Waldbrände
Nico Jacobs/shutterstock

So können Waldbrände verhindert werden

Derzeit brennt es wieder großflächig etwa in der Lieberoser Heide. Starkwetterereignisse häufen sich - wenn der angrenzende Wald brennt oder die Straßen unter Wasser stehen, müssen sie zur Stelle sein. Doch wie gut sind die Städte und Gemeinden vorbereitet?

"Schon vor den aktuellen Bränden hatten wir 113 Waldbrände im Jahr 2019“, sagt Raimund Engel, Waldbrandschutzbeauftragter des Landes Brandenburg. „Die klimatische Veränderung kommt schleichend, aber sie kommt.“ Steht der Wald erstmal in Brand, sind es die Kommunen, die als Träger des Brandschutzes mit ihren Feuerwehren vor Ort sein müssen, um zu retten, zu bergen und zu löschen. Die gute Nachricht vom Vizepräsidenten des Deutschen Feuerwehrverbands, Karl-Heinz Knorr:

Unsere Feuerwehren sind gut aufgestellt. Wir haben eine weltweit einmalig hohe Dichte an Wehren.

Waldbrände

Trotzdem kämpft die Feuerwehr derzeit um neue Mitglieder. Bleibt das Interesse an der Freiwilligen Feuerwehr weiterhin niedrig, kann sie Sicherheit in Brandfällen zukünftig nicht mehr garantieren.

Waldbrände eindämmen - durch gut erschlossene Wälder

Ein positiver Faktor für die schnelle Eindämmung von Bränden in Deutschland ist auch, dass die Erschließung der Wälder sehr hoch ist. Während etwa im Jahr 2018 in Brandenburg insgesamt 1.650 Hektar Wald in Brand standen, waren es ein Jahr zuvor in Portugal über 400.000 Hektar. „In vielen Ländern sind die Brände für die Feuerwehren gar nicht erreichbar, weil sie in einem naturbelassenen Dickicht kilometerweit vom nächsten Weg entfernt liegen“, sagt Knorr. Auch wenn in Deutschland schnell auf Waldbrände reagiert wird, sollte das Ziel sein, sie möglichst gar nicht erst entstehen zu lassen. Die Feuerwehren und Forstverwaltungen empfehlen deshalb verschiedene Maßnahmen, die Waldbränden vorbeugen.

Tipps zur Waldbrandprävention

Bepflanzung
An kritischen Stellen sollte schwer brennbarer Wald aus Laubbäumen (besonders Buchen und Eichen) oder zumindest Mischwald geplant werden.
Waldpflege
Die Wälder sollten gepflegt werden. Regelmäßige Durchforstungen der Bestände helfen, dass Licht und auch Niederschlag bis an den Waldboden kommt. Bestände können sich von Natur aus verjüngen.
Pflege von Wegen und Straßen
Wege und Straßen müssen auch nach oben hin gut freigeschnitten werden, damit sie im Ernstfall für Tanklöschfahrzeuge befahrbar sind. Die Waldwege sollten so stabil gebaut werden, dass auch schwere Löschfahrzeuge mehrfach ohne Schaden an Weg und Fahrzeug zwischen Wasserentnahmestelle und Einsatzort pendeln können.
Einsatztaugliche Karten
Es sollten spezielle Karten erstellt werden, auf denen befahrbare Wege gekennzeichnet sind, sowie Löschwasserentnahmestellen, damit sich die Feuerwehr im Einsatzfall so schnell wie möglich orientieren kann.

Wer ist für die Prävention verantwortlich?

In diesen Punkten haben die Kommunen jedoch häufig keine Handhabe. Wald- und Forstgesetze legen den Waldbrandschutz in die Verantwortung des Waldbesitzers. Das sind in einigen Fällen die Kommunen, der größte Teil des deutschen Waldes liegt allerdings in Privathand. „Man kann sich fragen, ob es klug ist, hier alleine auf die Waldbesitzer zu setzen“, gibt Raimund Engel zu bedenken. „Viele Waldbesitzer verfügen in einer Erbengemeinschaft über Kleinstwaldabschnitte und fühlen sich nicht verantwortlich, wenn es zum Beispiel darum geht, Löschwasserentnahmestellen zu errichten.“ Wer nur ein paar Hektar Wald besitze, sehe nicht ein, warum er einen Löschbrunnen für viele Tausend Euro bauen lassen soll. Hier gibt es auch laut Knorr Verbesserungsbedarf im Bundeswaldgesetz und den sechzehn Landesforstgesetzen.

Bürger für Waldbrände sensibilisieren

Ein wichtiger Schlüssel für die Waldbrandprävention ist die Sensibilisierung der Bürger. „Jeder Bürger sollte wissen, dass er während Trockenphasen kein Lagerfeuer im Wald machen und auch keine Zigarette anzünden sollte“, sagt Knorr. „Das Gleiche gilt dafür, Zigarettenstummel in Böschungen zu werfen, wie es häufig Autofahrer auf Landstraßen tun.“ Es sei ein wichtiges Gut, dass man in Deutschland seine Freizeit im Wald verbringen könne, doch das müsse auch mit dem nötigen Verantwortungsbewusstsein geschehen. Der Feuerwehrverband und die Feuerwehren versuchen dafür in den sozialen Medien und in der Presse zu sensibilisieren. Auch die Kommunen sollten das tun, meint Knorr. „Meistens gibt es ja an Wegen, die in den Wald führen, Schilder, die noch einmal darauf hinweisen, dass man kein Feuer machen soll. Ein paar Verantwortungsverweigerer wird es aber trotzdem immer geben“, sagt Knorr.

Waldbrand-Taskforces könnten weiterhelfen

Obwohl er mit der Einsatzfähigkeit der Feuerwehr bei Waldbränden zufrieden ist, sieht Knorr noch Verbesserungsmöglichkeiten. So könne man etwa über Deutschland verteilt einige „Waldbrand-Taskforces“ bilden, die genau auf diese Brände spezialisiert sind. Diese sollte dann über Spezialfahrzeuge verfügen, so etwa leichtere und kleinere Tanklöschfahrzeuge speziell für Vegetationsbrandeinsätze. Diese sollten dann von Bund und Ländern angeschafft werden. Auch Engel sieht ein Problem, das dringend gelöst werden muss: „90 Prozent der Waldfläche, die im letzten Jahr in Brandenburg abgebrannt ist, ist bei elf Bränden verbrannt“, erzählt er. In allen elf Fällen war der Brand auf Kampfmittelflächen ausgebrochen, wo die Feuerwehr nur mit einem Sicherheitsabstand vom Rand löschen kann. Und auch der sich aktuell ausbreitende Brand in der Lieberoser Heide lässt sich aus diesem Grund so schwer unter Kontrolle bekommen. Engel drängt darauf, die Waldwege zu entmunitionieren, um großflächigen Waldbränden besser vorbeugen zu können.

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