Wasserstoff- und E-Autos Vor und Nachteile
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Verkehrswende: E-Autos oder Wasserstoff?

Welche Rolle spielen die Kommunen bei der Verkehrswende? Und welche Technologien führen in welche Zukunft? Ein Vergleich von Wasserstoff und E-Mobilität.

Wenn Deutschland seine Klimaziele erreichen will, muss der Verkehr dringend umweltfreundlicher werden. Denn allein im Jahr 2017 war der Verkehr auf den Straßen für die Emissionen von 115 Millionen Tonnen CO2 verantwortlich, hat das Statistische Bundesamt ermittelt.

Doch für eine Verkehrswende sehen Experten nicht nur Verbraucher sondern auch die Politik in der Pflicht. So können Bund und Länder den Kauf von umweltfreundlicheren Autos und Ladestationen finanziell fördern und Kommunen eine Vorreiterrolle einnehmen. Denn täglich sammeln kommunale Fahrzeuge Abfall ein, der öffentliche Personennahverkehr bringt Menschen von einem Ort zum anderen und neben den Autos für die Landschaftspflege drängen auch die Dienstwagen der Mitarbeiter auf die Straße. Mit circa 250.000 Fahrzeugen im Fuhrpark sind Kommunen zudem auch ein großer Auftraggeber für die Autoindustrie und können somit eine Veränderung einläuten. „Wenn Kommunen auf umweltfreundliche Alternativen setzen, motivieren sie ihre Bürger es ihnen gleich zu tun“, meint Felix Creutzig, Professor für nachhaltige Stadtökonomie an der TU Berlin. Doch für viele Städte und Gemeinden stellt sich die Frage, auf welche Technologien sie in Zukunft setzen sollen. In den letzten Jahren sind insbesondere zwei Möglichkeiten populär geworden. Nämlich Wasserstoff- und Elektrofahrzeuge.

 

Verkehrswende: Mehrere Kommunen setzen auf Wasserstoff

 

Um Emissionen einzusparen, setzen einige Kommunen auf Wasserstoff bei ihren Fahrzeugflotten.

So hat eine Umfrage von Roland Berger ergeben, dass 89 europäische Kommunen in den nächsten fünf Jahren bis zu 1,8 Milliarden Euro in Stadtbusse, Autos und Lieferwagen mit Brennstoffzellen und die Wasserstoffproduktion investieren wollen. Auch Züge, Müllwagen und Schiffe mit der Technologie sind demnach geplant. Und um die Anzahl der Wasserstofffahrzeuge zu erhöhen, hat Nordrhein-Westfalen einen Wettbewerb für Kommunen zur Entwicklung von Konzepten ins Leben gerufen. Die Gewinner erhalten 1,1 Millionen Euro. Doch: Wieso wird hier auf Wasserstoff gesetzt? Die Antwort liegt auf der Hand. Brennstoffzellen sind laut einer Studie des Fraunhofer ISE klimafreundlicher als der Diesel. Zudem sind sie sehr leise und können eine Reichweite von 500 bis 700 Kilometern erreichen. Auch das Tanken dauert nur wenige Minuten.

 

Und die Nachteile von Wasserstoff-Autos?

 

Allerdings gibt es auch Nachteile. So wird Wasserstoff derzeit überwiegend nicht mit erneuerbaren Energien hergestellt und über Erdgasspaltung produziert. Doch es gibt auch andere Möglichkeiten ihn zu gewinnen. Hinzu kommt, dass die Autos sehr teuer sind. Sie kosten zwischen 70.000 und 80.000 Euro. Bisher gibt es auch nur 71 Tankstellen und 386 zugelassene Wasserstofffahrzeuge. Damit haben sie einen Anteil von 0,0006 Prozent am Gesamt-Fahrzeugbestand. Beim E-Auto sind es immerhin 0,2 Prozent. Doch laut der Beratung Ernst and Young bräuchte Deutschland ungefähr 1.000 Tankstellen, um interessant für Verbraucher zu werden.

 

Wann E-Autos wirklich Sinn machen

 

Auch E-Autos versprechen Klimafreundlichkeit, bessere Luftqualität und eine erhebliche Lärmreduzierung. Das macht sie für den kommunalen Einsatz sehr interessant. Denn aufgrund der geringen Geräuschentwicklung können die Fahrzeuge auch am Abend oder in der Nacht eingesetzt werden – ohne die Bürger zu stören. Gerade bei Kurzstreckenfahrten kommen Verbrennungsmotoren häufig nicht mal auf die Betriebstemperaturen und stoßen deshalb überproportional viele Schadstoffe aus. Auf kurzen Wegen macht der Einsatz von E-Autos besonders Sinn.

 

Was sind die Nachteile von E-Autos?

 

Doch E-Autos haben auch viele Nachteile. Denn zum einen dauert das Tanken wesentlich länger, was vor allem an der fehlenden Verfügbarkeit von Schnellladestationen liegt.

Zum anderen erreicht die Batterie bisher meist keine hohen Reichweiten. Auch die Produktion der Batterie ist sehr energieintensiv. Bestandteile wie Lithium müssen aufwendig gewonnen werden. Das Ifeu in Heidelberg hat berechnet, dass allein die Herstellung eines E-Autos 30 Prozent zur Klimabelastung beiträgt, die das Auto während seines gesamten Lebens verursacht. „Hinzu kommt, dass für die Herstellung auch der Rohstoff Kobalt benötigt wird, der meist aus Minen aus dem Kongo kommt und mit Abholzung und Kinderarbeit einhergeht“, erklärt Felix Creutzig. Laut des Ifeu stoßen E-Autos im Gegensatz zu Dieseln circa fünf Prozent weniger Treibhausgase aus. Im Vergleich zu Benzinern ist die Einsparung höher, nämlich 20 Prozent. „Die Bilanz der Elektroautos verbessert sich aber, je mehr Ökostrom eingesetzt wird. Und richtig gut wird sie, wenn die Autos zu 100 Prozent mit Ökostrom gefahren werden. Wenn wir bis 2050 und in großen Schritten Kohle aus dem Stromnetz nehmen, können wir Emissionseinsparungen von weitaus mehr als 60 Prozent im Transportsektor durch eine starke Elektrifizierung der Flotte erreichen“, so Felix Creutzig.

 

Wasserstoffauto und E-Auto für die Verkehrswende

 

E-Autos sind keine Allzweckwaffe!

 

Nichtsdestotrotz sind E-Autos insbesondere im kommunalen Bereich keine Allzweckwaffe: „Da Elektroautos bei der Herstellung relativ viel CO2 verbrauchen, müssen sie relativ viel fahren, um diesen Verlust wieder aufzuholen. Also mindestens 45.000 Kilometer. Bei Fahrzeugen, die die meiste Zeit herumstehen, lohnt sich ein hocheffizienter Benziner mehr“, erklärt Martin Wietschel, Leiter des Geschäftsfelds Energiewirtschaft am Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI. Hinzu kommt, dass gebrauchte Batterien von Elektroautos zwar meist ein Zweit- oder Drittleben haben und beispielsweise als Stromspeicher in Haushalten genutzt werden können. „Aber was mit den Batterien passiert, wenn wir zwei Milliarden E-Autos haben, kann niemand sagen“, fügt Creutzig hinzu.

 

Martin Wietschel über E-Autos
Martin Wietschel ist Leiter des Geschäftsfelds Energiewirtschaft am Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI

 

E-Autos, Wasserstoff, Fahrrad, Carsharing - Wie gelingt die Verkehrswende?

 

Und da es insbesondere auf dem Land Gebiete ohne die nötige öffentliche Ladeinfrastruktur gibt, ist damit zu rechnen, dass mancherorts noch 10 oder 15 Jahre auf Benzinmotoren gesetzt wird.

Doch Kommunen können die Nutzung von E-Autos attraktiver machen. Einerseits indem sie Ladestationen aufbauen und mehr Parkplätze für Elektroautos reservieren. Und andererseits erlaubt das Elektromobilitätsgesetz Kommunen seit dem Jahr 2015, Privilegien für die Elektroautos einzuführen.

So können sie Parkgebühren für Fahrzeuge erlassen, Sonderspuren freigeben oder die Zufahrt zu Straßen mit Durchfahrverboten erlauben. Allerdings nutzen bisher nur wenige Städte und Gemeinden diese Möglichkeiten. So hat beispielsweise Wiesbaden zwar die Parkscheinautomaten angepasst. Eine Freigabe von Busspuren für Elektrofahrzeuge sei aber nicht geplant, weil das oberste Ziel der Stadt ist, den ÖPNV und Radverkehr attraktiver zu machen. Eine Freigabe der Busspuren für E-Autos würde dieses Ziel aber konterkarieren, heißt es von Verwaltungsseite.

 

Kommunen sollten lieber das Radfahren und den ÖPNV stärken!

 

„Auch E-Autos nehmen wertvollen städtischen Raum in Beschlag“, meint Creutzig. Er fordert Kommunen auf, lieber das Radfahren und den ÖPNV zu stärken. „Zum Beispiel, indem auf Hauptverkehrsstraßen eine eigene Spur für die Zweiräder reserviert wird. Auch der Ausbau von Car-Sharing ist sinnvoll, weil mit weniger Autos die gleiche Mobilität erreicht werden kann und Parkplatzprobleme verringert werden können“, so der Professor. Vor allem Elektrofahrräder machten Sinn, ihre Energiebilanz sei besser. Dass man auf dem Land bislang noch nicht völlig aufs eigene Auto verzichten kann, ist Creutzig klar. Hier plädiert der Wissenschaftler dafür, Schnellfahrradwege für E-Bikes zu errichten und Sammeltaxen zu fördern.

Martin Wietschel hingegen glaubt nicht an die eine Technologie, die sich in Zukunft durchsetzen wird, sondern vielmehr an einen Mix: „Ich gehe davon aus, dass wir bis 2040 nur Elektroautos und Plugin-Hybride mit einem Mix aus Strom, Wasserstoff und Benzin als Neuwagen kaufen werden.“

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