwen“, wie es in einer Mitteilung heißt. Eine Wellenanlage soll dort für Meeresstimmung sorgen. „Über einen begehbaren Unterwassertunnel steigen die Besucher von den Pinguinen zu den Robben hinab und erleben die Tiere wie bei einem Tauchgang auch unter Wasser und können die Schwimmbewegungen beobachten.“

„Das Erwachen kommt, wenn die Pandemie vorbei ist“, warnt Wiesenthal. Denn dann werden die Kommunen vor zahlreichen Baustellen stehen, die sie zu bewältigen haben. Wieviel Geld dann noch für Zoos und Tierparks zur Verfügung steht, werde man sehen. „Klar ist aber, dass eine Kommune, die ihren Zoo unterstützt, nichts falsch macht“, findet Wiesenthal. Denn 80 bis 90 Prozent der von Zoos durchgeführten Investitionen bleiben nach seiner Berechnung in der Region. „Und in Zoos und Tierparks werden Menschen gebraucht. Sie können mit dem Smartphone und der Digitalisierung nicht Natur vermitteln – das geht nur von Mensch zu Mensch. Die Zoomitarbeiter leben in der Region und geben ihr Geld dort aus: Am Ende ist jede Investition in einen Zoo deswegen auch ein gutes Stück regionale Wirtschaftsförderung,“ so Wiesenthal.

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