Die Wasserknappheit hat massive Auswirkungen auf die Bürger

Wasserknappheit in Deutschland - so reagieren die Kommunen

Heftige Gewitter und Starkregen auf der einen Seite - in anderen Regionen ist es knochentrocken - und das seit Wochen - in ersten Orten kommt kein Wasser mehr aus den Hähnen. Ein Überblick!

 

Was im Norden von Niedersachsen gerade passiert, hat fast historisches Ausmaß: Es ist trocken ohne Ende, seit Wochen kein Regen. Am vergangenen Wochenende war die Trinkwasserversorgung in der Region Stade teils zusammengebrochen. In Hunderten Haushalten kam das Wasser nur noch tröpfchenweise aus der Leitung. Waschmaschinen und Spülmaschinen standen still, Melkmaschinen streikten, auf den Bauernhöfen konnte die Tiere teils nicht einmal mehr getränkt werden. Darum greift der Abwasserverband nun zu drastischen Maßnahmen: Das Wasser wird rationiert. Dran glauben muss erst einmal vor allem der heimische Rasen vieler Bewohner der beschaulichen Gegend. Rasen sprengen ist ebenso verboten wie Auto waschen. Das private Schwimmbecken darf - trotz der Hitze - auch nicht mehr befüllt werden.

 

Wasserknappheit ist aber gar nicht das eigentliche Problem

 

Im KOMMUNAL-Gespräch klärt der Geschäftsführer des zuständigen Wasserverbandes jedoch auf. von Wasserknappheit oder gar Folgen des Klimawandels könne in Stade keine Rede sein. Im Gegenteil: Im vergangenen Jahr hat es überdurchschnittlich viel in der Region geregnet, die Grundwasserstände sind hervorragend. Aber es gibt ein hydraulisches Problem. Gerade in ländlichen Regionen ziehen die Wasserleitungen sich über längere Strecken. Wenn nun viele Menschen gleichzeitig das Wasser anstellen - etwa zum Sprengen am Abend - dann sinkt die Fließgeschwindigkeit des Wassers. Das Ergebnis kann im Extremfall sein, dass aus dem Wasserhahn eben nur noch tröpfchenweise was herauskommt.

 

Kurzum: Die Wasserknappheit herrscht nur am Ende der Leitung, nicht beim Grundwasser!

 

Je weniger es regnet, desto mehr Wasser wird verbraucht

 

Das größte Problem nahezu aller Wasserversorger in Deutschland: Bei wenig Regen und hohen Temperaturen steigt der Wasserbedarf der Deutschen drastisch an. In der Landwirtschaft etwa drohen ohne Wasser massive Ernteausfälle, aktuell müssen Kartoffeln und Zuckerrüben in weiten Teilen des Landes bewässert werden. Der Bedarf der privaten Haushalte steigt ebenfall, vor allem durch die Gärten.

 

Rechtlich stehen solche Rationierungen grundsätzlich auf wackeligen Füßen, weshalb viele Kommunen keine Bußgelder verhängen."

 

Wasserknappheit ? Leitungsprobleme? - was Kommunen dürfen und was nicht

 

Den Rechtsrahmen für solche Beschränkungen wie in Stade liefern die Allgemeinen Bedingungen für die Versorgung mit Wasser (AVBWasserV) - in solchen Fällen kann der öffentliche Wasserversorger die Wassernutzung tatsächlich einschränken. Voraussetzung ist aber, dass damit weitere Trinkwasserengpässe verhindert werden.  Im Fall von Stade ist die Lage somit eindeutig, denn die Auswirkungen der Wasserknappheit beziehungsweise die Auswirkungen der zeitgleichen Nutzung waren bereits deutlich zu spüren. Rechtlich stehen solche Rationierungen aber grundsätzlich auf wackeligen Füssen, weshalb auch in Stade vorerst keine Bußgelder verhängt werden. Andere Abwasserverbände in Deutschland reagieren jedoch auch anders.

Hier ist die Wasserknappheit besonders groß

Trotzdem gibt es durch das extreme Wetter in diesen Tagen in Deutschland auch wirkliche Wasserknappheit.  Alarmierendes Niedrigwasser etwa in NRW - in Coesfeld am Rande des Ruhrgebiets ist es so trocken, dass der Fluss Stever stellenweise nur noch wenige Zentimeter Wasser führt. Auch hier gilt daher eine Wassernotverordnung. Ab sofort darf kein Wasser mehr für den privaten Gebrauch abgeschöpft werden. In der Stever befürchtet man zudem ein Fischsterben und erhebliche Pflanzenschäden. Einen Rekordwasserverbrauch meldete etwa auch die Stadt Hannover in dieser Woche. Am Montag wurden innerhalb eines Tages 161 Millionen Liter verbraucht - der höchste Tagesverbrauch seit 25 Jahren. Auch Hildesheim meldete Rekordwasserverbrauche vor allem durch private Haushalte - vor allem am Abend. Ein Sprecher vermutet, dass viele nach der Arbeit erst mal eine kühle Dusche nahmen. Auch Wolfsburg meldete einen ähnlichen Trend. Auch im Norden Brandenburgs gibt es Wasserknappheit. Der Niederbarnimer Wasser- und Abwasserzweckverband hat für Teile seines Versorgungsgebietes in Oberhavel und im Barnim eine Allgemeinverfügung herausgegeben. Die Entnahme von Wasser für die Bewässerung und Beregnung von Grundstücken ist damit untersagt. Auch hier begründet der Abwasserverband die Einschränkung mit drohenden Ausfällen und bezieht sich auf das Brandenburgische Wassergesetz. Denn am Mittwoch war es hier zu einem zweistündigen extremen Abfall des Versorgungsdrucks gekommen. Hier ist allerdings noch unklar, woran die Störung lag. Möglicherweise handelte es sich um einen Ausfall der zentralen Prozessteuerung.

 

 

Wasserknappheit - davon hier keine Spur

 

Ganz anders die Situation in anderen Teilen der Republik. Rund um Magdeburg etwa zogen am Abend schwere Gewitter und Niederschläge vorüber. Im Raum Lindau in Bayern gab es in der Nacht schwere Gewitter mit überschwemmten Straßen und nassen Kellerräumen. Bäume knickten um und sorgten für massive Verkehrsbehinderungen. Im hessischen Gießen (hier verkneifen wir uns jetzt jedes Wortspiel) wurden über 50 Autokennzeichen bei Polizeistationen abgegeben - der Grund: Die Kennzeichen waren durch die Wassermassen beim Fahren von den Fahrzeugen gefallen. Insgesamt aber war es übrigens der heißestes Mai Monat seit 129 Jahren. In Lingen im Emsland etwa wurden gestern 34,2 Grad gemessen. Ein neuer Rekord. Insgesamt lag die Durchschnittstemperatur laut dem Deutschen Wetterdienst um 3,9 Grad über dem Durchschnittswert in Mai.

 

 

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