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  4. Verfassungsgericht stärkt kommunale Selbstverwaltung
Das Bundesverfassungsgericht hat die kommunale Selbstverwaltung gestärkt

Verfassungsgericht stärkt kommunale Selbstverwaltung

von Christian Erhardt-Maciejewski
Geschäftsführer, Chefredakteur | KOMMUNAL
22. November 2017
Es ist ein Sieg in der Niederlage - Karlsruhe weist eine Klage von Kommunen zur Kitaplanung zugunsten der Landkreise ab und stärkt damit zugleich die kommunale Selbstverwaltung. Eine Analyse!

Bei der Kitaplanung ist es nach Ansicht des Verfassungsgerichts angebracht, über Gemeindegrenzen hinaus zu denken. Damit hat das Gericht eine Klage von acht Kommunen aus Sachsen-Anhalt abgewiesen. Das Land hatte die Kita-Planung in die Hände der Landkreise und kreisfreien Städte gegeben, einige Kommunen hatten dagegen geklagt.

Urteilsbegründung stärkt die kommunale Selbstverwaltung massiv

Karlsruhe räumt den Kommunen in dem Urteil ein direktes Klagerecht ein. Zudem heißt es wörtlich: "Die Finanzkraft einzelner Gemeinden hat auf die Bestimmung der Angelegenheiten der örtlichen Gemeinschaft grundsätzlich keinen Einfluss". An anderer Stelle heißt es: "Der Staat muss den Kommunen die Mittel zur Verfügung stellen, die sie zur Erfüllung ihrer Aufgaben benötigen". Deutlicher kann man die Rechte der Kommunen kaum noch fassen.

kommunale Selbstverwaltung: Auch die Kommunenvertreter sind trotz Niederlage zufrieden

In einem Gastbeitrag für KOMMUNAL äussert sich der zuständige Beigeordnete des Deutschen Städte- und Gemeindebundes ebenfalls lobend zu dem Urteil. An dieser Stelle finden Sie den Beitrag von Uwe Lübking vom DStGB:

Bundesverfassungsgericht stärkt gemeindliches Selbstverwaltungsrecht

Beigeordneter Uwe Lübking, DStGB   Auch wenn die klagenden Kommunen Sachsen-Anhalts mit ihrer Verfassungsbeschwerde gescheitert sind, hat das Bundesverfassungsgericht mit seinem Urteil vom 21.11.2017 (2 BvR 2177/16) eine richtungsweise Entscheidung zur gemeindlichen Selbstverwaltungsgarantie getroffen. Art. 28 II GG sichert den kreisangehörigen Städten und Gemeinden nicht nur eine umfassende Aufgaben-zuständigkeit örtlicher Angelegenheiten, insbesondere in den Bereichen Kinderbetreuung und Bildungsangebote zu, sondern verwehrt den Bundesländern auch, hinter dem Schutzgehalt des Grundgesetzes zurückbleibt. Landesrecht kann Regelungen enthalten, die mit Art. 28 Abs.2 GG unvereinbar sind, den Städten und Gemeinden steht dann aber ein direktes Klagerecht zum Bundesverfassungsgericht zu, wenn der Schutz der gemeindlichen Selbstverwaltung in der Landesverfassung zu eng, zu schwach oder zu gering ist.

Das Land Sachsen-Anhalt hatte durch eine Änderung des Kinderfördergesetzes bestehende Leistungsverpflichtungen der kreisangehörigen Städte und Gemeinden im Bereich der Kindertagesbetreuung auf die Landkreise als Träger der öffentlichen Jugendhilfe übertragen. Auch wenn das Bundesverfassungsgericht diese Aufgabenübertragung als noch verhältnismäßig angesehen hat, sind die Rechte der Gemeinden nachhaltig gestärkt worden.

Kein Dualismus der Selbstverwaltung

Dem „Dualismus des Selbstverwaltungsrechts von Kreis und Gemeinde“ hat das Bundesverfassungsgericht eindeutig eine Absage erteilt. Vielmehr garantiere Art. 28 II GG den kreisangehörigen Städten und Gemeinden nicht nur die Allzuständigkeit hinsichtlich aller örtlichen Angelegenheiten, sondern die herausgehobene Bedeutung der Gemeinden für den demokratischen Staatsaufbau beinhalte auch einen grundsätzlichen Vorrang der gemeindlichen Aufgabenzuständigkeit. Zu den grundlegenden Strukturelementen von Art. 28 Abs. 2 GG gehört die Eigenständigkeit der Gemeinden auch und gerade gegenüber den Landkreisen. Aus dem verfassungsrechtlichen Aufgabenverteilungsprinzip folgt ein prinzipieller Vorrang der Gemeindeebene vor der Kreisebene. Genügen Leistungsfähigkeit und Verwaltungskraft einer Gemeinde nicht, um kommunale Aufgaben wahrzunehmen, gewährleistet Art. 28 Abs. 2 Satz 1 GG den Kommunen das Recht, diese in kommunaler Zusammenarbeit zu erfüllen, bevor der Staat sie an sich zieht.

Selbstverwaltung vor Hochzonung

Daher besteht grundsätzlich ein Vorrang der interkommunalen Zusammenarbeit vor der Hochzonung gemeindlicher Aufgaben auf die Landkreisebene. Erst wenn durch gemeindliche Kooperation die Erfüllung kommunaler Aufgaben nicht sichergestellt werden kann, darf der Staat den Gemeinden die davon betroffenen Zuständigkeiten entziehen. Art. 28 Abs. 2 Satz 1 GG fordert für die örtliche Ebene insofern eine mit wirklicher Verantwortlichkeit ausgestattete Einrichtung der Selbstverwaltung, die den Bürgern eine effektive Mitwirkung an den Angelegenheiten der örtlichen Gemeinschaft ermöglicht. Auch die Finanzkraft einzelner Gemeinden hat auf die Bestimmung der Angelegenheiten der örtlichen Gemeinschaft grundsätzlich keinen Einfluss; vielmehr muss der Staat gemäß Art. 28 Abs. 2 Satz 3 GG den Gemeinden gegebenenfalls die Mittel zur Verfügung stellen, die sie zur Erfüllung ihrer Aufgaben benötigen. Dies ist ein klares Signal des Bundesverfassungsgerichts an die Bundesländer, die Städte und Gemeinden durch eine aufgabenadäquate Finanzausstattung in ihrem Selbstverwaltungsrecht zu stärken.

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